Warum fünf Adelstöchter England verklagen

Im britischen Hochadel dürfen nur Söhne erben. Eine handvoll Aristokratinnen wollen das ändern – und klagen gegen ihr Land.

Im House of Lords ist Gleichberechtigung tabu. Foto: Reuters

Im House of Lords ist Gleichberechtigung tabu. Foto: Reuters

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Im Jahr des Herrn 2018 feiert das Vereinigte Königreich 100 Jahre Frauenwahlrecht, mit der Errichtung einer Statue. Die Suffragette Millicent Fawcett steht nun als erste Frau zwischen den Heroen britischer Geschichte auf dem Parliament Square. Eine Frau ist Premierministerin, eine Frau ist Königin, und bei der Hochzeit des Jahres wurde eine Feministin zur Duchess of Sussex gemacht. Sogar die Thronfolge bei den Royals wurde vor ein paar Jahren so geändert, dass sie jetzt immer an den oder die Erstgeborene fällt – also auch an eine Frau.

Ist Grossbritannien ein Vor­zeigeland für die Gleichberech­tigung? Wenn das so wäre, würden jetzt nicht fünf adelige Damen aus England vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen und ihr Land verklagen. Name der Kampagne: Daughters’ Rights, Töchter-Rechte. Ihr Ziel: die Ab­schaffung des Prinzips der männlichen Primogenitur.

Denn tatsächlich, man mag es kaum glauben, erben im britischen Hochadel (Schottland macht da eine Ausnahme) nach wie vor nur Söhne Titel und Vermögen. Was die fünf Frauen – die ältesten Töchter der Earls of Ronaldshay, Balfour und Macclesfield sowie der Viscounts Long of Wraxhall und Torrington – fordern, ist: dass Erbtitel geschlechtsneutral vergeben werden – und das Erbe an das älteste Kind geht.


Video: Das Ja-Wort, der Kuss, das Kleid

Das waren die emotionalsten Momente der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle.


Wie bizarr das geltende Recht ist, war auch für Laien leicht zu erkennen, als in der Erfolgsserie «Downton Abbey» der Erbe des grossen Anwesens, ein Neffe des Earl of Grantham, zu Tode kommt und seine drei Töchter leer ausgehen. Es erbt stattdessen ein entfernter Verwandter.

Dass das nicht nur Filmstoff, sondern bittere Realität ist, zeigen Fälle wie jener des Earl of Nor­thesk, dessen ältester Sohn sich umbrachte. Northesk hinterliess Frau und drei Töchter. Die Älteste der drei verfasste eine Petition, um den Titel weiter tragen zu dürfen, aber der ging an einen Cousin achten Grades. Es gibt Dutzende solcher Fälle, Gegner des archaischen Rechts erzählen sie mit Entsetzen. Es gehe dabei nicht nur um Fragen der Gleichberechtigung, sondern auch um ökonomische Katastrophen: Wo sich weit und breit kein männlicher Erbe findet, gehen Titel und Vermögen verloren.

Nur männliche Erbadlige im House of Lords

Seit Jahren wird vergeblich versucht, die männliche Primogenitur abzuschaffen; weibliche Mitglieder adeliger Familien gründeten «Gleichberechtigung für Frauen im Adelsstand», eine Gruppe, die sich selbstironisch «die Hasen» nannte. Lord Lucas, Mitglied des Oberhauses, der ein Fan der Gleichberechtigung ist, brachte 2011 einen Initiativ­antrag ein. Aber die Regierung mochte diese Rebellion gegen jahrhundertealte Traditionen nicht unterstützen.

Das alles führt nun dazu, dass sich weiterhin nur Männer auf einen der 92 für den Erbadel vorgesehenen Plätze im House of Lords bewerben können, die per Abstimmung vergeben werden. Dieses Prozedere, sagen die klagenden Töchter von Daughters’ Rights, verstosse gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. In der sei neben dem Diskriminierungsverbot schliesslich auch das Recht auf freie Wahlen festgeschrieben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2018, 10:10 Uhr

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