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Pussy Riot: Urteil könnte abgemildert werden

Nach den heftigen Protesten gegen das Pussy-Riot-Urteil rechnen Beobachter damit, dass die verhängten Haftstrafen reduziert werden. Dafür droht einem anderen prominenten Regimekritiker nun Ungemach.

Ihr Anwalt fürchtete um ihre Sicherheit im Straflager: Die verurteilten Pussy-Riot-Mitglieder Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa.
Ihr Anwalt fürchtete um ihre Sicherheit im Straflager: Die verurteilten Pussy-Riot-Mitglieder Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa.
AFP
«Menschen, die niemals über diese Dinge nachgedacht haben, haben begonnen, darüber zu reden»: Jekaterina Samuzewitsch im Studio von Radio «Echo aus Moskau». (12. Oktober 2012)
«Menschen, die niemals über diese Dinge nachgedacht haben, haben begonnen, darüber zu reden»: Jekaterina Samuzewitsch im Studio von Radio «Echo aus Moskau». (12. Oktober 2012)
Keystone
Das kritisierte Punk-Gebet: Pussy Riot bei der Performance in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau. (Februar 2012)
Das kritisierte Punk-Gebet: Pussy Riot bei der Performance in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau. (Februar 2012)
Keystone
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Die Empörung über die harte Strafe gegen drei Aktivistinnen der Band Pussy Riot reisst nicht ab. Nun könnte ein weiterer Kritiker von Kremlchef Putin vor Gericht gebracht werden, nämlich Ex-Schachweltmeister Kasparow. Derweil legt die Protestband nach.

Begleitet von anhaltender Kritik am Urteil gegen drei Mitglieder der russischen Frauenband Pussy Riot hat die Gruppe ein neues Lied gegen Präsident Wladimir Putin veröffentlicht.

Zu «Tag der Hoffnung» aufgerufen

«Putin entzündet das Feuer der Revolution», singen mehrere Frauen und fordern das Volk auf, auf die Strasse zu gehen und die Regierung zu vertreiben. Zahlreiche Oppositionsgruppen und Bürgerrechtler riefen für morgen Sonntag zu einem «Tag des Gedenkens und der Hoffnung» unweit des Regierungssitzes auf.

In dem umstrittenen Prozess gegen Pussy Riot hatte Richterin Marina Syrowa am Freitag die drei Angeklagten wegen Rowdytums aus religiösem Hass zu je zwei Jahren Straflager verurteilt. Sie hätten mit ihrem Protestgebet am 21. Februar in der Moskauer Erlöserkathedrale gegen Putin absichtlich die Gefühle der Gläubigen verletzt.

Aus zwei Jahren könnte eines werden

Nach der internationalen Empörung über die Verurteilung der drei Frauen rechnen Beobachter mit einer Abmilderung der Strafe. Russische Medien und Beobachter äusserten heute Samstag die Erwartung, dass die Strafe in einem Berufungsverfahren reduziert werden dürfte.

Das zuständige Moskauer Gericht werde vermutlich die Strafe von zwei Jahren Lagerhaft in ein Jahr umwandeln, schrieb die Zeitung «Komsomolskaja Prawda».

Auch Denis Dwornikow von der zivilen Kammer, die russische Behörden berät, sagte eine Abmilderung der Strafen im Berufungsprozess voraus. Vermutlich würden die Verurteilten schon einen Monat nach dem Verfahren in die Freiheit entlassen, sagte Dwornikow der Nachrichtenagentur Interfax.

Polizist ins Ohr gebissen?

Der bei einer Protestkundgebung in Moskau am Freitag festgenommene frühere Schachweltmeister und Oppositionspolitiker Garri Kasparow kam heute zusammen mit etwa 50 weiteren Demonstranten wieder frei. Es sei keine Anklage gegen Kasparow erhoben worden, sagte einer seiner Mitstreiter, Alexander Riklin, der Nachrichtenagentur AFP.

Kasparow müsse aber am Montag wieder auf der Polizeiwache zum Verhör erscheinen. Laut der Nachrichtenagentur Interfax wird dem Oppositionellen vorgeworfen, einen Polizisten ins Ohr gebissen zu haben.

Kasparow wies den Vorwurf zurück und erklärte, er sei in der Untersuchungshaft geschlagen worden. Nach russischen Medienberichten könnten Kasparow bis zu fünf Jahre Haft drohen.

Insgesamt nahm die Polizei am Vortag rund um das Gericht knapp 100 Menschen vorübergehend in Gewahrsam, darunter auch Gegner der Künstlerinnen. Dutzenden drohen Strafen wegen Verstosses gegen das Versammlungsgesetz.

Putin-Vertrauter warnt vor Imageverlust

Bürgerrechtler und Regierungsgegner in Russland erneuerten ihre Kritik an dem Schuldspruch. Der frühere Finanzminister und Putin-Vertraute Alexej Kudrin warnte vor einem Imageverlust Russlands, der auch Investoren abschrecken könne.

Hingegen begrüssten Mitglieder der Kremlpartei Geeintes Russland die Verurteilung. Auch das Weltkonzil des Russischen Volkes, das vom russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill geleitet wird, verteidigte den Richterspruch. Es sei notwendig gewesen zu zeigen, dass das Protestgebet ein Verbrechen und nicht ein Akt freier Kreativität sei, hiess es.

dapd/sda/AFP/mw/rub/wid

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