Syrer beschreibt, wie man zum «idealen Flüchtling» wird

Khaled Ghazi ist aus Damaskus geflohen und lebt seit fast einem halben Jahr in Deutschland. Er hat aufgelistet, wie sich Flüchtlinge verhalten sollen.

«Trage zerrissene Kleidung», rät der Flüchtling: Khaled Ghazi in Berlin.

«Trage zerrissene Kleidung», rät der Flüchtling: Khaled Ghazi in Berlin. Bild: Screenshot Facebook

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Mit 23 Jahren musste Khaled Ghazi aus Syrien nach Deutschland fliehen. Seit sechs Monaten lebt er nun in Europa und weiss, wie dort der Hase läuft. Ghazi wartet in Berlin noch immer auf seine Erstregistrierung.

Für die Nachrichtenseite «Krautreporter» schrieb der Student aus Damaskus über sein neues Leben. Um anderen Flüchtlingen bei der Integration zu helfen, hat er eine Liste geschrieben, wie man sich in Deutschland zu verhalten hat. Beziehungsweise das, was einige Menschen von Flüchtlingen erwarten. Die insgesamt zehn «Verhaltensregeln» sind wohlgemerkt nicht ganz ernst gemeint. Hier eine Auswahl:

  • Besitze kein Smartphone: Das grösste Vergehen, dessen sich ein Flüchtling schuldig machen kann, ist, dass er ein Handy besitzt. Und zwar ein neues. Wer vor dem Bürgerkrieg geflohen sei, brauche kein Smartphone, so die Logik vieler. Dass das Telefon der einzige Weg ist, um mit seiner Heimat in Kontakt zu bleiben, und die gespeicherten Fotos häufig die einzige Erinnerung an geliebte Menschen sind, vergessen viele.
  • Trage zerrissene Kleidung: «Hochwertige, modische Anziehsachen sind für Flüchtlinge nicht zulässig», meint Ghazi ironisch. Denn das würde bedeuten, dass der Flüchtling Geld hat und dass es ihm irgendwie gut geht. Wenn die Kleider zerrissen und dreckig seien, dann sei das gut. Dass die meiste Kleidung aus Spenden stammt, scheinen viele Menschen zu ignorieren.
  • Sei dankbar, dass du ein Dach über dem Kopf hast: Der Syrer beobachtet, dass von den Flüchtlingen immer Dankbarkeit erwartet wird. «Wenn du ernsthaft krank wirst, weil du 36 Stunden in der Schlange gestanden hast, um Geld von der Sozialhilfe zu bekommen: Frag nicht, warum. Sag einfach ‹Danke›, lächle und verhalte dich brav», rät er. «Du bist in Deutschland! Millionen Menschen aus Afrika wollen mit dir tauschen.»

Weitere Empfehlungen sind: Frag Frauen nicht nach ihrer Telefonnummer; lerne, wie man eine Toilette benutzt; liebe die deutsche Bürokratie; schluck verkochtes Essen mit einem breiten Lächeln; kauf nicht im Supermarkt ein und akzeptiere die deutsche Kultur.

Noch letzten Sommer hatten in Deutschland Hunderttausende die Flüchtlinge an den Bahnhöfen willkommen geheissen. Davon scheint nicht mehr viel übrig zu sein. Mit seiner Satire könnte Ghazi der Bildung weiterer Vorurteile entgegenwirken. (pat)

Erstellt: 28.01.2016, 10:26 Uhr

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