«Pandas sind ein Instrument der Aussenpolitik»

Sie heissen Träumchen und Schätzchen, Chinas Panda-Geschenk an Merkel. Mareike Ohlberg weiss, welche Hintergedanken Xi Jinping mit den Jö-Tierchen verbindet.

Staatsakt mit zwei Pandabären im Berliner Zoo. (Video: Reuters)

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Frau Ohlberg, Angela Merkel und Xi Jinping präsentieren in Berlin zwei Panda-Bären. Warum macht das nicht einfach der Zoo-Direktor?
Die Pandas haben für China einen grossen symbolischen Wert, als Zeichen der Freundschaft gegenüber Deutschland. Wobei «Freundschaft» mit Deutschland natürlich in erster Linie strategische Partnerschaft heisst.

Warum haben Pandas in China eine so besondere Bedeutung?
Pandas sind ein wichtiges chinesisches Symbol, zugleich hat China ein Panda-Monopol. Jedes andere Land möchte Pandas in seinen Zoos haben. Pandas sind beliebt, Pandas sind niedlich, Pandas sind die süsse Seite Chinas. Und weil niemand sonst die Tiere vergeben kann, sind die Tiere ein wunderbares Instrument der Aussenpolitik. Diese Panda-Diplomatie betreibt China seit Ende der 1950er Jahre, damals wurden Tiere noch verschenkt. Seit den 1980ern kosten Pandas Geld. Und nun zahlt Deutschland für die beiden neuen Pandas natürlich eine Leihgebühr.

Die Pandas sind dem Berliner Zoo viele Millionen Euro wert, von dem jahrelangen Bemühen um die Tiere gar nicht zu sprechen. Warum tun Zoos sich das an?
Pandas sind einfach unheimlich beliebt bei vielen Menschen. Ich denke, dass viele Menschen extra in den Berliner Zoo kommen werden, um diese Tiere anzuschauen. Es gibt nur so wenige der Tiere auf der Welt, diese Rarität dürfte auch einen Teil ihrer Attraktivität ausmachen.

Jö-Bilder: Die Panda-Politik Chinas reicht weit zurück.

Sie haben den Begriff Panda-Diplomatie genannt. Was ist die Idee dahinter?
Pandas sind etwas, das China anderen Ländern als Zeichen des guten Willens und der engeren Zusammenarbeit überlässt. Die Tiere sind niedlich und lösen bei vielen Menschen gute Gefühle aus. Und das ist aus chinesischer Sicht natürlich eine gute Alternative zu härteren Themen, die sonst vielleicht diskutiert würden. Beim Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Xi Jinping in Berlin geht es nun medial hauptsächlich um Pandas. Man könnte ja auch über andere Themen sprechen.

Von welchen anderen Themen lenken die Pandas denn ab?
Man könnte zum Beispiel mehr über die Menschenrechtslage sprechen oder über Handelsbarrieren. Oder über den bis zuletzt inhaftierten Dissidenten und Nobelpreisträger Liu Xiaobo. Er wurde aus dem Gefängnis entlassen, aber nur ins Krankenhaus, um dort seine Krebserkrankung zu behandeln.

Die Pandas sind nur verliehen. Kann Peking sie Berlin auch wieder wegnehmen?
Grundsätzlich ist es möglich, dass China die Pandas zurückfordert. Das wäre aber auch sehr radikal und möglicherweise eine Vertragsverletzung. Dieser Panda-Entzug ist sicherlich eine Möglichkeit der politischen Sanktion, mit der man Druck ausüben kann.

In den USA ist das ja passiert, als Obama den Dalai Lama traf und China daraufhin seine Pandas zurück wollte.
Ja. Einige Beobachter waren damals der Meinung, dass das Tier wegen Obamas Empfang des Dalai Lama zurückgefordert wurde. Das ist durchaus möglich, aber es war bereits vorher vertraglich abgemacht, dass der Panda zwei Jahre nach seiner Geburt in den USA nach China zurückkehren sollte. Aber wie gesagt, ein solcher Schritt ist auch für China negativ. Denn mit Pandas will die chinesische Regierung ja immer auch eine Charmeoffensive in Richtung der Bevölkerung starten. Und es würde bei den deutschen Zoobesuchern sicher nicht gut ankommen, wenn China die plötzlich wieder zurück haben wollte.

Die Berliner Pandas heissen Meng Meng (Träumchen) und Jiao Qing (Schätzchen). Warum sind Panda-Namen eigentlich so wichtig?
Oft transportieren die Namen eine gewisse Symbolik. Der drastischste Fall war vielleicht, als China Taiwan zwei Pandas anbot, deren Namen zusammen so viel bedeuteten wie «Einheit». China sieht Taiwan als abtrünnige Provinz, die eigentlich zur Volksrepublik gehört. Die damalige Regierung Taiwans war China nicht sehr freundlich gesonnen und fand die Namen der Pandas überhaupt nicht lustig und lehnte die Tiere ab. Erst 2008 unter einer neuen, dem chinesischen Festland-freundlicher gesonnenen Regierung, kamen sie schliesslich nach Taiwan.

Was könnte hinter den Namen der beiden Berliner Pandabären stecken?
Im Vergleich dazu sind die Namen «Träumchen» und «Schätzchen» harmlos. Ich würde da nicht allzu viel hinein interpretieren. Irgendwelche Namen müssen sie ja haben. (Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 06.07.2017, 12:45 Uhr

Dr. Mareike Ohlberg ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Mercator Institute für China Studies (MERICS) in Berlin. (Foto: JAN SIEFKE, Merics)

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Jiao Qing bei der Eröffnungszeremonie in Berlin. (Bild: Keystone Michele Tantussi)

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