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Putin setzt sich hinter den Steuerknüppel

Wladimir Putin hat bei der Bekämpfung der Waldbrände als Co-Pilot eines Löschflugzeugs geholfen. Damit setzt er sich einmal mehr als Draufgänger in Szene. Kann er so das Umfragetief überwinden?

Ein russischer Soldat kämpft verzweifelt gegen die Feuersbrunst, 13. August in der Nähe der Stadt Shatura.
Ein russischer Soldat kämpft verzweifelt gegen die Feuersbrunst, 13. August in der Nähe der Stadt Shatura.
Keystone
Hilfe aus Washington: Eine US-Militärmaschine landet in Moskau.
Hilfe aus Washington: Eine US-Militärmaschine landet in Moskau.
Reuters
In der Region Ryaza: Ein Mann sucht nach dem Feuer in der Ortschaft Pereldetsi nach Kartoffeln.
In der Region Ryaza: Ein Mann sucht nach dem Feuer in der Ortschaft Pereldetsi nach Kartoffeln.
Keystone
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Fernsehteams begleiteten den russische Ministerpräsident Wladimir Putin, als er 180 Kilometer südöstlich von Moskau per Knopfdruck die Wassermassen auf einen brennenden Wald niederliess. Anschliessend wandte er sich an den Piloten mit der Frage: «War das in Ordnung?» Die Antwort: «Ein Volltreffer.»

Putin hat sich in den vergangenen Jahren wiederholt medial in Szene gesetzt, sei es als Co-Pilot eines Kampfjets, beim Tauchen in einem Mini-U-Boot oder beim Reiten mit freiem Oberkörper in Sibirien. Seine Auftritte wurden landesweit vom Fernsehen übertragen, das unter staatlicher Kontrolle steht. In zwei Jahren wird ein neuer Präsident in Russland gewählt, und Putin wäre als Kandidat teilnahmeberechtigt.

Schadstoffbelastung in Moskau weiter hoch

Die Waldbrand-Katastrophe in weiten Teilen Russlands richtete einem Bericht zufolge Schäden von umgerechnet elf Milliarden Euro an. Der Schaden werde rund ein Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts betragen, berichtete die Wirtschaftszeitung «Kommersant» am Dienstag. Von der Regierung gibt es noch keine offizielle Schätzung.

Der heisseste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnung vor 130 Jahren hat Russland mehr als ein Drittel seiner Weizenernte gekostet. Die Regierung hat deshalb für den Rest des Jahres alle Weizenexporte verboten. Es wurde befürchtete, dass die steigenden Getreidepreise die Inflation in die Höhe treiben und das Wirtschaftswachstum bremsen werden, wie «Kommersant» berichtete. Der stellvertretende Ministerpräsident Viktor Subkow sagte am Dienstag, möglicherweise solle das Exportverbot wieder aufgehoben werden.

Der dichte Smog, der den Bewohnern Moskaus seit Tagen den Atem nimmt, liess am Dienstag etwas nach. Die Konzentration an Luftschadstoffen blieb aber hoch. Ministerpräsident Wladimir Putin bestellte den Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow ein, der die Lage in der Hauptstadt als schwierig bezeichnete. Er versicherte aber zugleich, dass die Gesundheitsbehörden alles Notwendige unternähmen, um die Situation für die Bewohner erträglicher zu machen. Die Zahl der Notrufe sei seit Beginn der Hitzewelle um etwa ein Viertel gestiegen.

Putin und Medwedew im Umfragetief

Putin wollte im Laufe des Tages zwei niedergebrannte Ortschaften südöstlich von Moskau besuchen, um über deren Wiederaufbau zu beraten. Der Ministerpräsident hatte den betroffenen zuvor versprochen, ihre Häuser würden bis zum Herbst wieder aufgebaut.

Trotz Putins Besuchen im Katastrophengebiet gingen seinen Umfragewerte ebenso wie die von Präsident Dmitri Medwedew zurück. Putins Beliebtheit sank laut der Erhebung der Public Opinion Foundation von 63 auf 61 Prozent und Medwedews von 57 auf 52 Prozent. Die unabhängige Wahlforschungsagentur Levada sieht Medwedew sogar nur bei 38 und Putin bei 44 Prozent.

Medwedew war in die Kritik geraten, weil er nach Beginn der Waldbrände zunächst seinen Urlaub am Schwarzen Meer fortgesetzt hatte. Die Wirtschaftszeitung «Wedomosti» zitierte den Kreml-nahen politischen Analysten Gleb Pawlowski mit den Worten, die russische Führung sei auf die Brände nicht vorbereitet gewesen.

dapd Lynn Berry und Vladimir Isachenkov/bru

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