Mittel gegen die Angst

Die Bluttat von Würzburg erschüttert das bisher vermeintliche Sicherheitsgefühl – und zwingt Deutschland zum Handeln.

Dominique Eigenmann@eigenmannberlin

Im Vergleich zu Frankreich ist Deutschland bisher vom islamistischen Terror nahezu verschont geblieben. Dafür gibt es Gründe. Der wichtigste ist, dass die Milieus gewaltbereiter junger Muslime auf dieser Seite des Rheins erheblich kleiner sind als in Frankreich oder Belgien. Viele Deutsche befürchten jedoch schon länger, dass die Hunderttausende von Muslimen, die letztes Jahr aus dem Nahen und Mittleren Osten nach Deutschland geflüchtet sind, nun den Terror auch in ihr Land bringen. Und sei es nur, weil einzelne Radikale in der Anonymität des Stroms untergetaucht sind oder einzelne junge Männer sich in der Fremde verlieren und in der Gewalt wiederfinden.

Die brutale Attacke eines minderjährigen afghanischen Flüchtlings auf ahnungslose Zugpassagiere bei Würzburg wird diese Ängste nun mächtig nähren. Auch wenn der Angriff bei weitem nicht das Ausmass der Massaker in Frankreich angenommen hat, ist das Erschrecken real. Dieses Opfer in der S-Bahn hätte jeder von uns sein können.

Ob der Täter ein «Soldat» des Islamischen Staats war, wie die Terrormiliz behauptet, oder sich allein radikalisiert und nur auf den IS berufen hat, um seine Tat ideologisch zu überhöhen, müssen die Ermittlungen erst noch zeigen. Unabhängig davon wirkt die Bluttat längst und verströmt Angst. Wie soll man ihr begegnen?

Deutschland muss seine Polizei- und Sicherheitskräfte, die es in den vergangenen beiden Jahrzehnten kräftig abgebaut hat, wieder verstärken, um dem Gefühl der Unsicherheit entgegenzuwirken. Das ist bereits geplant, wird nun aber dringlich. Es muss sich mehr anstrengen, Menschen, die gefährlich werden könnten, zu entdecken und im Auge zu behalten. Es sollte sich bei aller Abscheu über den Terror von antimuslimischer Hysterie und Pauschalurteilen fernhalten, weil sie das Zusammenleben in Deutschland nachhaltig vergiften. Das Wichtigste aber: Deutschland muss alles dafür tun, um die Flüchtlinge von gestern in die Gesellschaft zu integrieren, so gut es nur geht. Dann werden die Bürger von morgen, von denen viele selber vor den IS-Schlächtern geflüchtet sind, eine Hilfe gegen den Terror sein – nicht eine Gefahr.

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