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Macron wird ausgepfiffen, Le Pen gefeiert

Marine Le Pen zeigt sich als Frau des Volkes und besucht streikende Arbeiter im Norden Frankreichs. Damit stiehlt sie ihrem Kontrahenten die Show.

Grosser Andrang, Pfiffe und Rufe: Emmanuel Macron hatte keinen leichten Stand im nordfranzösischen Amiens. (Video: Tamedia/AFP)

Eineinhalb Wochen vor der entscheidenden Stichwahl um das Präsidentenamt in Frankreich setzt die Rechtspopulistin Marine Le Pen auf direkte Konfrontation mit ihrem Kontrahenten Emmanuel Macron.

Mit einem Überraschungsbesuch bei einer von der Schliessung bedrohten Fabrik in Nordfrankreich überrumpelte die 48-Jährige den als Favoriten gehandelten Macron. Während der frühere Wirtschaftsminister am Mittwoch in Amiens mit Gewerkschaftsvertretern über das Werk sprach, besuchte die Rechtspopulistin streikende Mitarbeiter. Als Macron daraufhin ebenfalls zu der Fabrik fuhr, wurde er mit Pfiffen und Rufen «Marine Présidente» empfangen. In der Menge standen nach Angaben von Reportern der Nachrichtenagentur AFP auch Mitarbeiter von Le Pens Partei Front National.

«Ich bin auf der Seite der Arbeiter», verkündete Le Pen vor dem Werkstor in der nordfranzösischen Stadt. Jeder wisse, dass Macron auf der Seite der Unternehmen stehe. Whirlpool hatte im Januar angekündigt, die Produktion von Wäschetrocknern aus Amiens nach Polen zu verlagern und das Werk mit derzeit 290 Arbeitern bis Juni 2018 zu schliessen.

Trifft nach Marine Le Pen bei den Streikenden ein – Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron. (Bild: EPA)
Trifft nach Marine Le Pen bei den Streikenden ein – Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron. (Bild: EPA)

Macron kritisiert falsche Versprechen

Wegen des grossen Medienandrangs kam Macron an die Arbeiter des Werks zunächst gar nicht heran. Zwischendurch griff er zu einem Megaphon, um sich verständlich zu machen. Später gelang es ihm, zu einer Gruppe von Whirlpool-Mitarbeitern zu sprechen. «Die Grenzen dichtzumachen ist keine Lösung», sagte Macron zu Le Pens Versprechen, die Wirtschaft des Landes gegen ausländische Einflüsse abzuschotten. «Man muss die Dinge in dieser Reihenfolge machen», sagte Macron weiter. Mit «Beschimpfungen und falschen Versprechungen» löse man kein einziges Problem des Landes. Es müsse ein Käufer für die Fabrik gefunden werden.

Die nordfranzösische Region Hauts-de-France, zu der Amiens gehört, zählt zu Le Pens Hochburgen. Die Arbeitslosigkeit ist überdurchschnittlich hoch, traditionelle Industriezweige wie der Bergbau wurden in der Vergangenheit geschlossen. Der parteilose, als sozialliberal einstufbare Macron gilt in Umfragen als klarer Favorit für die entscheidende Stichwahl um das Präsidentenamt am 7. Mai. Er hatte den ersten Wahlgang am Sonntag mit 24 Prozent gewonnen, Le Pen kam mit 21,3 Prozent auf den zweiten Platz.

Die Kandidatin des rechtsextremen Front National war gleich danach in die Offensive gegangen, um den Rückstand aufzuholen. Die EU-Gegnerin will aus dem Euroraum austreten und Frankreichs Wirtschaft mit Protektionismus abschirmen, Macron steht dagegen für eine pro-EU Linie.

SDA/kat

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