Möglicher Juncker-Nachfolger schimpft über Schweizer

Der deutsche CSU-Politiker Manfred Weber, der wohl bald mächtigste Mann in Brüssel, macht Stimmung gegen die Schweiz.

Wird mit allergrösster Wahrscheinlichkeit Nachfolger von Jean-Claude Juncker als EU-Kommissionspräsident: Manfred Weber bei einer Rede in Halle. (11. März 2019)

Wird mit allergrösster Wahrscheinlichkeit Nachfolger von Jean-Claude Juncker als EU-Kommissionspräsident: Manfred Weber bei einer Rede in Halle. (11. März 2019)

(Bild: Keystone Hendrik Schmidt/DPA)

Im Mai steht die Europawahl an. Der CSU-Politiker Manfred Weber hat als Spitzenkandidat der konservativen EVP die besten Chancen, das wichtigste Amt der EU, das des Kommissionspräsidenten, zu besetzen. Er würde damit Nachfolger von Jean-Claude Juncker.

Bereits angedroht hat der Proeuropäer, als EU-Kommissionspräsident andere Saiten mit den «störrischen» Schweizern aufziehen. Weber nervt sich ob dem Anspruch der Schweizer auf ihre Sonderrolle im Verhältnis zur EU, schreibt die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» (FAS). Er werde es nicht länger dulden, dass die Schweizer ständig gegen Brüssel stänkern, aber alle Vorteile geniessen wollen, sagte Weber auf einer Veranstaltung des CDU-Wirtschaftsrats.

«Wenn Schweizer auf dem Frankfurter Flughafen landen, stellen sie sich in die Schengen-Schlange und nicht zu den EU-Ausländern. Daheim schimpfen sie dann wieder auf die EU», wird Weber zudem zitiert. Webers Aussage dürfte in der Schweiz für Reaktionen sorgen.

Erinnerung an die Kavallerie

Denn sein Statement weckt Erinnerungen an Peer Steinbrück, den ehemaligen deutschen Finanzminister, der vor rund zehn Jahren deutsches Fluchtgeld zurück in die Kasse deutscher Bundesländer holen wollte. Anfang 2009 hatte er der Eidgenossenschaft verbal gedroht, die siebte Kavallerie auszuschicken, um sie zum Einlenken im Steuerstreit zu bewegen.

Die Schweizer Regierung goutierte Steinbrücks Verbalattacke überhaupt nicht. So hatte sich damals Bundesrat Ueli Maurer zu einem stillen Protest durchgerungen, als er seinen Dienstwagen der Marke Mercedes-Benz dem Wagenpark des Bundes zurückgegeben hatte und sich stattdessen mit einer französischen Limousine herumchauffieren liess. Tempi passati.

«Die Indianer müssen nur wissen, dass es die Kavallerie gibt»: Peer Steinbrück. Video: Youtube / troopymg

Künftig könnte Manfred Weber den Schweizer Politikern aufs Gemüt schlagen, obschon seine Absichten auch aus Sicht von EU-Kritikern nicht die schlechtesten sind: Er wolle «einen Aufbruch zu einem besseren, geeinteren und demokratischeren Europa», kündigte Weber an. «Es darf in der EU kein ‹Weiter so› geben. Europa ist keine Institution von Bürokraten und Eliten.» Er wolle «Europa zurück zu den Menschen» bringen.

nag

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