SVP-Werber soll hinter AfD-Kampagne stecken

PR-Mann Alexander Segert ist in der Schweiz als der Urheber verschiedener umstrittener SVP-Kampagnen bekannt. Nun soll er auch in Deutschland aktiv sein.

Bei Rechtspopulisten beliebt: Alexander Segert (r.) mit dem FPÖ-Vorsitzenden Gerhard Kurzmann (l.) im Landesgericht in Graz (Österreich).

Bei Rechtspopulisten beliebt: Alexander Segert (r.) mit dem FPÖ-Vorsitzenden Gerhard Kurzmann (l.) im Landesgericht in Graz (Österreich).

Die PR-Agentur des SVP-nahen Politwerbers Alexander Segert war laut dem «Spiegel» an umfangreichen Plakatkampagnen zugunsten der Partei «Alternative für Deutschland» (AfD) vor den Landtagswahlen massgeblich beteiligt. Die Kampagne wurde von einem AfD-freundlichen Verein organisiert, für den Segert zudem eine politische Veranstaltung auf einem Boot in Berlin mitorganisierte, an der er persönlich teilnahm. Das berichtet das Nachrichtenmagazin in der aktuellen Ausgabe unter dem Titel: «Die Swiss-Connection der AfD».

Segert und seine PR-Agentur Goal AG sind in der Schweiz vor allem für ihre SVP-Kampagnen bekannt. Der 53-jährige Deutsche, der 1985 in die Schweiz zog, ist der Urheber vieler umstrittener Wahlkampagnen der Rechtspartei – unter anderem auch für das Plakat, auf dem zwei weisse Schafe ein schwarzes Schaf von der Schweizer Landesflagge treten.

«Riesengrosses Dankeschön» für eine 200'000-Euro-Plakatkampagne

Die Geschichte steht im Kontext verschiedener Landtagswahlen – zuletzt mit dem Wahlerfolg der Rechtspopulisten in Mecklenburg-Vorpommern, wo die AfD aus dem Stand die CDU überholte und zur zweitstärksten Kraft wurde. In rund einer Woche stehen die Landtagswahlen in Berlin an. Segert soll dabei tat- und finanzkräftig für die AfD geworben haben.

Zentral ist dabei die Rolle des deutschen «Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheit». Der Klub greift der rechtspopulistischen Partei immer wieder mit Wahlkampfzeitungen und Werbekampagnen unter die Arme. Der «Spiegel» beruft sich auf Angaben von Insidern, dass die Goal AG allein in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin mehrere Hundert Plakatflächen gebucht haben soll, auf denen der «Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheit» offen Parteiwerbung machte («Jetzt AfD wählen»). Die Informanten bezifferten die Kosten gegenüber der Zeitung auf «weit mehr als 200'000 Euro».

Einer der Kreisverbände bedankte sich denn auch auf seiner Facebook-Seite: «Ein riesengrosses Dankeschön für die Wahlkampfhilfe der unbekannten Plakatspender, die diese Plakate über ganz Rostock verteilen liessen!»

Gratiszeitung millionenfach verteilt

Der Verein liess zudem in den Wahlkämpfen seine Gratiszeitung «Extrablatt» millionenfach verteilen. Wobei bei früheren Ausgabe der ehemalige stellvertretende Schatzmeister der AfD, Josef Konrad, immer noch als Chefredaktor genannt wurde, trat der Verein bei der Ausgabe für die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern allein als Herausgeber auf. Woher das Geld für die Zeitung stammte, bleibt geheim.

In der Schweiz erinnert die Gratiszeitung an das «Extrablatt» der SVP, das vor Abstimmungen jeweils in alle Schweizer Haushalte verschickt wird. Segert und seine PR-Agentur sind gemäss dem «Spiegel» für die Gestaltung des SVP-Blatts zuständig.

«Können wir doch nichts dafür»

Der PR-Mann machte vor Jahren bereits gemeinsame Sache mit der «Freiheitlichen Partei Österreichs» (FPÖ). Seine Firma programmierte für die Österreicher ein Computerspiel, bei dem die Nutzer Minarette und Muezzins abschiessen mussten. Dafür wurde er 2009 wegen Verhetzung angeklagt, aber später freigesprochen.

Ob der PR-Mann auch hinter dem «Extrablatt» der AfD steckt, ist unklar. Segert wollte dazu, wie zu der Plakatkampagne keine Stellung nehmen. Die AfD ihrerseits bestreitet jegliche Verbindung mit dem «Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheit», seiner Gratiszeitung, oder der Plakatkampagne zu haben. «So versuchte die AfD, den Verdacht einer verdeckten, illegalen Parteienfinanzierung auszuräumen», schreib der «Spiegel». «Nach dem Motto: Können wir doch nichts dafür, wenn jemand viel Geld für uns ausgibt.»

Eine rechtspopulistische Bootstour

Stimmen die Recherchen des «Spiegels» besteht aber bestimmt eine Verbindung zwischen Segert und dem Verein. Die Journalisten des «Spiegels» berichten von einer Bootstour des Vereins in Berlin, den der PR-Mann mitorganisiert haben soll. Anwesend war auch der tschechische Ex-Präsident Vaclav Klaus, der einen Vortrag hielt. Unter dem Beifall der Zuschauer habe der Politiker über «politische Korrektheit», «Massenmigration» und «Klimaalarmisten» hergezogen. Die Goal AG habe dabei den Ausflugsdampfer gechartert.

Segert war persönlich anwesend. Auch zum Ausflug wolle er keine Stellung nehmen, er sei «privat» da. Auf einen schriftlichen Fragekatalog des Nachrichtenmagazins antwortete er am Folgetag denn auch kurz und knapp: Er gebe keine Auskunft darüber, «was ich in meiner Freizeit mache».

mch

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