Tausende gedenken der Zerstörung Dresdens 1945

1945 wurde die Stadt Dresden von den Alliierten zerstört, 25'000 Menschen starben. 73 Jahre später brodelt ein Streit um die Erinnerungskultur.

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Mit Kerzen, Gebeten und einer Menschenkette haben die Dresdner der Zerstörung ihrer Stadt vor 73 Jahren gedacht. Etwa 11'500 Bürger kamen nach Angaben der Stadt am Dienstagabend zusammen, um eine rund vier Kilometer lange Menschenkette um die Altstadt zu bilden.

Damit sollte nach Angaben der Stadt an die Unmenschlichkeit des Krieges erinnert und gleichzeitig «ein Zeichen des Miteinanders für eine weltoffene, tolerante Stadt» gesetzt werden. Oberbürgermeister Dirk Hilbert forderte, sich aktiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen und die gesellschaftliche Spaltung zu überwinden.

«Erinnerungskultur ist nicht nur das Ablegen von Kränzen, sondern auch in ganz besonderer Weise gesellschaftliche Bildungsarbeit mit klarem Bezug zur Gegenwart», sagte der FDP-Politiker laut Redetext zum Auftakt der Menschenkette. Aus dem 13. Februar erwachse eine Verantwortung «nicht für die Vergangenheit, aber sehr wohl für das, was heute, morgen und übermorgen geschieht».

Blick vom Rathausturm nach der Bombardierung 1945. Bild: Richard Peter/Wikimedia Commons

Zur Menschenkette hatte wieder ein breites Bündnis aus Politik, Wirtschaft, Kirchen, Wissenschaft und Gewerkschaften aufgerufen. «Wir wenden uns gegen jede Anwendung von Gewalt und fordern zur Versöhnung auf», hiess es in dem gemeinsamen Appell.

Bereits seit Dienstagvormittag versammelten sich Dresdner Bürger und Politiker an zahlreichen Gedenkorten, um an die Opfer des Zweiten Weltkriegs zu erinnern.

Heidefriedhof - Altmarkt - Frauenkirche

Zu den zentralen Erinnerungsorten gehört neben dem Heidefriedhof, wo zahlreiche Tote der Luftangriffe begraben sind, auch der Altmarkt. Dort wurden nach der Bombardierung tausende Tote eingeäschert. Vor der im Krieg zerstörten und vor wenigen Jahren wieder aufgebauten Frauenkirche entzündeten Besucher Kerzen.

Bei den Luftangriffen britischer und US-amerikanischer Bomber auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945 waren etwa 25'000 Menschen getötet worden. Weite Teile der historischen Altstadt von «Elb-Florenz» wurden komplett zerstört.

Ringen um die Erinnerungskultur

Um die Erinnerungskultur wird in Dresden seit langem gerungen. Bürgermeister Hilbert war im vergangenen Jahr angefeindet worden, nachdem er im Vorfeld des Gedenktages vor einem Opfermythos gewarnt und erklärt hatte, Dresden sei alles andere als eine unschuldige Stadt gewesen. Nach Drohungen gegen ihn wurde er damals unter Polizeischutz gestellt.

Bereits am Samstag hatten mehrere Hundert Menschen gegen einen Aufmarsch von Neonazis in der sächsischen Landeshauptstadt demonstriert.

Instrumentalisierung durch Rechtsradikale

Rechtsextreme versuchen seit Jahren, den Jahrestag der Zerstörung für ihre politischen Zwecke zu instrumentalisieren. Aufgrund der starken Gegenproteste wurden grössere Neonazi-Aufmärsche rund um den 13. Februar in den vergangenen Jahren verhindert.

Zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens sieht Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer einen klaren Schulterschluss der Gesellschaft gegen Extremismus. «Wir überlassen es nicht den Rändern, dieses Datum zu besetzten», sagte der CDU-Politiker im Südwestrundfunk.

Lieber zuhören statt schreien

Der Präsident des sächsischen Landtags, Matthias Rössler von der CDU forderte, am 13. Februar wieder mehr Zeitzeugen zuzuhören, «statt den Tag lautstark für politische Zwecke zu instrumentalisieren».

Die rechtsnationalistische AfD-Fraktion im Dresdner Landtag kritisierte unterdessen, dass die von AfD-Politikern auf dem Heidefriedhof abgelegten Kränze teilweise zerstört worden seien. Unbekannte hätten die Trauer- und Kranzschleifen entfernt. André Barth, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion (Alternative für Deutschland), sprach von «politisch motivierter Grabschändung». (oli/sda)

Erstellt: 13.02.2018, 23:07 Uhr

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