SVP-Schafe tauchen in Tschechien auf

Das berühmt-berüchtigte Schafsujet muss nun auch für die Prager Rechtspopulisten herhalten – zum Missfallen von SVP-Werber Alexander Segert.

Tschechische Kopie und Schweizer Original: Die Schafplakate der Usvít und der SVP. <br>Fotos: PD, Keystone

Tschechische Kopie und Schweizer Original: Die Schafplakate der Usvít und der SVP.
Fotos: PD, Keystone

Bernhard Odehnal@BernhardOdehnal

Die Plakate stechen sofort ins Auge. «Unterstützung für die Familien. Nicht für Asoziale» steht oben in grossen schwarzen und roten Lettern. Und ganz unten: «Arbeit für die Unsrigen. NICHT für Immigranten.» Die Zeichnung dazwischen ist in der Schweiz nicht ganz unbekannt. Weisse Schafe, die ein schwarzes Schaf von der Flagge treten. Einziger Unterschied zum Plakat der SVP: Die Tiere stehen nicht auf der Schweizer sondern auf einer tschechischen Flagge. Die Plakate hängen seit dieser Woche in der gesamten tschechischen Republik. Mit ihnen wirbt die rechtspopulistische Partei Usvít (Morgendämmerung) für die EU-Wahlen im Mai.

Die Partei heisst mit vollem Namen Morgendämmerung der direkten Demokratie von Tomio Okamura und wurde erst im vergangenen Jahr vom Unternehmer und Buchautor Tomio Okamura gegründet. Der 41-jährige Sohn einer Tschechin und eines Japaners sitzt seit 2012 als unabhängiger Abgeordneter im Senat, dem Oberhaus des tschechischen Parlaments und fällt dort vor allem mit Hetze gegen Einwanderer und Roma auf. Er selbst sieht sich als einer der wenigen Mutigen, die sich trauten, offen aussprechen, was die «Pseudointellektuellen» und «politisch Korrekten» lieber verschweigen würden. Okamura behauptet, dass Roma am Rassismus in Tschechien selbst schuld seien und findet, dass die Minderheit einen eigenen Staat bekommen sollte, am besten in Indien. In einem Artikel zur EU-Wahl warnt er vor einem «tschechischen Romanistan» und lobt seine Spitzenkandidatin dafür, dass sie «keinen Tropfen Zigeunerblut hat».

Nicht die ersten SVP-Schafe in Tschechien

Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen im Oktober 2013 erhielt Okamuras Partei fast 7 Prozent und hat nun 14 Abgeordnete. Umfragen geben den Rechtspopulisten bei den EU-Wahlen Chancen auf bis zu 10 Prozent. Usvít tritt nicht prinzipiell gegen die EU auf, ist aber für einen starken tschechischen Staat innerhalb der Union, gegen den Beitritt zum Euro, für den Schutz tschechischer Waren und Werte. Und vor allem: für eine strikte Begrenzung der Zuwanderung.

Die Schafplakate tauchen nicht zum ersten Mal in Tschechien auf. Vor fünf Jahren trat mit demselben Sujet die rechtsradikale Nationalpartei (Narodní strana) bei den EU-Wahlen an, die eine «Endlösung der Zigeunerfrage» forderte. Die Partei bekam 0,26 Prozent der Stimmen. Der Werber der SVP, Alexander Segert, behauptete damals, dass weder er noch die SVP jemals Lizenzen zur Verwendung des Sujets an andere Parteien vergeben hätten. Jetzt sagt Segert zu DerBund.ch/Newsnet, dass seine Agentur, «grundsätzlich gegen die Verletzung des Copyrights vorgeht, so wie alle anderen Werbeagenturen auch». Die Partei Usvít reagierte auf die Anfrage von DerBund.ch/Newsnet nicht. Der tschechischen Tageszeitung «Mlada Fronta Dnes» sagte Usvít-Sprecher Jan Zilvar, dass das Schweizer Original lediglich als «entfernte Inspiration» gedient habe. Es sei aber keine Kopie und das Urheberrecht deshalb keine Frage.

Dass ausgerechnet der Sohn eines Asiaten nun am lautesten gegen Einwanderung wettert, findet ein Kolumnist der Wochenzeitung «Reflex« bizarr: Das sei ja gerade so, als würde er eine Wahlkampagne gegen Marihuana starten, schreibt der bekennende Kiffer Jiri X. Dolezal. Eine Kampagne gegen Zuwanderung würde in der Schweiz greifen, «wo Probleme mit Migranten auf der Tagesordnung stehen». Aber in Tschechien nehme kein einziger Zuwanderer einen Arbeitsplatz weg. Wollte die Tschechische Republik wirklich Fremde und Mischlinge vertreiben, so Dolezal, sollte sie mit jenen beginnen, «die den Rassenhass schüren».

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