Österreichischer Offizier kassierte 300'000 Euro von Russland

Ein Oberst soll vertrauliche Informationen über Österreichs Luftwaffe, die Artilleriesysteme sowie über Lagebriefings übermittelt haben.

Laut dem Verteidigungsminister Mario Kunasek (rechts) kam es dank Informationen eines europäischen Geheimdienstes ans Licht.

Laut dem Verteidigungsminister Mario Kunasek (rechts) kam es dank Informationen eines europäischen Geheimdienstes ans Licht. Bild: Keystone

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Österreichs Regierung hat einen Oberst a.D. des Bundesheers beschuldigt, jahrzehntelang für Russland spioniert zu haben. Der Mann werde verdächtigt, bereits in den Neunzigerjahren die Zusammenarbeit mit russischen Geheimdiensten aufgenommen zu haben.

Diese soll er bis 2018 aufrecht erhalten haben, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz am Freitag auf einer Pressekonferenz in Wien. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, werde dies «das Verhältnis zwischen Russland und der Europäischen Union nicht verbessern», fügte Kurz hinzu.

Aussenministerin Karin Kneissl berief den russischen Geschäftsträger ein und sagte eine geplante Reise nach Russland ab, wie Kurz mitteilte. «Spionage ist inakzeptabel», sagte der Bundeskanzler. Ein Sprecher des russischen Aussenministeriums sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass Moskau seinerseits in dem Fall den österreichischen Botschafter einberufen habe.

Es drohen zwei Jahre Haft

Der österreichische Verteidigungsminister Mario Kunasek sagte, dass der Fall vor einigen Wochen dank Informationen eines europäischen Geheimdienstes ans Licht gekommen sei.

«Wir gehen davon aus, dass die Vorwürfe stimmen», heisst es aus dem Bundeskanzleramt in Wien. Jetzt müsse man aber die weiteren Ermittlungen und schliesslich ein juristisches Urteil abwarten. Es handele sich um einen «aussergewöhnlichen Fall».

Der Mann sei wegen Unterstützung eines militärischen Nachrichtendienstes eines fremden Staates angezeigt worden. Demnach erhielt er für seine etwa 20 Jahre andauernde Spionagetätigkeit mehr als 300'000 Euro. Sollte er verurteilt werden, drohen ihm bis zu zwei Jahre Haft.

Anders als viele andere EU-Staaten hatte Österreich im Zusammenhang mit der Skripal-Affäre in Grossbritannien im März noch diplomatische Massnahmen gegen Russland abgelehnt, weil es nach eigenen Angaben Gesprächskanäle nach Moskau offen halten wollte. Im August hatte die Anwesenheit von Russlands Präsident Wladimir Putin bei der Hochzeit von Aussenministerin Kneissl für Aufsehen gesorgt.


Putins umstrittener Tanz auf fremder Hochzeit Schwang mit der Braut das Tanzbein: Wladimir Putin und Karin Kneissl. Bild: Roland Schlager/Keystone


Moskau betreitet Anschuldigung

Russlands Aussenminister Sergej Lawrow sagte, er sei von der Nachricht aus Wien «unangenehm überrascht» worden. Der Minister kritisierte indirekt die öffentliche Bekanntmachung des Falls: Die «westlichen Partner» ersetzten «traditionelle Diplomatie» immer mehr durch «Megafon-Diplomatie», sagte er. (cj/sda)

Erstellt: 09.11.2018, 12:25 Uhr

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