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Salvini-Effekt: Mehr Gewalt gegen Migranten

Antirassismus-Organisationen in Italien schlagen Alarm: Seit Lega-Chef Matteo Salvini Innenminister ist, häufen sich die rassistischen Attacken.

Nach einem Eierwurf am linken Auge verletzt: Die italienische Diskuswerferin Daisy Osakue spricht mit Journalisten vor einem Spital in Turin.
Nach einem Eierwurf am linken Auge verletzt: Die italienische Diskuswerferin Daisy Osakue spricht mit Journalisten vor einem Spital in Turin.
Keystone

Es war eine fiese Attacke ohne jeden Grund: Daisy Osakue ist am letzten Montagabend auf dem Heimweg in der Nähe von Turin aus einem fahrenden Auto mit einem Ei beworfen worden. Sie wurde am Gesicht getroffen und dabei erlitt sie eine Hornhautablösung am linken Auge. Die Italienerin mit nigerianischen Wurzeln musste von einem Arzt behandelt werden. Osakue ist Diskuswerferin und Kugelstösserin. Trotz der Verletzung will sie bei der Leichtathletik-EM in der kommenden Woche in Berlin an den Start gehen. Im Gespräch mit Journalisten sagte die Sportlerin, dass sie von einem rassistischen Hintergrund des Angriffs ausgehe. Man habe einfach jemanden mit dunkler Hautfarbe angreifen wollen. Die drei jungen Italiener im Auto des Eierwerfers sagten, dass es nur Spass gewesen sei. Sie bestreiten den Rassismusvorwurf.

Die 22-jährige Osakue warnt vor dem latenten Rassismus in ihrem Geburtsland. «Es ist traurig, das sagen zu müssen: Aber man spürt diese Spannungen überall», sagte die Leichtathletin in einem Interview mit der «Welt». «Diesmal war es noch ein Ei. Beim nächsten Mal ist es vielleicht ein Stein, eine Flasche oder was auch immer.»

Attacken mit tödlichen Folgen

Die Attacke auf Osakue hat diese Woche sehr viel zu reden gegeben in Italien, weil es sich um eine Spitzensportlerin des eigenen Landes gehandelt hat. Dabei ist es nur ein Fall in einer Reihe von rassistisch motivierten Attacken mit oftmals schlimmeren und teilweise tödlichen Folgen, wie zum Beispiel am letzten Sonntag in Aprilia, einer Stadt in der Region Latium. Zwei junge Männer verfolgten einen jungen Marokkaner, den sie angeblich für einen Dieb gehalten hatten. Als sie den Migranten dann erwischten, prügelten sie ihn zu Tode. Ebenfalls im vergangenen Monat war ein 14-monatiges Roma-Mädchen im Rücken von einem Luftgewehr angeschossen und verletzt worden.

Italiens Medien berichten immer wieder über fremdenfeindlich und rassistisch motivierte Gewalttaten. Es kommt nicht selten vor, dass Angreifer mit Feuerwaffen auf Migranten losgehen und verletzen. In dieser Woche schossen zum Beispiel in Neapel zwei Männer auf einem Scooter auf einen 22-jährigen Strassenverkäufer aus Senegal.

Schläger sagt: «Das ist das Land von Salvini»

Allein in den letzten zwei Monaten registrierten Anti-Rassismus-Organisationen insgesamt 11 Schiessereien, 2 Morde und 32 körperliche Angriffe – deutlich mehr als in den Vorjahresmonaten Juni und Juli. Typisch für das gesellschaftliche Klima im heutigen Italien ist ein Vorfall, der sich am Bahnhof von Venedig ereignete: Zwei einheimische Gepäckträger verprügelten einen afrikanischen Gepäckträger ohne Bewilligung. Dabei sagte einer der beiden Angreifer: «Das ist das Land von Salvini.»

Die Attacken auf Migranten hätten sich «auf gefährliche Weise gehäuft», erklären verschiedene Anti-Rassismus-Aktivisten in Italien. Zahlen zum Problem liefert zum Beispiel die Website Cronache di ordinario razzismo (Chronik des gewöhnlichen Rassismus). Die Dunkelziffern dürften deutlich höher sein, da viele Fälle gar nicht publik werden. Viele Experten führen die markante Zunahme von Gewalt gegen Einwanderer auf die hetzerische Anti-Migranten-Politik von Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini zurück. Statistiken scheinen den Salvini-Kritikern recht zu geben.

Lega-Propaganda schafft Klima der Feindseligkeit

«Die Propaganda rund um die Anti-Migranten-Politik hat deutlich zur Entstehung eines Klimas der Feindseligkeit beigetragen und ebenso zur Legitimierung von rassistischer Gewalt»: Das sagt Grazia Naletto, Projektleiterin der Vereinigung Lunaria, die unter anderem die Chronik des gewöhnlichen Rassismus zusammenstellt. Naletto betont, dass der Rassismus tief verwurzelte politische, kulturelle und soziale Gründe habe. Allerdings hätten Salvini und die Lega ein Klima des Hasses geschaffen. Trotz Regierungsbeteiligung ist der Lega-Chef im hetzerischen Wahlkampfmodus geblieben.

Italiens Innenminister weist solche Vorwürfe kategorisch zurück. «Die sogenannte Rassismuswelle ist ganz einfach eine Erfindung der Linken», liess Salvini unlängst verlauten. Trotz oder vielmehr gerade wegen seiner harten Anti-Migranten-Politik zählt der Lega-Chef zu den beliebtesten Politikern Italiens. «Die guten Zeiten für die Illegalen sind vorbei», hatte Salvini gesagt, als er am 1. Juni das Amt des Innenministers antrat.

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