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Sarkozys grösste Herausforderer

Im Oktober stimmt Frankreichs Sozialistische Partei über ihren Präsidentschaftskandidaten für die Wahl im Frühjahr ab und bestimmt damit den Konkurrenten von Nicolas Sarkozy. Die sechs Kandidaten.

Gilt als stärkster Kandidat: Der 56-jährige François Hollande auf Stimmenfang in Nizza.
Gilt als stärkster Kandidat: Der 56-jährige François Hollande auf Stimmenfang in Nizza.
Keystone
Steht im Schatten von Dominique Strauss-Kahn: Die Bürgermeisterin der Stadt Lille, Martine Aubry.
Steht im Schatten von Dominique Strauss-Kahn: Die Bürgermeisterin der Stadt Lille, Martine Aubry.
Keystone
Ist der älteste der Kandidaten: der 64-jährige Jean-Michel Baylet.
Ist der älteste der Kandidaten: der 64-jährige Jean-Michel Baylet.
AFP
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Aus dem Rennen um das Amt des französischen Präsidenten ist der noch vor Wochen aussichtsreichste Anwärter Dominique Strauss-Kahn (DSK). Gegen den ehemaligen IWF-Chef wird in New York wegen des Verdachts auf versuchte Vergewaltigung einer Hotelangestellten weiter ermittelt.

Von den übrigen sechs Bewerbern hat jüngsten Umfragen zufolge der 56-Jährige François Hollande die besten Chancen auf den Spitzenposten. Dem Ex-Sozialistenchef ist es in den vergangenen Monaten gelungen, sich von seinem Image des langweiligen Parteifunktionärs ohne Ausstrahlung etwas zu lösen und mehr Volksnähe zu demonstrieren. Allerdings erhob die französische Journalistin und Schriftstellerin Tristane Banon schwere Vorwürfe gegen den 56-Jährigen: Sie beschuldigt DSK, sie 2003 während eines Interviews sexuell angegriffen zu haben, und sagt, Hollande habe von dem Vorfall gewusst.

Die zweite Wahl

Strauss-Kahn könnte sich auch als Stolperstein für Martine Aubry erweisen. Die 60-Jährige Arbeits- und Sozialministerin der Linksregierung und Bürgermeisterin der Grossstadt Lille konnte sich bislang nicht aus dem Schatten Strauss-Kahns lösen, der lange Zeit Wunschkandidat der Sozialisten war. Sie gilt weiter als zweite Wahl. Zudem sieht sie sich im Internet mit Gerüchten konfrontiert, wonach ihr Ehemann, ein Rechtsanwalt, Islamist, und sie alkoholkrank und lesbisch sei.

Zunächst konterte sie mit Humor. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Valence hielt sie eine Mineralwasserflasche hoch und sagte: «Es ist nicht einfach, Whisky zu trinken, wenn man einen Ehemann hat, der einen zwingt, die Burka zu tragen!» Inzwischen droht sie wegen übler Nachrede mit rechtlichen Schritten.

Angespannte Beziehung

Aubry siegte 2008 bei der Wahl zum Parteivorsitz knapp über Ségolène Royal. Das Royal-Lager äusserte Zweifel an dem ordnungsgemässen Ablauf der Stichwahl, seither gilt die Beziehung der beiden Politikerinnen als angespannt. Royal sieht sich als stärkste Herausforderin von Präsident Nicolas Sarkozy bei der Wahl im Frühjahr 2012. Sie sei die «Präsidentin der Lösungen», sagte Hollandes ehemalige Lebensgefährtin in einem Interview mit der französischen Zeitung «Le Parisien» am Wochenende. Sarkozy bezeichnete sie als «Defizit-Präsident». Bei den Wahlen 2007 hatte die 57-jährige zunächst gute Aussichten, die erste Staatspräsidentin der Französischen Republik zu werden, ihre Umfragewerten sanken nach mehreren Fauxpas und Seitenhieben auf ihre Partei jedoch deutlich.

Royals Sprecher im Präsidentschaftswahlkampf 2007 war Arnaud Montebourg. Der 48-Jährige kommt vom linken Flügel der PS und schrieb ein kritisches Buch über die Fünfte Republik. Er gründete die Convention pour la sixième République (C6R), eine Vereinigung von Politikern und Intellektuellen, die weniger Macht für den Präsidenten und mehr für das Parlament will.

Mit DSK telefoniert

Selber Jahrgang wie Montebourg, aber mittlerweile 49 Jahre, ist Manuel Valls, Abgeordneter und Bürgermeister der Stadt Évry, der sich vehement für DSK eingesetzt hat. Im Interview mit dem französischen Fernsehsender RTL sagte er, er habe mit DSK nach dessen Freilassung aus der Untersuchungshaft telefoniert, und bezeichnete die Debatte um DSK in Medien und Politik als «einen Schwall Scheisse», den er keine Lust mehr habe zu kommentieren. Valls tritt für eine Verjüngung der Linken ein und vergleicht seinen Politikstil mit dem von Tony Blair und Bill Clinton. Aubry legte Valls angesichts dessen wiederholter Kritik an der PS bereits den Parteiaustritt nahe.

Zur jungen Generation zählt Jean-Michel Baylet mit 64 Jahren nicht mehr. Der Vorsitzende der mit den Sozialisten verbündeten radikalen Linkspartei PRG ist Verleger und Multimillionär und hat sich bei parteilichen Grabenkämpfen bislang zurückgehalten. Er tritt für ein föderales Europa ein.

(dapd)

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