Putin knüpft an die alte Strategie an

Die russische Einmischung in die spanische Innenpolitik dürfte sich als Eigentor erweisen.

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Es ist ein Déjà-Vu, wenn nun Nachrichten von der Unterstützung separatistischer Bewegungen durch Moskau die Medien beschäftigen. Als nach dem Zerfall der Sowjetunion Ende 1991 für kurze Zeit die Archive den Forschern zugänglich waren, kam eine Fülle von Materialien über die Unterstützung der baskischen Terrororganisation Eta oder der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) durch den sowjetischen Geheimdienst KGB zutage.

Auch versuchte der Kreml, das Abdriften einiger Sowjetrepubliken zu verhindern, indem der KGB dort Minderheiten gegen die Republikführungen in Stellung brachte: die ­Abchasen und Osseten in Georgien, die Gagausen und Russen in Moldawien, die Armenier in Nagorny Karabach, die Polen in Litauen, schliesslich die Russen in Estland, Lettland und in der Ukraine. Putin hat in Georgien und in der Ukraine diese Linie mit militärischen Mitteln weiterverfolgt.

Im Falle der westlichen Länder knüpft er ebenfalls an die alte Kreml-Strategie an: interne Gegensätze zu verstärken. Allerdings war er bislang nicht sonderlich erfolgreich damit, im Falle der USA laufen die russischen Aktivitäten offenkundig auf ein grosses Eigentor hinaus.

Auch der nun nachgewiesenen Einmischung Moskaus in die spanische Staatskrise um Katalonien dürfte kein Erfolg beschieden sein. Denn die Rahmenbedingungen dafür waren nicht gut: Die Sezessionisten waren von Anfang an chancenlos, denn sie konnten sich nur auf knapp 40 Prozent der Bevölkerung stützen, haben keinerlei Unterstützung massgeblicher Wirtschaftskreise und erst recht nicht aus der Europäischen Union, in der sie eigentlich bleiben wollen.

Allerdings macht es sich die Regierung in Madrid zu einfach, wenn sie nun die Einmischung des Kremls als wichtigen Faktor für die Eskalation darstellt. Vielmehr handelt es sich um einen hausgemachten Konflikt: Premierminister Mariano Rajoy hat es schlicht versäumt, ihn rechtzeitig durch Kompromissangebote an die Adresse Barcelonas zu entschärfen. So hat also der notorische Störenfried Putin durchaus recht, wenn er erklärt, es handle sich um eine «innere Angelegenheit Spaniens».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.11.2017, 19:54 Uhr

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