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Schweiz will Klimafonds-Kasse klingeln lassen

Am UNO-Klimagipfel erläuterte Bundesrätin Doris Leuthard das Engagement der Schweiz gegen die drohende Erderwärmung. Grosse Versprechungen machte auch die EU.

Mehr als hundert Staats- und Regierungschefs reisten zum Klimagipfel: Auch Bundesrätin Doris Leuthard sprach in New York. (23. September 2014)
Mehr als hundert Staats- und Regierungschefs reisten zum Klimagipfel: Auch Bundesrätin Doris Leuthard sprach in New York. (23. September 2014)
Keystone
Will, dass die USA dabei eine Führungsrolle übernehmen: Barack Obama am Klimagipfel.
Will, dass die USA dabei eine Führungsrolle übernehmen: Barack Obama am Klimagipfel.
AFP
... oder auch in New York. (22. September 2014)
... oder auch in New York. (22. September 2014)
AFP
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Die Schweiz prüft die Einzahlung von 100 Millionen Dollar in den «Green Climate Fund». Das sagte Bundesrätin Doris Leuthard am UNO-Klimagipfel in New York. Aus diesem Fonds werden Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern finanziert.

150 Millionen Dollar habe die Schweiz im Rahmen der Schnellfinanzierung für Klimaschutzmassnahmen bereits aufgewendet. Die Schweiz, die nur für 0,1 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich sei, stelle hohe Ansprüche an sich selber, sagte die Umweltministerin in Ihrer Rede vor der UNO in New York. Obwohl das Bruttoinlandprodukt der Schweiz seit 1990 um 36 Prozent gewachsen sei, habe die Schweiz ihre Emissionen um acht Prozent gesenkt.

Bis 2020 plane das Land, den CO2 um 20 Prozent zu senken, gemäss dem zweiten UNO-Klimaprotokoll von Kyoto, das die Schweiz im nächsten Jahr zu ratifizieren plane. Zudem behandle das Schweizer Parlament zur Zeit ein neues Gesetz, durch das die effiziente Energienutzung gesteigert und erneuerbare Energiequellen gefördert würden.

Appell an Verantwortung aller

Die Bundesrätin warb am UNO-Gipfel zudem für den Abschluss eines weltweit gültigen Klimaschutz-Abkommens. Sie drückte ihre Hoffnung aus, dass ein bindendes Abkommen nächstes Jahr am Klimagipfel in Paris beschlossen werden könne. Sie habe den Eindruck, dass die Regierungen der meisten Länder nun verstünden, dass dringend gehandelt werden müsse.

Die Mittel den Klimaveränderungen Einhalt zu gebieten habe man, sagte Leuthard. Mit der Förderung erneuerbarer Energien, CO2-neutraler Verkehrssysteme und Energieeffizienz liessen sich die Treibhausgas-Emissionen aus Industrie, Verkehr, Land- und Forstwirtschaft sowie aus dem Gebäudebereich deutlich senken, ohne dass damit Einbussen an Wohlstand und Lebensqualität entstünden, betonte Leuthard.

«Solar Impulse» als Pionier

Die Umweltministerin führte die Schweizer Flugpioniere Bertrand Piccard und André Borschberg als Beispiel dafür an, was mit erneuerbaren Energien zu erreichen sei. «Wenn sie es schaffen, in dem Solarflugzeug um die Erde zu fliegen, ist dies Beweis genug, dass wir die Werkzeuge für eine CO2-neutrale Zukunft bereits besitzen.»

Tags zuvor hatte US-Aussenminister John Kerry China und Indien vorgeworfen, nicht genug für den Klimaschutz zu unternehmen. Leuthard sagte, gegenseitiges Vertrauen, politischer Wille und Einsatzbereitschaft würden nicht dadurch angeregt, anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben, sondern in dem man den Willen zeige, selber aktiv zu werden.

Zu der gleichentags in der Schweiz lancierten Petition der Klima-Allianz, die Leuthard als geeignete Schutzpatronin des Klimas vorschlägt, wollte sich Leuthard nicht gross äussern. Sie erklärte, sie wolle die Begehren zuerst im Detail anschauen. Die Petition fordert, dass die Schweiz ab dem Jahr 2050 nur noch erneuerbare Energiequellen nutzen solle.

Ban Ki Moon fordert Umdenken

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Staaten der Welt zum Auftakt des UN-Klimagipfels aufgerufen, einen neuen Kurs im Klimaschutz einzuschlagen. Sein Appell verhallte nicht ungehört, nach ihm sagten in den ersten Stunden des New Yorker Treffens mehrere Staats- und Regierungschefs Milliarden für den Kampf gegen die Klimaerwärmung durch Treibhausgase zu. Mindestens fünf Milliarden Dollar kamen so am Vormittag zusammen. Die weitreichendste Zusage kam von der EU.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kündigte an, die Europäische Union werde bis 2030 den Ausstoss von Treibhausgasen auf 40 Prozent unter dem Stand von 1990 senken. Bisher reichen Klimaziele nur bis 2020. In den nächsten sieben Jahren werde die EUEntwicklungsländern drei Milliarden Euro geben, um ihnen zu helfen, ihre Wirtschaft nachhaltiger zu machen.

«Die Europäische Union ist auf dem Weg, unsere (Klima-)Ziele zu erfüllen, während wir gleichzeitig unsere Wirtschaft wachsen sehen», erklärte Barroso. «Wir beweisen, dass Klimaschutz und eine starke Wirtschaft Hand in Hand gehen müssen.»

Ban forderte zuvor, die Welt müsse «heute einen neuen Kurs» einschlagen. «Der Klimawandel ist die bestimmende Frage unserer Zeit. Sie bestimmt unsere Gegenwart - unsere Antwort wird unsere Zukunft bestimmen.»

Dringlicher Appell von Obama

Die USA und China müssen nach Ansicht von US-Präsident Barack Obama die führenden Nationen beim Klimaschutz sein. «China und wir haben eine besondere Verantwortung zur Führung. Vorangehen, das ist etwas, was grosse Nationen tun müssen», sagte Obama auf dem UNO-Klimagipfel in New York. Die USA hätten als grösste Wirtschaftsmacht und zweitgrösster Verschmutzer eine besondere Verantwortung. «Und es kann keinen Zweifel geben, dass wir ihr nachkommen. Wir müssen führen.»

Allerdings müsse auch jedes Land mitmachen. «Wenn wir etwas machen und andere nicht, verzerrt das den Wettbewerb. Keiner darf einfach an der Seitenlinie stehen.» Keine Klimaschutzmassnahme sei unumstritten, in keinem Land. «Ja, es wird schwer. Überall gibt es Interessen, die den Taten entgegenstehen. Aber wir, die USA, werden unseren Anteil übernehmen und Entwicklungsländern helfen, ihren zu übernehmen.»

Obama sagte, dass von allen Herausforderungen - «Terrorismus, Instabilität, Ungerechtigkeit, Krankheiten» - keine das Jahrhundert so prägen werde wie der Klimawandel. «Dieser Sommer war der heisseste, der je registriert wurde. Die Alarmglocken schrillen und die Bürger gehen auf die Strasse. Wir können nicht so tun, als ob wir es nicht sehen, wir müssen reagieren.» Andernfalls verurteile man die nächsten Generationen zu einer Zukunft, die sie nicht bewältigen könnten. Obama kündigte neue Klimaschutzziele der USA für das nächste Jahr an.

SDA

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