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Schmiergeldaffäre in L'Aquila

Fünf Lokalpolitiker sollen nach dem schweren Erdbeben gegen Geld Bauverträge an Firmen vergeben haben. Jetzt sind sie festgenommen worden.

Verträge für Millionen: Bauarbeiter in L'Aquila im Juni 2009.
Verträge für Millionen: Bauarbeiter in L'Aquila im Juni 2009.

Wegen der Annahme von Schmiergeldern, die sie von Unternehmern für das Zuschanzen von Aufträgen für den Wiederaufbau der vom Erdbeben zerstörten Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila erhalten haben sollen, sind in Italien fünf Politiker festgenommen worden. Zu ihnen zählt auch ein ehemaliger Parlamentarier der Regierungspartei «Volk der Freiheit».

Die Politiker sollen von Unternehmern Geschenke und Geld kassiert haben. Dafür wurden diese in die Liste jener Gesellschaften eingetragen, die im Auftrag der Regierung am Wiederaufbau der zerstörten Stadt mitwirken konnten. Die Beweise seien unbestreitbar, erklärte der Oberstaatsanwalt von L'Aquila Alfredo Rossini.

Der Wiederaufbau im Erdbebengebiet hat sich während der Wirtschaftskrise für viele Bauunternehmen als Segen erwiesen. Millionen Euro sind aus der Staatskasse, durch Spenden und EU-Mittel in die Bergregion geflossen.

«Der Geldstrom macht Appetit»

Die Staatsanwaltschaft von L'Aquila hat 300 Baufirmen unter die Lupe genommen, die sich am Wiederaufbau beteiligen. Um zu verhindern, dass mit Mafia-Clans verbundene Baugesellschaften beim Wiederaufbau der mittelitalienischen Region mitmischen, müssen die Firmen ein «Anti-Mafia-Zertifikat» vorlegen, das von den Justizbehörden vergeben wird.

«Der Geldstrom, der für den Wiederaufbau in die Gegend fliesst, macht Appetit», so Staatsanwalt Rossini. Die Kriminalität sei überall dort, wo man mit Bauprojekten zu Geld kommen könne. Der Wiederaufbau nach dem Erdbeben wird den Staat etwa zehn Milliarden Euro kosten.

Bei dem Erdbeben mit der Stärke 6,3 waren am 6. April 2009 insgesamt 308 Menschen ums Leben gekommen. 120'000 Bewohner von L'Aquila und den umliegenden Dörfern verloren ihr Dach über dem Kopf.

SDA/oku

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