Kunsthändlerin im Steuerparadies

«Offshore-Leaks»: Eine spanisch-schweizerische Kunstsammlerin soll Briefkastenfirmen in Steueroasen unterhalten haben. Sie bezahlte auf berühmte Kunstwerke keine Abgaben. Auch in der Schweiz nicht.

Steuerbefreit: Kunstsammlerin Carmen Thyssen-Bornemisza, hier bei der Beerdigung ihres verstorbenen Mannes, des Schweizers Hans-Heinrich Thyssen-Bornemisza. (6. Juni 2002)

Steuerbefreit: Kunstsammlerin Carmen Thyssen-Bornemisza, hier bei der Beerdigung ihres verstorbenen Mannes, des Schweizers Hans-Heinrich Thyssen-Bornemisza. (6. Juni 2002)

(Bild: Keystone)

Nach und nach liefern die Rechercheteams hinter dem «Offshore-Leaks»-Projekt Details zu Personen, die geheime Konten unterhalten sollen. Dabei zeigt sich: Sichere Steuerhäfen werden nicht nur von Politikern und Kriminellen genutzt, sondern auch von Kunsthändlern.

Die Investigativjournalisten beschreiben den Fall der spanisch-schweizerischen Kunstsammlerin Carmen Thyssen-Bornemisza, einer der einflussreichsten Frauen auf ihrem Gebiet. Thyssen-Bornemisza stellt in spanischen Museen Werke von Monet bis Matisse aus, die Dutzende von Millionen wert sind. Als wahre Eigentümer der Werke sollen allerdings Briefkastenfirmen und Stiftungen in Steuerparadiesen eingetragen sein. Die Kunstwerke sollen zudem weder in Spanien noch in der Schweiz besteuert worden sein.

Portcullis Trustnet als Vermittler

Thyssen-Bornemisza soll Teile ihrer Kollektion von internationalen Auktionshäusern wie Sotheby's und Christie's über eine Firma auf den Cook Islands erworben haben. Geholfen haben ihr dabei die Offshore-Spezialisten der Firma Portcullis Trustnet. Portcullis vertuschte alle Spuren unter Einbezug von Mittelsmännern in sechs verschiedenen Ländern.

Der Anwalt von Carmen Thyssen-Bornemisza verteidigt seine Klientin im Gespräch mit den Journalisten. Zwar gibt er zu, dass Thyssen-Bornemisza von den Steuervergünstigungen profitierte. Dies sei aber nicht der Beweggrund für die komplizierte Geschäftsstruktur gewesen: «Steuerhäfen geben ihr eine maximale Flexibilität, um Gemälde zwischen verschiedenen Ländern zu verschieben.» Diese Freiheit würden sich auch andere Kunstsammler zunutze machen.

Schweizer Stiftungsrecht genutzt

Der Anwalt erklärt weiter, dass seine Mandantin weder in Spanien noch in der Schweiz Vermögenssteuern bezahle. Einzig in den Ländern, wo sie die Kunstwerke ersteigert, würden Verkaufssteuern fällig. Die Steuerfreiheit in Spanien sei dank eines gesetzlichen Schlupflochs möglich. In der Schweiz deklariere Carmen Thyssen-Bornemisza zwar alle ihre Kunstwerke. Doch auch hier werde kein Rappen an Steuern fällig, da Kunstwerke, die im Besitz von Stiftungen seien, durch das schweizerische Recht steuerbefreit seien.

Das Schweizer Stiftungsrecht macht diesbezüglich tatsächlich keine bindenden Angaben. Demnach können Stiftungen, die öffentliche oder gemeinnützige Zwecke verfolgen, in den Status der Steuerfreiheit gelangen. Die Steuerbefreiung bedarf zwar eines Antrags, doch worin eine gemeinnützige Tätigkeit genau besteht, unterliegt einem breiten Ermessensspielraum. Gerade Kunststiftungen werden hier ausdrücklich als positive Beispiele erwähnt.

Ob Carmen Thyssen-Bornemisza ihre Kunstsammlung wirklich aus Flexibilitätsgründen auf Stiftungen in Steuerparadiesen übertrug, ist fraglich. Laut den Berechnungen der Journalisten habe die Sammlerin damit immerhin Steuerzahlungen in Millionenhöhe umgangen.

DerBund.ch/Newsnet

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