Putin erhält keine Einladung von Kiew

Russland hat die meisten der 40'000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine abgezogen. Kiew imponiert dies wenig. Zur Amtseinführung von Petro Poroschenko ist Wladimir Putin nicht eingeladen.

20 Staats- und Regierungschefs nehmen an der Zeremonie in Kiew teil - Wladimir Putin muss zu Hause bleiben: Der russische Staatschef in Moskau.

20 Staats- und Regierungschefs nehmen an der Zeremonie in Kiew teil - Wladimir Putin muss zu Hause bleiben: Der russische Staatschef in Moskau.

(Bild: AFP)

Die Ukraine hat den russischen Präsidentn Wladimir Putin nicht zur Amtseinführung des neuen Präsidenten Petro Poroschenko an diesem Samstag eingeladen. Die Führung in Kiew habe das Schreiben nur an den russischen Geschäftsträger in der Hauptstadt, Andrej Worobjow, gerichtet, sagte ein Sprecher des ukrainischen Aussenministeriums.. Worobjow habe seine Teilnahme aber noch nicht bestätigt.

Zur Amtseinführung würden rund 20 Staats- und Regierungschefs anreisen, darunter der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, sagte Perebijnis. Poroschenko und Putin sehen sich vermutlich an diesem Freitag bei den Feiern zum 70. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie.

Russland zieht Truppen ab

Während die USA als Reaktion auf die russische Ukraine-Politik ihre Truppen in Osteuropa verstärken wollen, hat Russland die meisten seiner 40'000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine wieder abgezogen. Im Osten der Ukraine gab es erneut heftige Gefechte.

«Die meisten Soldaten haben sich von der Grenze zurückgezogen», sagte ein Nato-Vertreter am Rande eines Treffens der Verteidigungsminister der Allianz am Dienstag in Brüssel. «Einige tausend Soldaten sind noch in der Nähe, aber die meisten dieser Einheiten scheinen den Abzug vorzubereiten.»

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen forderte Russland zu einem «kompletten Abzug» auf, um den Konflikt mit der Ukraine zu entspannen. Für eine friedliche Lösung der Krise müsse die Regierung in Moskau zudem damit aufhören, «bewaffnete Gangs» in der Ostukraine zu unterstützen, die Regierungsgebäude besetzten und OSZE-Beobachter in Geiselhaft nähmen, sagte der Däne.

OSZE bemüht sich um Freilassung der Geiseln

Eine vierköpfige Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), darunter ein Schweizer, wird seit dem 26. Mai in der Region Donezk vermisst. Vier weitere Beobachter und ein ukrainischer Dolmetscher verschwanden am 29. Mai in der Region Lugansk.

Für die OSZE hat die sofortige, bedingungslose Freilassung der Geiseln höchste Priorität. «Wir wissen, wo sie sind, und dass sie leben», sagte OSZE-Generalsekretär Lamberto Zannier am Dienstag in Genf.

Die OSZE wäge die Risiken ab und sei dabei, einige Beobachter in andere Regionen der Ukraine zu verschieben. Eine kleine Gruppe werde im Osten bleiben, um die Freilassung der festgehaltenen Kollegen zu erreichen, sagte Zannier weiter.

Die Wahl des neuen Präsidenten Petro Poroschenko, der am Samstag vereidigt werden soll, betrachtet Zannier als «einen Schritt nach vorne». Die OSZE hoffe, dass Poroschenko zur Lösung des Konflikts beitragen könne, indem er den inneren Dialog pflege und auch das Gespräch mit Russland suche.

Der Schokoladenfabrikant und milliardenschwere Oligarch Poroschenko war aus der Wahl Ende Mai mit 54,7 Prozent der Stimmen als Sieger hervorgegangen. Er soll am Samstag in Kiew vereidigt werden. Zur Amtseinführung werden rund 20 Staats- und Regierungschefs erwartet. Die Schweiz wird durch Bundespräsident Didier Burkhalter vertreten. Der russische Präsident Wladimir Putin wurde nicht eingeladen.

Kämpfe in der Ostukraine

In der Ostukraine setzte die Führung in Kiew ihre Militäroffensive gegen prorussische Separatisten in der Stadt Slawjansk fort. Separatisten berichteten von neuen schweren Luftangriffen der ukrainischen Streitkräfte mit Kampfflugzeugen und Helikoptern.

Das Dorf Semjonowka nahe der Grossstadt Slawjansk sei am Dienstag unter Beschuss genommen worden, teilte einer der Anführer der Aufständischen, Wjatscheslaw Ponomarjow, der Agentur Interfax mit. Es soll mehrere Tote und Verletzte gegeben haben.

Der ukrainische Generalstaatsanwalt Oleg Machnizki berichtete in Kiew, bei den Kämpfen im Osten seien bisher 181 Menschen ums Leben gekommen, darunter 59 Soldaten. 293 Menschen seien in den abtrünnigen Gebieten Lugansk und Donezk verletzt worden. Die Separatisten werfen den ukrainischen Behörden vor, die wahre Zahl der Opfer zu verschleiern. Sie sprechen von Hunderten Toten und Verletzten.

Ein prorussischer Journalist wird nach Angaben seiner Mutter seit mehr als drei Wochen vom ukrainischen Militär festgehalten. Der 36-jährige Artem Larjonow ist auf dem Rückweg von Slawjansk bei Kramatorsk von ukrainischen Soldaten festgenommen worden. Seitdem habe die Familie nichts mehr von ihm gehört.

wid/sda

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