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Sarkozys strategisches Pardon

Der Präsident im Wahlkampf hat Frankreichs historische Verantwortung für den Algerienkrieg anerkannt. Er löst damit ein Wahlversprechen seines Konkurrenten ein – und hofft auf Stimmen.

Sarko bei den Harkis: Monsieur le Président auf der Wahlkampfveranstaltung nahe Perpignan, wo er sich für die mangelnde Unterstützung für die algerischen Hilfstruppen nach dem Krieg entschuldigte. (14. April 2012)
Sarko bei den Harkis: Monsieur le Président auf der Wahlkampfveranstaltung nahe Perpignan, wo er sich für die mangelnde Unterstützung für die algerischen Hilfstruppen nach dem Krieg entschuldigte. (14. April 2012)
Keystone

Ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des blutigen Kolonialkriegs in Algerien hat Präsident Sarkozy eine historische Verantwortung Frankreichs anerkannt. Frankreich habe die in seinen Diensten stehenden algerischen Hilfstruppen, die so genannten Harkis, beim Abzug schutzlos zurückgelassen.

«Frankreich muss sich dieser Verantwortung vor der Geschichte stellen», sagte Sarkozy an einer Wahlkampfveranstaltun in Rivesaltes bei Perpignan im Süden Frankreichs. «Nichts kann das im Stich lassen derjenigen erklären oder entschuldigen, die sich für Frankreich entschieden hatten», sagte er zum Verhalten seines Landes vor 50 Jahren.

Nach dem Abzug waren sie Verräter

Ein am 18. März 1962 im französischen Kurort Evian unterzeichnetes Abkommen hatte das Ende der mehr als 130-jährigen französischen Herrschaft über Algerien eingeleitet. Ihm folgte ein Massenexodus der Algerienfranzosen. Die Harkis waren zuvor entwaffnet und ihrem Schicksal überlassen worden.

Den meisten drohte ein gewaltsamer Tod als Verräter. Nur einigen Tausenden war mit ihren Familien die Flucht übers Mittelmeer nach Frankreich gelungen, wo sie zunächst lange interniert und misstrauisch beäugt worden waren.

Hollande hat das Nachsehen

Sarkozy setzt – wie vor fünf Jahren – als Kandidat bei der Präsidentenwahl in einer Woche auf die Stimmen der Harki-Nachfahren. Der blutige Befreiungskampf der Algerier und die brutale Unterdrückung des 1954 begonnenen Aufstands gilt noch immer als nationales Trauma, das auf beiden Seiten des Mittelmeeres die Aussöhnung behindert.

Sarkozys sozialistischer Widersacher François Hollande hatte versprochen, im Fall seiner Wahl zum Präsidenten die historische Verantwortung Frankreichs anzuerkennen, die Harkis im Stich gelassen zu haben.

Kommunistenfahnen für Mélenchon

Der Kandidat der Linksfront, Jean-Luc Mélenchon, eröffnete mit einem Auftritt in Marseille den Reigen von Grossveranstaltungen von diesem Wochenende. Laut den Organisatoren kamen rund 120'000 Anhänger zu der Veranstaltung am Prado-Strand bei Marseilles. Mélenchon rief seine Zuhörer zur «Bürgerrevolution» auf, prangerte den Kapitalismus an und versprach, die Rechte der Arbeiter zu stärken.

Die Menge schwenkte Fahnen der Kommunistischen Partei, vereinzelt auch der Sowjetunion, und rief immer wieder «Résistance!» (Widerstand). «Wir schreiben eine neue Seite in der Geschichte der Linken», rief der 60-jährige Mélenchon, der sich in Umfragen derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen um den dritten Platz bei der Wahl liefert. Dem Linkskandidat wird in Umfragen ein Stimmenanteil von rund 14 Prozent vorausgesagt.

Mélenchon hat seine Kundgebungen aus den Hallen unter den freien Himmel verlagert und schon zum dritten Mal grosse Massen mobilisieren können. Die beiden Spitzenkandidaten werden es ihm morgen gleichmachen wollen. Sowohl Sarkozy als auch Hollande haben zu Grossveranstaltungen im Raum Paris aufgerufen. Hollande liegt in den Umfragen derzeit vor dem Amtsinhaber; in Frankreich wird in zwei Runden am 22. April und 6. Mai ein neuer Präsident gewählt.

SDA/ami

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