Moskau fährt in Syrien Hightech-Raketen auf

Die Russen verlegen ihr hochmodernes Flugabwehrsystem nach Syrien. Das macht die Situation in dem Bürgerkriegsland noch gefährlicher.

Das russische S-400 Triumph: Eines der effektivsten Langstrecken-Flugabwehrsysteme der Welt.

Das russische S-400 Triumph: Eines der effektivsten Langstrecken-Flugabwehrsysteme der Welt.

(Bild: Keystone)

Yannick Wiget@yannickw3

Was von westlichen Militärs lange befürchtet wurde, ist nun offiziell: Russland stationiert sein modernstes Flugabwehr-Raketensystem in Syrien. Dies gab der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu bekannt. «Auf Beschluss des Obersten Befehlshabers werden Fla-Raketensysteme S-400 auf den Stützpunkt Hmeimim in Syrien verlegt, damit die Luftabwehr in allen Richtungen gesichert wird», so Schoigu. Zudem sei bereits der Lenkwaffenkreuzer Moskwa in die Region Latakia an der Westküste Syriens entsandt worden. Das Militärschiff im Mittelmeer ist laut Schoigu «bereit, alle Luftziele zu treffen, die eine Gefahr darstellen».

Russland reagiert damit auf den Vorfall vom Dienstag, als Kampfjets der Türkei einen russischen Jagdbomber abschossen, der aus ihrer Sicht türkischen Luftraum verletzte. Der Stützpunkt Hmeimim in der syrischen Region Latakia, wo das Flugabwehrsystem platziert werden soll, liegt nur 50 Kilometer südlich der türkischen Grenze. Militärbeobachter fürchten nun, dass sich die ohnehin schon unübersichtliche Lage in Syrien weiter verschärfen könnte. Wie der Abschuss des russischen Bombers gezeigt hat, funktioniert die Abstimmung zwischen den in den Bürgerkrieg involvierten Parteien nicht. Durch die Installation des Abwehrsystems steigt die Gefahr, dass es erneut zu Vorfällen in der Luft kommt.

Bis zu 300 Ziele gleichzeitig

Das russische S-400 Triumph gilt als eines der effektivsten Langstrecken-Flugabwehrsysteme der Welt. Es ist grundsätzlich in der Lage, Luftziele in bis zu 400 Kilometern Entfernung zu treffen. Die zur russischen Regierung gehörende Nachrichtenagentur Sputnik hat die technischen Daten des Systems aufbereitet. Demnach können damit bis zu 300 Ziele gleichzeitig beschossen werden. Die Lang- und Mittelstreckenraketen treffen ballistische, also bewegliche Ziele wie Marschflugkörper oder andere Raketen auf eine Entfernung von 60 Kilometern und in einer Höhe von 27 Kilometern. Aerodynamische Ziele wie Flugzeuge und Drohnen sind selbst 250 Kilometer entfernt noch in Reichweite.

Nato fürchtet Flugverbotszone

Er hoffe, so die Sicherheit der Flüge seiner Luftwaffe gewährleisten zu können, begründete Putin die Entscheidung und fügte an: «Das wird nicht die einzige Massnahme sein, die wir treffen.» Solche Aussagen führen im Westen zu Sorgenfalten. Laut dem «Spiegel» vermuten westliche Militärs schon länger, dass Russland auch Waffensysteme nach Syrien bringt, die nichts mit dem Kampf gegen Terroristen oder Rebellen zu tun haben. Ende Juli kündigte Moskau an, die Waffensysteme für den Iran zu modernisieren. Nun verlegt es sein hochmodernes Flugabwehrsystem nach Syrien. Die Nato befürchtet, dass Russland über dem östlichen Mittelmeer eine faktische Flugverbotszone für westliche Streitkräfte schaffen könnte. So warnte Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove bereits Ende September vor einer russischen «Luftverteidigungsblase» in der Region.

DerBund.ch/Newsnet

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