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Odenwaldschule will Missbrauchsopfer noch nicht entschädigen

Die Odenwaldschule will einem Medienbericht zufolge Missbrauchsopfer derzeit nicht entschädigen. Ein Opferanwalt bezeichnet die Gründe der Schule als zynisch.

Fürchtet den Konkurs: Odenwaldschule.
Fürchtet den Konkurs: Odenwaldschule.
Keystone

Der Schule fehle das Geld, um die Opfer zu entschädigen. Das geht nach Informationen des Radiosenders «Hr-info» aus einem Brief an einen Opferanwalt hervor. Die Schule sei durch den Missbrauchsskandal in eine «schwierige betriebswirtschaftliche Situation» gekommen. Zur Zahlung einer Entschädigung sehe sich das Internat derzeit nicht in der Lage. Der Sprecher des Schulvorstands betonte jedoch auf Anfrage, dieser lehne eine Entschädigung der Missbrauchsopfer nicht generell ab.

Es stünden 140 Arbeitsplätze auf dem Spiel, hiess es dem Rundfunkbericht zufolge weiter in dem Schreiben an den Anwalt. Ausserdem könnten mehr als 200 Schüler ihre Schule verlieren, wenn kurzfristige Entschädigungsansprüche erfüllt werden sollten. Dies könne man nicht zulassen.

Die Schule stelle sich als Opfer dar

Der Frankfurter Opferanwalt Thorsten Kahl nannte das Verhalten des Schulvorstands in dem «Hr-info»-Bericht zynisch. Wieder einmal werde die Existenz der Schule über die Opfer gestellt. Kahl vertritt eigenen Angaben zufolge zehn Missbrauchsopfer der Odenwaldschule, von denen sieben eine Entschädigung fordern. So verlange ein ehemaliger Schüler sein Schulgeld in Höhe von 83'000 Euro zurück.

Der Sprecher des neuen Schulvorstands, Johannes von Dohnanyi, der vor rund zwei Monaten seine Arbeit aufnahm, wies auf DAPD-Anfrage die Vorwürfe zurück. Die Schule brauche Zeit, die Taten, die jahrelang nicht angesprochen worden seien, aufzuarbeiten. Das könne nicht innerhalb acht Wochen passieren, betonte er.

Anerkennungsfonds geplant

Eine Entschädigung werde nicht grundsätzlich abgelehnt, doch habe natürlich die Schule als gemeinnützige Einrichtung nicht die gleichen finanziellen Mittel wie andere Einrichtungen, erklärte der Sprecher. Jedoch werde es einen sogenannten Anerkennungsfonds geben. In welcher Höhe und wann dieser bereitstehen werde, sei aber derzeit noch nicht klar - schliesslich solle dieser vernünftig geplant werden, damit keine Fehler entstünden, betonte er.

An der renommierten Privatschule sollen über Jahre Schüler sexuell missbraucht worden sein. Unter den beschuldigten Lehrern war auch der damalige Schulleiter Gerold Becker, der die Schule von 1969 bis 1985 leitete und Anfang Juli nach langer Krankheit starb. Das Strafverfahren gegen den Pädagogen war schon vorher von der Staatsanwaltschaft Darmstadt wegen Verjährung eingestellt worden.

(dapd)

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