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Kirche schliesst Frieden mit Kopernikus

Fast ein halbes Jahrtausend nach seinem Tod hat die katholische Kirche die sterblichen Überreste des revolutionären Astronomen Nikolaus Kopernikus im Dom von Frombork in ein geweihtes Grab gebettet.

So dürfte er ausgesehen haben: Rekonstruktion des Gesichts von Nikolaus Kopernikus.
So dürfte er ausgesehen haben: Rekonstruktion des Gesichts von Nikolaus Kopernikus.
Keystone

Nikolaus Kopernikus' heliozentrisches Weltbild war von der Kirche jahrhundertelang als Ketzerei verdammt worden und der Astronom, der von von 1473 bis 1543 in Frombork (Frauenburg in Ostpreussen) lebte, im dortigen Dom in einem unmarkierten Grab beigesetzt worden - obwohl er dort als Domherr gewirkt hatte. Seine Gebeine wurden auf Initiative des Fromborker Bischofs Jacek Jezierski gesucht und identifiziert und am Samstag feierlich beigesetzt.

«Die heutige Beisetzung hat symbolischen Wert, weil sie eine Geste der Versöhnung zwischen Wissenschaft und Glauben ist», sagte Jezierski. «Wissenschaft und Glauben können miteinander versöhnt werden.»

Kopernikus hatte in der Abgeschiedenheit Ostpreussens im ausgehenden Mittelalter mit blossem Auge seine Theorie entwickelt, die das bis dahin geltende christliche Weltbild erschütterte: Nicht die Erde ist der Mittelpunkt des Universums, sondern sie dreht sich um die Sonne. Dass Erde und Menschheit nicht mehr das Zentrum des Universum sein sollten, verdammte die katholische Kirche als ketzerisch. Erst vor 18 Jahren, 1992, rehabilitierte der damalige Papst Johannes Paul II. den italienischen Astronomen Galileo Galilei, der für seine Weiterentwicklung der kopernikanischen Revolution von der Inquisition verfolgt wurde.

Suche nach Gebeinen vor sechs Jahren begonnen

Am Samstag wurden Kopernikus' sterbliche Überreste mit geweihtem Wasser besprengt und sein Sarg von einer Ehrengarde zur Ruhestätte in dem Dom getragen. Der Grabstein ist mit einer goldenen Sonne verziert, die von sechs Planeten umkreist wird. Der päpstliche Nuntius und gerade zum Primus der katholischen Kirche in Polen ernannte Jozef Kowalczyk wollte am Samstag noch eine Messe zu Ehren des Astronomen feiern.

Die Suche nach den Gebeinen Kopernikus' begann auf Initiative von Jezierski vor sechs Jahren. Schliesslich wurden der Schädel und Knochen eines etwa 70-jährigen Mannes in einem unmarkierten Grab gefunden. Mit gerichtsmedizinischen Untersuchungen und DNA-Analysen gelang der Nachweis, dass es sich mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit um die Überreste des Astronomen handelt.

ddp/vin

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