Volle Kontrolle

Emmanuel Macron hat so viele Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht, dass die meisten Bürger gar nicht mehr wissen, welche sie gut und welche sie schlecht finden.

Fast täglich stösst er eine neue Debatte an: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Fast täglich stösst er eine neue Debatte an: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Bild: Reuters

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Die vielen Konflikte, die Emmanuel Macron in Frankreich austrägt, hat er sich selber ausgesucht. Er ist ein Mann mit wahnwitziger Energie und einem ausgeprägten Hang zur Kontrolle. Der Präsident hat in den letzten Monaten so viele Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht, dass die meisten Bürger gar nicht mehr wissen, welche sie eigentlich gut und welche sie schlecht finden. In dem allgemeinen Durcheinander gibt es nur einen, der den Überblick behält: Monsieur le Président.

Besetzte Universitäten, blockierte Züge, geschlossene Kindergärten, Krankenhäuser ohne Pflegepersonal. Franzosen aller Berufszweige sehen in Macrons Initiativen keine Reformen, sondern das Verschwinden essenzieller Sicherheiten. Man mag ihnen recht geben oder nicht. Sicher ist nur, dass der Präsident vom Widerstand nicht überrascht ist. Im Gegenteil. Fast täglich stösst er eine neue Debatte an.

Diese Strategie der vielen Grossbaustellen könnte sich gegen Macron wenden, wenn er alle gleichzeitig verärgert. 

Diese Strategie der vielen Grossbaustellen könnte sich gegen Macron wenden, wenn er alle gleichzeitig verärgert und so die Allianzen ermöglicht, von denen seine Gegner träumen. Doch von so einer Einigkeit gegen den Präsidenten ist Frankreich weit entfernt. Es ist genau ein Jahr her, da wollten bei der Präsidentschaftswahl jeweils gut zwanzig Prozent der wählenden Franzosen ganz nach rechts, weit nach links oder direkt zurück in die Fünfzigerjahre. In diesem zersplitterten Frankreich behauptet Macron: Die Mitte bin ich. Ob das dem Land hilft, tatsächlich wieder so etwas wie eine Mitte zu finden, ist eine andere Frage.

Der Journalist Jean-Pierre Pernaut, der gestern Macron für ein Millionenpublikum sehr freundliche Fragen stellte, ist übrigens ein erklärter Fan des Präsidenten. Nicht nur bei einem seiner seltenen TV-Interviews gilt: Macron überlässt nichts dem Zufall. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.04.2018, 21:43 Uhr

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