Neue Spur zu Haiders Millionen

Ein Zeuge bestätigt: Saddam Hussein habe seinem österreichischen Freund Jörg Haider riesige Summen gespendet.

Besuch bei Freunden: Jörg Haider und der ehemalige irakische Aussenminister Naji Sabri im Jahr 2002.

Besuch bei Freunden: Jörg Haider und der ehemalige irakische Aussenminister Naji Sabri im Jahr 2002.

(Bild: Keystone)

Bernhard Odehnal@BernhardOdehnal

Seit zwei Wochen berichten österreichische Medien über Millionenspenden aus Libyen und dem Irak, die der verstorbene Jörg Haider auf geheimen Konten in der Schweiz und in Liechtenstein deponiert haben soll. Haiders ehemalige Vertraute aus der «Buberlpartie» dementierten diese Meldungen stets und empörten sich über «Schweinejournalismus». Jetzt aber meldet sich im Magazin «Profil» ein Zeuge zu Wort, der die Übergabe mehrerer Millionen Dollar an Haider bestätigt: Franz Limpl, ein seit 1981 als Bauingenieur in Bagdad lebender Kärntner, gibt an, im Auftrag von Diktator Saddam Hussein im Februar 2002 die erste Reise Jörg Haiders in den Irak organisiert zu haben. Saddam habe eine Verbindung zum «international bekannten Revoluzzer» herstellen wollen, erklärt der heute 62-jährige Limpl.

2,5 Millionen Dollar in Raten

Bei der ersten Reise habe Saddam Haiders Delegation 500'000 Dollar zugesagt. Das Geld ist laut Limpl über einen Geschäftsmann in Kärnten ausbezahlt worden. Haiders Sekretär Karl-Heinz Petritz habe sich über den geringen Betrag damals aufgeregt. Bei der zweiten Reise habe Haider zwei Millionen Dollar erhalten. Saddam Hussein habe ihn persönlich gefragt, erinnert sich Limpl, ob «diese Summe okay» sei. Wie das Geld diesmal ausbezahlt wurde, weiss der Kärntner Ingenieur allerdings nicht.

Auch die Spur nach Liechtenstein wird konkreter. Es gibt inzwischen einen Beweis, dass Haiders Partei FPÖ das Fürstentum als Steuerparadies schätzte. Das Magazin «News» gibt in der aktuellen Ausgabe das Gesprächsprotokoll eines Beraters der LGT-Bank vom Sommer 2002 wieder. Der damalige FPÖ-Generalsekretär Peter Sichrovsky erkundigte sich damals bei ihm, wie er mehrere Millionen anlegen und dabei «Steuern optimieren» könne. Laut «News» hatte 1996 Haiders damaliger Sekretär, Gerald Mikscha, bei der LGT-Bank ein Konto eröffnet. Mikscha gilt seit einigen Jahren als verschwunden. Doch österreichische Zeitungen vermuten jetzt, er halte sich doch nicht in Paraguay, sondern in Kärnten versteckt.

Bank hat Haiders Eskapaden finanziert

Auskunft über die Finanzgeschäfte Haiders und seiner Partei könnte auch ein neuer Untersuchungshäftling in Klagenfurt geben: Der ehemalige Präsident der Kärntner Bank Hypo-Alpe-Adria, Wolfgang Kulterer, wurde letzten Freitag verhaftet. Ihm werden ungetreue Geschäftsführung und Betrug vorgeworfen. Unter seiner Leitung hatte die Bank jahrelang Haiders Eskapaden finanziert und Millionenkredite für dubiose Immobilienprojekte in Kroatien gewährt.

Die enormen Verluste der Hypo-Alpe-Adria wurden beim Verkauf an die Bayerische Landesbank (Bayern LB) 2007 vertuscht. Der Verkauf brachte einer Gruppe von Haider nahen Investoren Millionen ein, die Bayerische Landesbank hingegen handelte sich 4 Milliarden Euro Schulden ein. 2009 wurde die bankrotte Hypo von Österreich notverstaatlicht. Heute untersuchen Staatsanwälte und Sonderausschüsse in Bayern und Österreich die Bankgeschäfte. Die Verhaftung des einstigen Bankchefs dürfte erst der Anfang gewesen sein.

Tages-Anzeiger

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