«Kuschel-Atmosphäre» bis «Was erlauben Strunz?»

Das TV-Duell von Angela Merkel und Martin Schulz sorgt im Netz für viel Diskussion – jedoch nicht über ernsthafte Themen. Einer der vier Moderatoren steht im Fokus.

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Moderator Claus Strunz hat während des TV-Duells von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz wegen Patzern im Netz viel Häme geerntet. Bis zum Ende der Sendung gab es auf Twitter mehrere Tausend Nachrichten zum Sat.1-Moderator.

Schon am Anfang der Live-Übertragung musste sich Strunz von Schulz korrigieren lassen: Er hatte den SPD-Chef mit einer Flüchtlingsaussage verkürzt zitiert. Später fragte Strunz Kanzlerin Merkel und Schulz, ob sie es gut fänden, dass die Fussball-WM 2022 in Katar stattfindet. «Echt jetzt, Strunz fragt wirklich nach der WM in Katar?», schrieb Linke-Parteichef Bernd Riexinger auf Twitter.

Ein anderer Twitter-Nutzer teilte ein kurzes Video des legendären Ausrasters des früheren Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni, der 1997 an die Adresse seines damaligen Spielers Thomas Strunz zeterte: «Was erlauben Strunz?»

Ironisch kommentierte Satiriker Jan Böhmermann: «Ich guck nur wegen Claus Strunz. #TVDuell». Der TV-Mann hat das Duell in mehreren Tweets verarbeitet oder es zumindest versucht:

«Das deutsche TV-Duell mitanzusehen war die deprimierendste politische Erfahrung meines Lebens. Und ich habe über den Brexit berichtet», beklagt sich etwa Jeremy Cliffe, Berlin-Korrespondent von «The Economist».

«Mehr Parallelslalom als Duell»

Das Format des TV-Duells im Bundestagswahlkampf hat sich aus Sicht eines Medienwissenschaftlers in seiner jetzigen Form überholt. Die Sendung sei leblos und frei von jeder Überraschung gewesen. Fast alle wichtigen Zukunftsfragen, vor denen Deutschland stehe, seien ausgeklammert worden. «Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass das Format TV-Duell an Haupt und Gliedern reformiert werden muss, dann wurde er in diesem Jahr endgültig geliefert», Bernd Gäbler, Professor für Journalistik aus Bielefeld, der Nachrichtenagentur dpa. «Die Sendung war mehr Parallelslalom als Duell», so Gäbler. «In diesem Nebeneinander demonstrierten die Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Herausforderer Martin Schulz inhaltlich eigentlich nur, dass eine grosse Koalition jederzeit wieder möglich ist.»

Der Journalistik-Professor kritisierte auch die Moderatoren der vier Sender ARD, ZDF, RTL und Sat 1: «Die viel zu zahlreichen Moderatoren traten in einen Überbietungswettbewerb, beide Politiker ausschliesslich mit Fragen zu traktieren, wie sie von rechts gestellt werden ... Der Wähler, um den es ja angeblich gehen soll, schaute im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre», sagte der Medienwissenschaftler. Er sei in die Rolle eines ungefragten Zuschauers gedrängt gewesen. «Der Appell an die übertragenden Sender kann nur lauten: So nicht noch einmal!»

(foa/sda)

Erstellt: 04.09.2017, 06:45 Uhr

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