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Pegida läuft die Führung davon

Nur wenige Tage war Kathrin Oertel die Nummer Eins von Pegida. Nun sind sie und vier weitere des Organisationsteams zurückgetreten – wegen angeblicher Anfeindungen und beruflicher Nachteile.

Schwere Führungskrise: Die Pegida-Bewegung ist auf der Suche nach einem neuen Vorstand.
Schwere Führungskrise: Die Pegida-Bewegung ist auf der Suche nach einem neuen Vorstand.
Keystone

In der Islam-kritischen deutschen Bewegung Pegida («Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes») ist eine schwere Führungskrise ausgebrochen: Sprecherin Kathrin Oertel und vier weitere Mitglieder des Organisationsteams legten ihre Ämter nieder. In einer Sondersitzung soll in den nächsten Tagen ein neuer Vorstand gewählt werden.

Den Rücktritt Oertels bestätigte das Bündnis auf seiner Internetseite. Zuerst hatte das Magazin «Stern» darüber berichtet. Pegida sprach von einer «Auszeit» wegen massiver Anfeindungen, Drohungen und beruflicher Nachteile. Weiter hiess es, der frühere CDU-Stadtrat von Meissen (Sachsen), Thomas Tallacker, habe in letzter Zeit wegen der Presseberichterstattung berufliche Nachteile gehabt.

Zwei ehemalige Köpfe: Kathrin Oertel und Lutz Bachmann (Quelle: AFP, 12. Januar 2015)
Zwei ehemalige Köpfe: Kathrin Oertel und Lutz Bachmann (Quelle: AFP, 12. Januar 2015)

Die 37-jährige Oertel wirkt etwas streng, ihre Rhetorik ist nicht geschliffen wie die von Politikern. Stattdessen ein sächsischer Zungenschlag, einfache Worte, die scheinbar das unterstreichen, was Oertel sein will: «Eine ganz normale Frau aus dem Volk.»

Obwohl sie bereits seit Wochen als Sprecherin von Pegida fungierte und von Anfang an bei den Demonstrationen in Dresden dabei war, ist nur relativ wenig über Oertel bekannt.

Interviews mit der von den Pegida-Anhängern oft gebrandmarkten«Lügenpresse» lehnte sie bisher meist ab. Bei den Kundgebungen ergriff sie dagegen schon früh das Wort. Die Mutter von drei Kindern lebt in Coswig, einer Kleinstadt in der Nähe von Dresden, und arbeitet frei als Beraterin im Immobilienbereich.

Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann sagte der «Süddeutschen Zeitung» Oertel sei zurückgetreten, weil sie aus Antifa-Kreisen (Antifaschistische Aktion) massiv bedroht worden sei. Weder Oertel noch er stünden künftig für Vorstandsposten zur Verfügung.

Bachmann war vor einer Woche wegen ausländerfeindlicher Facebook-Posts und Selbstdarstellungen mit Hitler-Schnurrbart als Vereinschef zurückgetreten.

Auch der Wirtschaftsberater Bernd-Volker Lincke trat aus dem Führungskreis zurück. Er sagte: «Ich kann und will mich mit den Äusserungen von Lutz Bachmann nicht identifizieren.» Nach seinen Worten steigen auch AfD(Alternative für Deutschland)-Mitglied Achim Exner und Vereinsvize René Jahn aus.

Nach Berichten mehrerer Medien wurde bei einer Sitzung des Vereinsvorstands am Dienstagabend über die Rolle Bachmanns diskutiert. Er wolle sich entgegen seiner Ankündigungen offenbar doch nicht ganz aus der Bewegung zurückziehen.

Pegida organisiert seit Oktober wöchentliche Demonstrationen gegen eine befürchtete «Überfremdung» Deutschlands. Nur in Dresden konnte die Bewegung dabei Massen mobilisieren. Nachahmer in anderen Städten blieben bisher weitgehend erfolglos.

SDA/spu

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