Senkrechtstarter mit Schwächen

Robert Abela soll als neuer Premierminister im krisengeschüttelten Malta aufräumen. Vor allem Journalisten sind skeptisch.

Robert Abela, Jurist, Bodybuilder und Sohn des ehemaligen Premiers George Abela ist seit Sonntag der neue Premier von Malta. Foto: Rene Rossignaud (Keystone)

Robert Abela, Jurist, Bodybuilder und Sohn des ehemaligen Premiers George Abela ist seit Sonntag der neue Premier von Malta. Foto: Rene Rossignaud (Keystone)

Michèle Binswanger@mbinswanger

Er ist eine politische Sensation im korruptionsgeschüttelten Malta, aber leider nicht so, wie es sich die Bevölkerung eigentlich gewünscht hatte. Denn Robert Abela, Jurist, Bodybuilder und Sohn des ehemaligen Premiers George Abela, ist seit Sonntag der neue Premier des kleinen Inselstaats mit seinen rund 500'000 Einwohnern. Als Favorit galt politischen Beobachtern dessen Konkurrent Chris Fearne, doch die Arbeiterpartei wählte mit rund 56 Prozent der Stimmen Abela, der nun auch Regierungschef wird.

Der 42-Jährige ist ein politischer Senkrechtstarter: Erst vor drei Jahren wurde er erstmals ins Parlament gewählt – nun ist er bereits Premier, ohne dass er zuvor je einen Kabinettsposten bekleidet hätte. Zudem stand er in den vergangenen Jahren im Zentrum verschiedener Kontroversen. Als Hardliner bei Immigrationsfragen wurde er etwa mit dem damaligen italienischen Innenminister Matteo Salvini verglichen.

Gleichzeitig punktete er im Wahlkampf mit klassisch linken Themen: Er versprach, sich für sozialen Wohnungsbau, eine kostenlose medizinische Versorgung der älteren Mitbürger und bessere Anstellungsbedingungen für Arbeiter starkzumachen. Vor allem aber kritisierte er auch deutlich den Umgang der Regierung mit der Ermordung der regierungskritischen Journalistin Daphne Caruana Galizia im Oktober 2017. Dort gab es zahlreiche Ungereimtheiten, verwickelt war auch der Stabschef des abtretenden Premiers Joseph Muscat.

Distanz von den Medien haltet Abela absichtlich, um «im Ernstfall die nötigen Entscheidungen treffen zu können».

Die juristische Aufarbeitung dieses Mordes dürfte auch für Abela zur Prüfung werden, doch Beobachter zweifeln daran, ob er der richtige Mann dafür ist. Denn zwar kritisierte er die Regierung Muscat, war aber auch juristischer Berater des Premiers und wurde von ihm portiert. Zudem bezeichnete Abela die anhaltenden Demonstrationen und Proteste in der Causa Caruana Galizia als «reine Provokation».

Den Ausschlag für seine Wahl dürfte vor allem sein Versprechen für Ruhe und Kontinuität im wirtschaftlich boomenden, aber politisch und gesellschaftlich zerrütteten Malta gegeben haben. Im Gegensatz zu den Plänen seines Konkurrenten, habe er versprochen, das Kabinett nicht auszuwechseln und werde so gemäss seinen Ankündigungen hoffentlich für Stabilität sorgen, so heisst es in den Zeitungen.

Allein, in Malta ist man skeptisch, ob der neue Premier tatsächlich aufräumen kann – und will. Insbesondere Journalisten hegen Befürchtungen, nachdem Abela bereits im Wahlkampf Distanz zu den lokalen Medien signalisierte. So hatte er der Zeitung «Malta Independent» anfänglich ein Interview versprochen, meldete sich dann aber auf die wiederholten Anrufe der Zeitung nie zurück. Stattdessen hielt er kurz vor dem Wahlwochenende eine Pressekonferenz ab und liess sein Publikum wissen, er habe keine Probleme mit kritischen Fragen von Journalisten. Distanz halte er absichtlich, um «im Ernstfall die nötigen Entscheidungen treffen zu können».

Das liess diverse Journalisten aufhorchen. Dies sei eine Drohung gegen die Demokratie, schrieb «Malta Independent» in einem Kommentar, vielleicht sogar ein Schritt Richtung Diktatur.

So schnell dürfte in Malta doch keine Ruhe einkehren.

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