Neuer Name, alte Herausforderung

Die rechtsradikale Ideologie des Front National – respektive neu des Rassemblement National – hat Konjunktur. Wie wird Frankreichs Präsident darauf reagieren?

Marine Le Pen spricht am Sonntag vor den Anhängern ihrer Partei. Foto: Sylvain Lefevre (Getty Images)

Marine Le Pen spricht am Sonntag vor den Anhängern ihrer Partei. Foto: Sylvain Lefevre (Getty Images)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wenn sich eine Partei nach einer Niederlage umbenennt, ist das ungefähr so, wie wenn man nach einer Trennung zum Coiffeur geht. Es wirkt ein wenig verzweifelt. Frankreichs Rechtsextreme um Marine Le Pen heissen nun nicht mehr Front National, sondern Rassemblement National – statt Front nun also Zusammenschluss.

Eigentlich hätte die Partei zur Verzweiflung keinen Grund, auch wenn sie Probleme hat. Im Hintergrund geifert immer noch der Parteigründer Jean-Marie Le Pen. Zwar hat die Partei ihn jetzt auch als Ehrenpräsidenten abgesetzt, dennoch untergräbt er jeden Versuch seiner Tochter, den rassistischen Kern der Partei zu verschleiern. Marion Maréchal-Le Pen und Florian Philippot, die Jüngeren, auf die Hoffnungen gesetzt wurden, haben sich mehr (Maréchal) oder weniger (Philippot) freundlich abgemeldet. Und zur Umbenennung der Partei, verordnet von Le Pen, hatte gerade mal die Hälfte der befragten Mitglieder Lust.

Allerdings stand der Front National nie im Verdacht, anständig, geeint oder originell zu sein. Marine Le Pen ist nicht stark, weil sie eine ausgefuchste Strategie hätte, sie ist stark, weil ihre Ideologie Konjunktur hat. Laut einer Umfrage des «Figaro» finden 66 Prozent der Franzosen, dass die nationalen Werte nicht genug verteidigt werden. 50 Prozent sagen, dass es in Frankreich zu viele Einwanderer gebe. 48 Prozent glauben, dass Muslime zu viele Rechte hätten. Und 43 Prozent der Anhänger der Republikaner fänden es richtig, wenn ihre Partei mit dem FN eine Koalition eingehen würde. Bei der jüngsten Präsidentschaftswahl haben immerhin 33,9 Prozent der Franzosen ihre Stimme Marine Le Pen gegeben. Das war keine Niederlage. Das war ein Triumph derer, die das liberale Frankreich abschaffen wollen. Manche aus Überzeugung, viele aus Frust.

Alles wird immer schlimmer

Ob der umbenannte Front National sich wieder stärker auf seine rechtsex­tremen Wurzeln besinnt oder wie zuletzt versuchen wird, Nationalismus als unpolitisches Volksgefühl zu verkaufen, ist gar nicht so wichtig. Le Pen hat es geschafft, mit einem Programm in die Stichwahl um die Präsidentschaft zu kommen, das sich auf einen Leitsatz reduzieren lässt: Alles wird immer schlimmer, aber immerhin seid ihr Franzosen. Wer bei Le Pen sein Kreuz macht, scheint also ohnehin nicht viel von Politikern zu erwarten. Derart gestimmte Wähler schreckt keine parteiinterne Krise. Derart gestimmte Wähler sind aber auch keine überzeugten Rechtsradikalen.

Wichtiger als die Frage, was Le Pens Partei als Nächstes tut, ist die Frage, was die übrigen politischen Akteure Frankreichs tun werden. Entscheidend ist, ob die Republikaner sich daran erinnern, dass man konservative Politik machen kann, ohne auf Ausländer, sogenannte Eliten und die freie Presse zu schimpfen. Die Republikaner können sich verhalten wie eine Partei, die bereit ist, in der Demokratie Verantwortung zu übernehmen. Oder sie können sich weiterhin als eine bürgerliche Variante des Front National geben.

Ebenfalls entscheidend ist, ob Präsident Emmanuel Macron auch für jene Lösungen anbieten wird, die das Gefühl haben, dass der Staat sie vergessen hat. Es geht darum, zu vermitteln, dass Politik und Zusammenleben komplexer sind als der von Le Pen und ihren Rechten ausgerufene Kampf von «Nationalen gegen Globalisten». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.03.2018, 19:13 Uhr

Artikel zum Thema

Rückzug von der Front

Marine Le Pen, Vorsitzende des Front National, benennt ihre Partei um und will weniger aggressiv wirken. Doch von ihrer fremdenfeindlichen Ideologie wird sie nicht abrücken. Mehr...

Straches Hardcore-Rede und die irritierten Wiener Burschen

Reportage Der rechtspopulistische Vizekanzler hält eine Anti-Rassismusrede? Am Burschenball der FPÖ in Wien? Auf Spurensuche bei den Rechten in Österreich. Mehr...

Er will «alle 600'000» Migranten ausweisen – «10'000 jeden Tag»

Porträt Der scharfe Populist Matteo Salvini will Chef der Rechten in Italien sein. Der Gründer seiner Partei nannte Faschisten noch «Schweine». Salvini sagt lieber «ragazzi» – Jungs. Mehr...

Dossiers

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Volltreffer! Die Fussballkolumne.

Grädel schreibt über Fussball und die Welt. Wenn einer in Bern und Umgebung echten Fussballsachverstand hat, dann er.

Kommentare

Werbung

Kulturell interessiert?

Bizarre Musikgenres, Blick in Bücherkisten und das ganze Theater. Alles damit Sie am Puls der Zeit bleiben.

Die Welt in Bildern

Grossflächig: Der für seine in die Landschaft integrierten Kunstwerke bekannte französische Künstler Saype zeigt im Park La Perle du Lac sein Werk «Message from Future». (16. September 2018)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...