Merkel lehnt weiteren Schuldenschnitt für Athen ab

Sollte die deutsche Kanzlerin die Wiederwahl im Herbst schaffen, will sie an ihrem Sanierungskurs für Griechenland festhalten. Darin ist sich Angela Merkel mit ihrem Finanzminister Wolfgang Schäuble einig.

Angela Merkel wird in Griechenland auch künftig nicht viele Freunde haben: Protestplakat in Athen. (Archivbild)

Angela Merkel wird in Griechenland auch künftig nicht viele Freunde haben: Protestplakat in Athen. (Archivbild)

(Bild: Reuters)

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble haben einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland nach der Bundstagswahl im Herbst ausgeschlossen.

In einem Interview mit der «Märkischen Oderzeitung» und der «Südwest Presse» (Freitagausgabe) sagte Merkel auf eine entsprechende Frage: «Ich sehe das nicht.» Die Bundesregierung unterstütze Griechenland auf europäischer Ebene und begleite den schwierigen Umbauprozess mit bilateralen Initiativen.

Ähnlich hatte sich die Kanzlerin bereits in der vergangenen Woche geäussert. Ein zweiter Schuldenschnitt würde voraussichtlich Milliardenlasten für die eingesprungenen Euro-Partner und damit vor allem für den deutschen Steuerzahler bedeuten.

Schäuble ebenfalls dagegen

Auch Schäuble bekräftigte die ablehnende Haltung der Bundesregierung in dieser Frage. «Der Schuldenschnitt war eine einmalige Veranstaltung», sagte der Finanzminister der «Bild«-Zeitung vom Freitag laut Vorabbericht.

«Wer daran rüttelt, sollte wissen was er tut: Kein Investor würde dann noch in europäische Staatsanleihen zeichnen», warnte der CDU-Politiker. Die Euro-Finanzminister würden im nächsten Jahr aber eine «weitere Unterstützung» für Griechenland prüfen.

Die bisherigen Hilfen seien so angelegt, dass Griechenland seine Schulden am Ende wieder selbst bedienen könne, also spätestens im Jahr 2020, erklärte Schäuble. «Bis dahin muss die Regierung in Athen ihre Hausaufgaben machen, dass kann den Griechen niemand abnehmen.

Krise noch lange nicht überwunden

Merkel sieht die Krise in Europa noch lange nicht überwunden. Schwere Zeiten stünden bevor. «Ich habe immer gesagt, dass die Überwindung dieser Krise, die sich über viele Jahre des Fehlverhaltens aufgebaut hat, ein langwieriger schrittweiser Prozess ist», sagte die Bundeskanzlerin.

Wir sind in diesem Prozess schon ein gutes Stück vorangekommen. Wir haben es inzwischen geschafft, dass das Vertrauen der internationalen Investoren in den Euro wieder zurückgekehrt ist. Aber die Länder mit geringer Wettbewerbsfähigkeit müssen mit den unvermeidlichen Reformen und Strukturanpassungen eine schwere Zeit durchstehen.»

chk/sda

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