Neues griechisches Fernsehen geht mit altem Streifen auf Sendung

In Griechenland hat der Nachfolgesender des eingestellten öffentlichen Fernsehens den Betrieb aufgenommen. Die Gewerkschaften laufen Sturm gegen den neuen «Piraten».

Am Morgen des 10. Juli 2013 sendete der neue Staatssender ERT ein Signal aus: Das Logo auf einem Bildschirm.

Am Morgen des 10. Juli 2013 sendete der neue Staatssender ERT ein Signal aus: Das Logo auf einem Bildschirm.

(Bild: Keystone)

Einen Monat nach der abrupten Schliessung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Griechenland hat der Nachfolgekanal gestern Abend den Sendebetrieb wieder aufgenommen. Auf der Frequenz des geschlossenen Senders ERT wurde mit einigen Bildproblemen ein alter griechischer Spielfilm gezeigt.

Am Morgen war bereits ein Testbild ausgestrahlt worden, das den Sendernamen EDT, einen Globus und bunte Wellen zeigte. Geplant ist vorerst ein Minimalprogramm, bevor es im Herbst mit neu eingestellten Mitarbeitern wieder richtig losgehen soll. Zunächst sollen vor allem Spielfilme, Serien und Dokumentationen ausgestrahlt werden.

Der Protest der Gewerkschaften gegen die Schliessung des ERT ist damit aber nicht beendet. Sie bezeichnen den Nachfolgesender als «Piraten» und haben für heute alle Mitarbeiter privater Sender zu einem fünfstündigen Solidaritätsstreik aufgerufen.

«Hort der Kungelei»

Die Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras hatte den ERT am 11. Juni überraschend dicht gemacht, alle 2700 Mitarbeiter sassen über Nacht auf der Strasse. Die Entscheidung löste tagelange Proteste aus. Die Dreier-Koalition in Athen zerbrach am Streit über die Schliessung und wird nun als Zweierbündnis fortgeführt.

Samaras hatte seinen Schritt mit den von den internationalen Gläubigern verordneten Sparzwängen begründet. Der ERT sei ein Hort der Kungelei mit ungerechtfertigten Privilegien für die Mitarbeiter und verschwende jährlich 300 Millionen Euro, hatte es zur Begründung geheissen.

Das Verwaltungsgericht in Athen urteilte zwar, dass die Schliessung innerhalb der Befugnisse der Regierung gelegen habe. Zugleich betonte es, dass eine Grundversorgung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk erforderlich sei. Dem will Athen nun mit dem neuen, wesentlich schlankeren EDT nachkommen.

rub/AFP

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