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Schweizer Tempolimit als Vorbild für Deutschland?

Ein deutscher Journalist, der hier arbeitet, lobt Tempo 120. Damit bringt er die Debatte seiner Landsleute so richtig auf Touren.

Debatte: Tempo-120-Schild auf der A 59 in Troisdorf im Bundesland Nordrhein-Westfalen. (19. Dezember 2018)
Debatte: Tempo-120-Schild auf der A 59 in Troisdorf im Bundesland Nordrhein-Westfalen. (19. Dezember 2018)
Oliver Berg, Keystone

Mit schöner Regelmässigkeit wird in Deutschland über eine Temporeduktion auf den Autobahnen diskutiert. Verkehrsminister Andreas Scheuer hat in diesen Tagen die Debatte neu entfacht. Der CSU-Politiker lehnte den Vorschlag eines Gremiums zum Tempolimit auf Autobahnen und zu höheren Dieselsteuern als «unverantwortliches Gedankenspiel» ab. Sie seien «gegen jeden Menschenverstand» gerichtet, sagte Scheuer am Samstag der Agentur DPA in München.

Temporeduktion ad acta gelegt: Deutschlands Verkehrsminister Andreas Scheuer. (Bild: Kay Nietfeld/Keystone)
Temporeduktion ad acta gelegt: Deutschlands Verkehrsminister Andreas Scheuer. (Bild: Kay Nietfeld/Keystone)

Die Worte Scheuers sorgten für zahlreiche Reaktionen: bei Umweltverbänden, Parteien, Politikern. Ralf Stegner, Vizepräsident der SPD, sprach sich dafür aus, die Einführung von Tempo 130 auf deutschen Autobahnen «unvoreingenommen zu prüfen». Wenn ein Tempolimit einen nachweisbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten könne, «müssen wir das zumindest ernsthaft in Erwägung ziehen», erklärte Stegner dem Berliner «Tagesspiegel».

Unterstützung erhält Scheuer von FDP-Verkehrsexperte Torsten Herbst. Er sprach vom «grünen Kulturkampf gegen das Auto». Weder aus Sicherheits- noch aus Umweltgründen sei ein generelles Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde geboten, meinte Herbst in der «Bild». Ein «so weitreichender Eingriff in die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger ist völlig unverhältnismässig».

Die Sache mit dem gesunden Menschenverstand

Die Debatte um das Tempolimit weiter befeuert hat ein deutscher Journalist, der in der Schweiz lebt. Daniel Steinvorth, der für die «Neuer Zürcher Zeitung» als Ausland-Redaktor tätig ist, schrieb seine Meinung dazu in einem Tweet mit den Worten: «In meinem Gastland, der Schweiz, gilt ein Tempolimit von 120. Konsequenz: Mehr Lässigkeit, weniger Aggression im Verkehr. Schade, dass sich in Deutschland der gesunde Menschenverstand nicht durchsetzt.»

Der Tweet aus dem südlichen Nachbarland – und das erst noch von einem Landsmann – löste ein grosses Echo in Deutschland aus. Bis Montagmittag erhielt der Journalist der NZZ 500 Antworten mit 2863 Likes. Dabei wurden bei der Thematik allerlei mögliche Argumentationen gepostet. «Was ist am schnellen Fahren unsicher? Ich fahre unfallfrei und bin teils mit 320 km/h unterwegs gewesen», antwortete ein User. Und dieser setzte noch einen drauf: Autobahnen seien in der Schweiz eh nicht für mehr Tempo geeignet, da die Strecken zu kurvig seien. Ein Deutscher liess es sich nicht nehmen, einen Seitenhieb an die Schweizer Autofahrer auszuteilen: «Sind die Zeiten etwa vorbei, in denen die Schweizer pünktlich bei Grenzübertritt auf den Autobahnen in Baden-Württemberg das Gaspedal wiederentdecken?»

Ein Kommentar erinnerte an die typisch helvetische Eigenart, sich bei einem Thema in der Mitte zu treffen. «Ich erachte ein generelles Tempolimit auf der Autobahn grundsätzlich für unnötig, aber im Sinne eines gutschweizerischen Kompromisses könnte man sich auf Tempo 150 oder 160 einigen.»

Oder hat vielleicht jener recht, der schrieb: «Ich denke, dass Asoziale auch mit 120 Asoziale bleiben. Ein Tempolimit ändert keine Menschen. (Das ist keine Kritik an das Tempolimit, sondern am Menschen.)»

Ist ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen wirklich nötig? Die «Süddeutsche Zeitung» hat eine klare Meinung zu dieser Frage. «Der deutsche Verkehrsminister watscht seine Berater für den Vorschlag eines Tempolimits ab – ungeachtet der Tatsache, dass hohe Geschwindigkeit auf Autobahnen jährlich Hunderte Menschen das Leben kostet», schrieb die Zeitung aus München.

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