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Noch hält Merkels Wall

Der Schulz-Hype übertrug sich nicht auf die Landtagswahlen im Saarland. Was das für die SPD bedeutet.

Das Saarland ist winzig. Die Frage, wer es regiert, ist in der Regel für Deutschland ohne Belang. Ein halbes Jahr vor einer Bundestagswahl ist auf einmal alles anders. Am Sonntagabend waren Freude und Erleichterung bei den Christdemokraten in Saarbrücken und im fernen Berliner Kanzleramt jedenfalls mit Händen zu greifen, die Enttäuschung bei den Sozialdemokraten fast genauso. Annegret Kramp-Karrenbauer, die beliebte Ministerpräsidentin und Vertraute von Angela Merkel, hat sich überraschend deutlich an der Macht behauptet. Sie hat es damit den letzten acht Länder-Regierungschefs, die zur Wahl standen, gleich getan – der Bonus für Amtsinhaber ist in Deutschland immer noch bemerkenswert gross.

Noch vor acht Wochen wäre Kramp-Karrenbauers Wiederwahl kein Ereignis gewesen, zu weit lag sie in den Umfragen vor der sozialdemokratischen Konkurrenz. Doch seit Martin Schulz die SPD beflügelt, traut man ihren Politikern auch in den Ländern wieder viel zu. Wie Schulz gegen Merkel erschien in Saarbrücken die junge Anke Rehlinger auf einmal als Alternative zur angeblich alternativlosen Kramp-Karrenbauer. Medien und Publikum fieberten bereits dem Moment entgegen, da die «Schulz-Welle» die erste «Merkel-Bastion» überschwemmen würde.

Daraus ist im Saarland nun nichts geworden. Gegen Amt und Statur kamen Euphorie und Trend bei weitem nicht an. Ein Sturz von Kramp-Karrenbauer wäre für Merkels Union aber auch eine Katastrophe gewesen. Sie hätte nicht nur den Bundestagswahlkampf mit einer krachenden Niederlage begonnen, sondern auch ihr zweitletztes Ministerpräsidentenamt im Westen Deutschlands verloren. Die Nervosität und Ratlosigkeit, die in der Union seit Schulz' Auftritt herrscht, hätte sich leicht in offenen Unmut und Panik verwandeln können. Zudem hätte ein rot-rotes Regierungsbündnis im Saarland, das erste überhaupt auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik, rot-rot-grüne Träume für Berlin heraufbeschworen, die der Union im Herbst höchst gefährlich werden könnten.

So aber bleibt eine erste «Merkel» im Amt, Schulz-Hype hin oder her. Die wiederbelebte SPD muss erst noch beweisen, dass sie nicht nur die Umfragen, sondern auch die Wahlen gewinnen kann.

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