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Malala hält berührende Nobelrede

Malala ist als jüngste Friedensnobelpreisträgerin der Geschichte ausgezeichnet worden. In Ihrer Rede bewies sie auch Humor.

War in Oslo nicht allein: Malala zusammen mit ihren beiden Freundinnen. (9. Dezember 2014)
War in Oslo nicht allein: Malala zusammen mit ihren beiden Freundinnen. (9. Dezember 2014)
AP Photo
Die 17-Jährige hat einen Mordanschlag der Taliban überlebt und engagiert sich für die Bildung von Mädchen: Malala Yousafzai bei der Vergabe des Friedensnobelpreises in Oslo. (10. Dezember 2014)
Die 17-Jährige hat einen Mordanschlag der Taliban überlebt und engagiert sich für die Bildung von Mädchen: Malala Yousafzai bei der Vergabe des Friedensnobelpreises in Oslo. (10. Dezember 2014)
Suzanne Plunkett, Reuters
Störenfried: Ein Mann mit einer mexikanischen Fahne stürmt das Podest. (10. Dezember 2014)
Störenfried: Ein Mann mit einer mexikanischen Fahne stürmt das Podest. (10. Dezember 2014)
AP Photo/Matt Dunham, Keystone
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Als jüngste Preisträgerin der Geschichte hat die pakistanische Kinderrechtlerin Malala Yousafzai den Friedensnobelpreis in Oslo entgegengenommen. Sie sei sehr stolz, die erste Pakistani und die erste Jugendliche zu sein, die den Nobelpreis bekomme, sagte die 17-Jährige bei der Verleihung im Rathaus der norwegischen Hauptstadt.

«Ich bin ziemlich sicher, dass ich auch die erste Empfängerin des Friedensnobelpreises bin, die immer noch mit ihren jüngeren Brüdern streitet», scherzte Yousafzai. «Ich will, dass überall Frieden ist, aber meine Brüder und ich arbeiten noch daran.»

Die mit rund acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 1,2 Millionen Franken) dotierte Auszeichnung bekam der Teenager gemeinsam mit dem Inder Kailash Satyarthi. Er setzt sich in seiner Heimat gegen Kinderarbeit ein und hat laut der norwegischen Jury massgeblich zur Entwicklung von Kinderrechtskonventionen beigetragen.

«Es gibt keine grössere Gewalt als unseren Kindern ihre Träume zu verwehren», sagte der 60-Jährige, der Malala «Tochter» nennt.

Gestört wurde die Feier durch einen Mann, der die Bühne während der Preisübergabe mit einer Fahne stürmte, die norwegische Medien als die mexikanische Flagge identifiziert haben wollen. Sicherheitskräfte führten den Mann sofort ab.

Störenfried bei der Verleihung. (Video: Reuters)

Satyarthi und Yousafzai seien genau die Menschen, die Alfred Nobel in seinem Letzten Willen «Friedenschampions» nenne, sagte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Thorbjørn Jagland. Bewusst gehe der diesjährige Preis an einen älteren Mann und ein junges Mädchen, einen Inder und eine Pakistani, einen Hindu und eine Muslimin. Über Yousafzai sagte Jagland: «Ihr Mut ist nahezu unbeschreiblich.»

Die 17-Jährige selbst erklärte in ihrer berührenden Rede: «Mir ist aufgefallen, dass Menschen mich ganz unterschiedlich beschreiben.» Manche nennen sie «das Mädchen, das von den Taliban angeschossen wurde», andere nun Nobelpreisträgerin. «Soweit ich weiss, bin ich einfach nur eine engagierte und sture Person, die eine gute Ausbildung für alle Kinder, gleiche Rechte für Frauen und Frieden in jeder Ecke der Welt sehen will», sagte sie.

Yousafzai war mit ihrem Kampf für die Rechte von Mädchen und Frauen insbesondere auf Bildung weltberühmt geworden, nachdem ihr die Taliban vor zwei Jahren bei einem Anschlag ins Gesicht geschossen hatten.

«Ich hatte zwei Optionen, die eine war, zu schweigen und darauf zu warten, getötet zu werden. Und die zweite war, die Stimme zu erheben und dann getötet zu werden. Ich habe mich für die zweite entschieden», sagte sie.

Für Malala ist die Verleihung in Oslo der vorläufige Höhepunkt einer ganzen Reihe von Anerkennungen, die ihr zuteilwurden. So wurde das Mädchen, das heute mit ihrer Familie in Grossbritannien lebt, bereits im Weissen Haus in Washington, im Londoner Buckingham Palace und als Rednerin auf der Haupttribüne der Vereinten Nationen in New York empfangen und veröffentlichte trotz ihres jugendlichen Alters bereits eine Biografie.

Malalas Freundinnen

Malala war nicht allein, als sie in einem Schulbus in Pakistan wegen ihrer verwegenen Forderungen nach mehr Bildung für Mädchen von den Taliban angeschossen wurde. Neben der diesjährigen Friedensnobelpreisträgerin sassen an diesem Tag im Oktober 2012 auch zwei Schulfreundinnen. Auch sie trugen Schusswunden davon. Malala hat ihre Mädchen nicht vergessen. Ganz im Gegenteil: Die 17-Jährige hat sie stattdessen mit nach Oslo genommen.

Die 16-jährige Shazia Ramzan und die ein Jahr ältere Kainat Riaz posierten am Dienstag fröhlich für die Fotografen in der norwegischen Hauptstadt. Sie versicherten zugleich, dass sie das Ereignis in dem Schulbus für immer vereinen werde. Sie seien durch etwas verbunden, das sie «Mission Malala» nennen – damit meinen sie, sich mit Leuten rund um den Globus zu vereinen, die sicherstellen wollen, dass junge Mädchen die Chance bekommen zu studieren.

«Wenn du gebildet bist, hast du die Möglichkeit, alles zu tun», sagt Riaz. «Wenn du nicht gebildet bist, kannst du nichts tun.»

«Die Malala-Mission ist unsere Mission»

Ramzan und Riaz haben wie Malala bei der Taliban-Attacke am 8. Oktober 2012 schwere Schussverletzungen erlitten. Während Malala in ein britisches Krankenhaus geflogen wurde, um sich komplizierten Operationen zu unterziehen, blieben Ramzan und Riaz zurück. Die Polizei eskortierte sie nun zur Schule.

Die Mädchen studieren heute in Wales in den burgähnlichen Gemäuern des UWC Atlantic College. Beide wollen Ärztinnen werden.

«Die Malala-Mission ist unsere Mission. Sie ist meine Freundin», sagt Riaz. «Und sie hat uns inspiriert. So Gott will, werden wir sie immer unterstützen.»

«Unser Herz ist in Pakistan»

Ihre Zuneigung zueinander ist eindeutig. Wenn sich die Mädchen umarmen, blickt man in lächelnde und zufriedene Gesichter. Sie sehen aus wie Teenager, die zu 1000 Prozent sicher sind, dass sie alles Nötige zum Leben besitzen.

Ramzan und Riaz berichten, dass sie stolz seien, dass Malala ihre Stimme für junge Mädchen erhoben habe – auch wenn deshalb letztendlich auch auf sie geschossen wurde. Sie rufen das Volk Pakistans auf, für Bildung zu kämpfen. So sorgen sie für ein paar Tage in Norwegen, weit weg von allen Problemen ihrer Heimat, dafür, dass die Welt ein paar ihrer Blicke gen Pakistan richtet.

«Unser Herz ist in Pakistan», sagt so auch Ramzan. «Jeder (im Land) wird heute stolz auf Malala sein.»

SDA/ldc

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