Mit dem Segen der Populisten zum König der RAI

Der Italo-Schweizer Marcello Foa soll Präsident des italienischen Radios und Fernsehens werden. Dabei verbreitete er selbst mehrmals «Fake News».

Freund von Lega-Chef Matteo Salvini: Marcello Foa, der designierte RAI-Direktor.

Freund von Lega-Chef Matteo Salvini: Marcello Foa, der designierte RAI-Direktor.

(Bild: Keystone)

Vincenzo Capodici@V_Capodici

«Salvini und Di Maio, was für ein Triumph!» Marcello Foa freute sich sehr in einem Blog-Beitrag, als die Lega und die Fünfsternebewegung Anfang März als Sieger aus den italienischen Parlamentswahlen hervorgegangen waren. Zudem äusserte der italienisch-schweizerische Medienmanager und Publizist grosses Lob für den umstrittenen Lega-Chef: «Salvini hat gezeigt, dass er kein gefährlicher Extremist ist, sondern ein echter politischer Leader.»

Foa hält Matteo Salvini nicht nur für einen fähigen Politiker. Er ist mit ihm sogar befreundet. Sein Sohn arbeitet im Medienteam des stellvertretenden italienischen Ministerpräsidenten Salvini – was allerdings nichts mit ihrer Freundschaft zu tun haben soll. Dank seiner Nähe zu Salvini hat Foa nun beste Chancen, einen der einflussreichsten Medienjobs Italiens zu bekommen: Er soll Präsident des öffentlich-rechtlichen Radios und Fernsehens (RAI) werden. Die RAI ist eine mächtige Medienanstalt mit Dutzenden Stationen und Programmen. Die RAI-Direktion wäre ein gewaltiger Karrieresprung für Foa, der Ende Monat 55 Jahre alt wird.

Journalist, Akademiker und Medienmanager

Foa wurde in Mailand geboren, wuchs aber in Lugano auf. Der Italiener mit Schweizer Bürgerrecht arbeitete in jungen Jahren für die rechtsfreisinnige «Gazzetta Ticinese» und den katholischen «Giornale del Popolo». 1989 wechselte er zur rechtsliberalen Mailänder Zeitung «Il Giornale», damals unter der Ägide der Journalistenlegende Indro Montanelli. Foa arbeitete dort als Korrespondent und Ausland-Vizechef. 2004 wechselte er ins akademische Fach: Er gründete in Lugano zusammen mit dem Medienwissenschaftler Stephan Russ-Mohl das «European Journalism Observatory» und dozierte an der Universität Lugano. Zuletzt wirkte Foa seit 2011 als Generaldirektor der Tessiner Mediengruppe um den «Corriere del Ticino». Jetzt gehts nach Rom.

Foas Aufstieg an die Spitze der RAI wird von Polemiken und Politspielchen begleitet. Im ersten Anlauf fiel Foa bei der parlamentarischen RAI-Aufsichtskommission in Rom durch: Die Abgeordneten von Silvio Berlusconis Forza Italia verweigerten ihm die Zustimmung, weil ihre Fraktion angeblich nicht konsultiert worden war. Es brauchte ein Treffen zwischen Salvini und Berlusconi und wohl politische Gegengeschäfte, um die Kandidatur von Foa wieder auf Kurs zu bringen. Nächste Woche dürfte die Aufsichtskommission grünes Licht geben für den neuen RAI-Präsidenten.

Sympathien für Putin und Bannon

Die meisten Oppositionsparteien und Medien Italiens äussern harsche Kritik an Foa. Wie sein Freund Salvini polemisiert der künftige RAI-Präsident in seinem Blog und auf Twitter gegen die EU und den Euro. Er kritisiert Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Er nimmt den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Schutz, etwa in der Skripal-Affäre, und gibt Interviews auf «Russia Today». Mehrmals verbreitete er «Fake News» aus der Küche des amerikanischen Verschwörungstheoretikers Alex Jones von «Infowars». Foa zeigt ausserdem Sympathien für den einstigen Trump-Berater Steve Bannon, den er einmal zusammen mit Salvini in Mailand getroffen haben soll.

Die Aufregung um seine Person versteht Foa nicht. Er bezeichnet sich selber als Liberalen. Und als RAI-Präsident will er sich für eine unabhängige Berichterstattung und Qualitätsjournalismus einsetzen. Allerdings: Lega und Fünfsternebewegung erwarten von Foa nichts anderes als eine «kulturelle Revolution» bei der RAI.

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