Tausende Brexit-Gegner demonstrieren in London

In der britischen Hauptstadt gehen vor allem junge Leute für eine Aufhebung des Brexit-Votums auf die Strasse. Doch die Chancen für ihr Anliegen stehen schlecht.

Unzufrieden: Junge Briten prostetieren in London gegen den Brexit. (Video: Reuters)

Demonstrationen gegen das Brexit-Votum in der britischen Hauptstadt: Zehntausende EU-Anhänger haben am Samstag gegen das britische Votum für einen Austritt aus der Europäischen Union protestiert.

Die Demonstranten sangen, tanzten und marschierten durch die Strassen der Hauptstadt London. Der sogenannte Marsch für Europa führte vom Hyde Park zum Parlamentsgebäude. Die Veranstalter fordern, das britische Parlament solle das Votum des EU-Referendums aus der vergangenen Woche aufheben. Die Zukunft Grossbritanniens liege in der Europäischen Union.

Übertreibungen und Verzerrungen

Einer der Organisatoren der Demonstration, der Komödiant Mark Thomas, sagte, die britischen Abgeordneten sollten nicht Gesetze erlassen für einen Austritt, der auf einem Ergebnis basiere, das durch Übertreibungen von EU-Gegnern und Verzerrungen bei Einwanderung und EU-Ausgaben erzielt worden sei. «Wir würden das Ergebnis des Referendums akzeptieren, wenn es unter fairen Voraussetzungen erkämpft worden wäre. Aber es gab viele Fehlinformationen.»

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Auf dem Weg zum Parlament skandierte die Menge: «Ich will die EU nicht verlassen! Wir sind auch Europäer!» Im Büro des Premierministers in der nahegelegenen Downing Street wollten einige Demonstranten eine Petition einreichen.

Unterstützung von Jarvis Cocker und Bob Geldof

Am Versammlungsort der Demonstration auf dem Parlamentsplatz hörten Teilnehmer eine Videobotschaft von Sänger Jarvis Cocker. Dieser hielt eine Weltkarte hoch und erklärte: «Man kann Geografie nicht leugnen. Das Vereinigte Königreich liegt in Europa.»

Prominente Unterstützung gab es auch vom irischen Rocksänger Bob Geldof. Dieser appellierte an die Demonstranten, sich einer zwei Jahre langen Kampagne gegen einen Brexit zu verschreiben. Anhänger einer EU-Mitgliedschaft müssten alles tun, was in der Macht des Einzelnen liege, um zu verhindern, «dass dieses Land vollständig zerstört wird», erklärte Geldof.

Derweil haben bereits über vier Millionen Briten eine Online-Petition für ein zweites Referendum unterschrieben. Allerdings hatte das zuständige Komitee im Unterhaus bereits Zweifel geäussert, ob alle Unterschriften gültig seien – es gebe «verdächtige Aktivitäten».

Brexit ist wohl unumkehrbar

Alle derzeit entscheidenden Politiker in London haben bisher geäussert, es gebe kein Zurück mehr. Das Votum von 17 Millionen Briten (rund 52 Prozent) für einen Austritt aus der EU müsse umgesetzt werden.

Derweil steigt der Druck auf Labour-Chef Jeremy Corbyn zurückzutreten. Laut BBC sind mehrere Parteigranden dabei, dem 67-Jährigen einen ehrenvollen Abgang ohne Gesichtsverlust zu ermöglichen. Parteiinterne Kritiker fürchten, mit Corbyn an der Spitze künftige Wahlen zu verlieren.

Die Konservativen suchen ihrerseits weiter einen Nachfolger für Premierminister David Cameron. Dieser hatte nach seiner Niederlage beim Referendum für die nächsten Monate seinen Rückzug angekündigt.

jros/sda

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