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Kommentar: Überfordert mit dem Schutz der Stadt

Der Einsatz der Polizei in Hamburg verwundert: Sie reagiert nervös auf einzelne Flaschenwürfe - kann gegen einen zerstörerischen Mob aber offensichtlich nichts ausrichten.

Die Demonstrationen am Rande des G20-Gipfels in Hamburg sind in einen Gewaltexzess ausgeartet. (Video: Tamedia / Twitter, Storyful)

Verantwortlich für die Randale in Hamburg sind die Randalierer. Das muss man feststellen, bevor man die Schuld für die entgleiste Atmosphäre rund um den G-20-Gipfel bei Politik oder Polizei sucht. Ein vermummter, marodierender, internationaler Mob hat sich in der Hansestadt ausgetobt, Autos angezündet, Läden geplündert, Angst und Schrecken verbreitet.

Es war, als würden sich die Täter in einen Gewaltrausch hineinsteigern. Sie wirkten halbstark und breitbeinig, wie besoffen von der Idee, das Eigentum anderer kaputt zu machen. Einige Randalierer machten Selfies vor einem Barrikaden-Feuer. Echte Kapitalismus-Kritik sieht anders aus. Wer Weltfrieden und eine rücksichtsvolle Wirtschaft will, muss selbst friedlich und rücksichtsvoll sein. Sonst ziehen die Argumente nicht.

Trotzdem darf man sich wundern über die Polizei, die in Hamburg den Gipfel begleitet. Natürlich, sie hat einen sehr schwierigen Job zu erledigen: Einerseits muss sie einen ganzen Kader aus hochgefährdeten Staatschefs schützen, andererseits den Frieden auf den Strassen sicherstellen. Allerdings arbeitet sie auch unter Voraussetzungen, die beides möglich machen müssten. 20'000 Einsatzkräfte aus ganz Deutschland kamen für den Gipfel nach Hamburg, ein Arsenal aus Wasserwerfern steht bereit. Freitag und Samstag gilt zwischen Flughafen und Elbe eine 38 Quadratkilometer grosse Verbotszone, in der die Versammlungsfreiheit sozusagen abgeschafft ist.

Bildstrecke - G-20-Gipfel in Hamburg

Allein die Dutzenden abgebrannten Autos schlagen mit insgesamt vier Millionen Euro zu Buche: Die Feuerwehr versucht ein in Brand gestecktes Auto zu löschen. (8. Juli 2017)
Allein die Dutzenden abgebrannten Autos schlagen mit insgesamt vier Millionen Euro zu Buche: Die Feuerwehr versucht ein in Brand gestecktes Auto zu löschen. (8. Juli 2017)
Clemens Bilan/EPA, Keystone
In Hamburg sitzen nach den Krawallen 51 Verdächtige in Untersuchungshaft, darunter mindestens ein Schweizer: Radikale Demonstranten am Freitag in Hamburg. (7. Juli 2017) Bild: Thomas Lohnes/Getty
In Hamburg sitzen nach den Krawallen 51 Verdächtige in Untersuchungshaft, darunter mindestens ein Schweizer: Radikale Demonstranten am Freitag in Hamburg. (7. Juli 2017) Bild: Thomas Lohnes/Getty
Die Polizei vermutet Brandstiftung im Zusammenhang mit dem G-20-Gipfel: Im Stadtteil Eidelstedt brannten in der Nacht acht Luxusautos auf dem Gelände eines Porschehändlers. (6. Juli 2017)
Die Polizei vermutet Brandstiftung im Zusammenhang mit dem G-20-Gipfel: Im Stadtteil Eidelstedt brannten in der Nacht acht Luxusautos auf dem Gelände eines Porschehändlers. (6. Juli 2017)
Axel Heimken/DPA via AP, Keystone
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Normalbürger und friedliche Demonstranten bekamen immer wieder den Eindruck, dass die Polizei aus geringem Anlass hart eingriff. Am Donnerstagabend stoppte sie zum Beispiel die Demonstration «Welcome to Hell» nach wenigen Metern, weil aus ihrer Sicht zu viele Vermummte in der Menge waren - später sagten Juristen, die Polizei habe das Vermummungsverbot zu eng ausgelegt, weil die meisten Demonstranten eben nicht vermummt waren.

Aber vor allem fragt man sich: Was bringt die Masse an Polizisten? Was bringen die Verbote und engen Rechtsauslegungen? Als die Demonstration «Welcome to Hell» gestoppt war, kam es zu einer Gewalteskalation. In der Nacht von Freitag auf Samstag fühlte man sich im Schanzenviertel sogar zeitweise in einen rechtsfreien Raum versetzt. Die Barrikaden brannten, die Plünderungen begannen. Die Polizei war nicht da. Sie reagiert nervös auf vereinzelte Flaschenwürfe, aber ist offensichtlich machtlos wenn ein zerstörerischer Trupp aus Vermummten durch die Stadt zieht. Welche Strategie die Polizei verfolgt, ist nicht zu verstehen.

Dass die relativ enge Grossstadt Hamburg kein geeigneter Standort für einen G-20-Gipfel ist, wusste man vorher. Jetzt drängt sich zusätzlich der Verdacht auf, dass auch die Hamburger Polizei nicht gut geeignet ist für die schwierige Aufgabe, bei einem so grossen politischen Ereignis die Ruhe der Bevölkerung zu bewahren. Sie ist überfordert mit ihrer Aufgabe beim Gipfel.

Video - Wut über Randale und Zerstörung

Die Spuren der Nacht im Hamburger Schanzenviertel sind unübersehbar. (Video: Tamedia / Reuters)

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