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Spanische Polizisten kämpfen für ihren 14. Monatslohn

In Spanien wird der Gürtel enger geschnallt: Nebst König Juan Carlos sollen künftig auch Beamte auf einen Teil ihres Lohnes verzichten. Das sorgte unter den Polizisten für grossen Unmut.

Die Abschlussfeier wurde gestört: Polizeikadetten in Madrid. (17. Juni 2012)
Die Abschlussfeier wurde gestört: Polizeikadetten in Madrid. (17. Juni 2012)
AFP

Die Märkte haben grundsätzlich positiv auf das jüngste Sparpaket Spaniens reagiert: Das Land konnte heute zu deutlich niedrigeren Zinsen 3,6 Milliarden Euro an frischem Kapital aufnehmen. Allerdings stiegen die Zinsen auf die wichtigen Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit um einen Prozentpunkt und lagen auf einem gefährlichen Niveau von 6,82 Prozent. In der spanischen Öffentlichkeit nimmt der Widerstand gegen die Sparpläne weiter zu.

Zeitgleich mit der Anleihenauktion versuchten rund 100 Polizisten eine Abschlussfeier von Polizeikadetten zu stürmen. Die demonstrierenden Polizisten, die gegen die Kürzung des 14. Monatsgehalts protestierten, mussten von ihren Kollegen vor dem Gebäude hinter Absperrungen zurückgedrängt werden. Polizeichef Ignacio Cosido habe versucht, die aufgebrachten Beamten zu besänftigen, wurde in der Folge aber ausgebuht und «Halunke» genannt, wie die AP schreibt.

Die meisten spanischen Beamten erhalten ein 14. Monatsgehalt, das jeweils kurz vor Weihnachten ausbezahlt wird. Das Starteinkommen für einen Polizisten beträgt in der Regel um 1400 Euro, wie die Nachrichtenagentur AP schreibt. Ein Gehalt, das in Spanien über dem Durchschnitt liegt.

Weniger Lohn für König Juan Carlos

Unter dem Druck der Finanzkrise nimmt auch Spaniens König Juan Carlos Gehaltseinbussen in Kauf. Wie das Königshaus am Dienstag in Madrid mitteilte, sollen die staatlichen Zuwendungen für den Monarchen um 7,1 Prozent gekürzt werden. Dies entspreche jährlichen Gehaltseinbussen von 20'910 Euros. Das Jahresgehalt von Kronprinz Felipe wird demnach um 10'455 Euro gekürzt.

Um die Wirtschaftskrise in Spanien zu bekämpfen, hat die Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy mehrere Sparpakete aufgelegt, die unter anderem Kürzungen bei den Bezügen von Beamten vorsehen. Der König war unter anderem scharf dafür kritisiert worden, dass er in Botsuana an einer teuren Elefanten-Jagd teilnahm, während seine Landsleute mit den Folgen der Krise zu kämpfen haben.

Die übrigen Mitglieder der Königshauses erhalten keine Gehälter, sondern Aufwandsentschädigungen für die Wahrnehmung repräsentativer Pflichten. Nach Angaben des Königshauses sollen diese künftig ebenfalls geringer ausfallen.

Immer mehr Auswanderer

Die unsichere wirtschaftliche Lage in Spanien brachte in den ersten sechs Monaten des Jahres immer mehr Menschen dazu, das Land zu verlassen. Die Zahl der Auswanderer von Januar bis Juni stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 44 Prozent auf 40.625, wie das spanische Statistikamt am Dienstag mitteilte. Weitere 228.890 Ausländer hätten in dem gleichen Zeitraum das Land verlassen.

Spanien befindet sich bereits das zweite Mal innerhalb von drei Jahren in einer Rezession. Die Arbeitslosenquote liegt bei fast 25 Prozent, bei jungen Erwachsenen unter 25 Jahren sogar bei 52 Prozent. Analysten gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage in Spanien nicht vor 2014 verbessern wird.

AFP/mrs

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