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Karadzic muss für Genozid 40 Jahre ins Gefängnis

Das UN-Tribunal hat sein Urteil gegen den Ex-Serbenführer Radovan Karadzic gefällt. Er wurde des Genozids in Srebrenica und diverser Kriegsverbrechen schuldig gesprochen.

Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic ist wegen Verbrechen während des Bosnienkriegs zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden.
Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic ist wegen Verbrechen während des Bosnienkriegs zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden.
Jerry Lampen, Reuters
Der 70-Jährige musste sich in elf Anklagepunkten verantworten, unter anderem wegen Völkermordes, Mordes und Vergewaltigung.
Der 70-Jährige musste sich in elf Anklagepunkten verantworten, unter anderem wegen Völkermordes, Mordes und Vergewaltigung.
Valerie Kuypers, Reuters
Radovan Karadzic als Serbenführer, als Wunderheiler Dragan Dabic sowie als Angeklagter und Verurteilter vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. (31. Juli 2008)
Radovan Karadzic als Serbenführer, als Wunderheiler Dragan Dabic sowie als Angeklagter und Verurteilter vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. (31. Juli 2008)
Keystone
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Der bosnische Serbenführer Radovan Karadzic will gegen seine Verurteilung wegen Völkermordes in Berufung gehen, wie sein Anwalt in Den Haag ankündigte. Das UNO-Kriegsverbrechertribunal hatte den 70-Jährigen zuvor war zu 40 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht in Den Haag befand Karadzic des Völkermordes im Zusammenhang mit dem Massaker von Srebrenica mit 8000 Toten für schuldig. Auch in neun weiteren von insgesamt elf Anklagepunkten sprachen ihn die UNO-Richter schuldig.

Er wurde verurteilt für schwere Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter Mord, Ausrottung, Deportationen, Terror, Vertreibung und Geiselnahme. Opfer waren bosnische Muslime und Kroaten. Karadzic wurde allerdings vom Anklagepunkt des Völkermordes in sieben bosnischen Gemeinden freigesprochen. Die dort von serbischen Einheiten begangenen Verbrechen waren nach Ansicht der Richter kein Völkermord.

Sondersitzung in Serbien

Die Regierung Serbiens will am Freitag zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um über das Urteil zu beraten, berichtete der TV-Sender B92 in Belgrad. Zuvor werde Regierungschef Aleksandar Vucic mit dem Patriarchen der Serbisch-Orthodoxen Kirche, Irinej, zusammenkommen. Die frühere Partei von Karadzic SDS kritisierte das Urteil in einer ersten Reaktion. Er hoffe, dass im Berufungsprozess «das Unrecht korrigiert wird», sagte ihr Vorsitzender Mladen Bosic in Sarajevo. «Karadzic wird in die Geschichte eingehen als einer der grössten Verbrecher», erwartete dagegen der sozialdemokratische Parteichef Nermin Niksic.

Der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte hat die Verurteilung von Radovan Karadzic für den Völkermord in Srebrenica begrüsst. «Dieses Urteil ist eine kräftige Manifestation des unerbittlichen Bekenntnisses der internationalen Gemeinschaft, Täter zur Verantwortung zu ziehen», erklärte Said Raad al-Hussein in Genf. Die Entscheidung des Gerichts sei von grosser Symbolkraft insbesondere für die Opfer der Kriege im einstigen Jugoslawien, aber auch für Opfer derartiger Verbrechen in anderen Teilen der Welt, erklärte Al-Hussein. Sie zeige den Tätern, dass sie der Gerechtigkeit nicht entgehen, egal für wie mächtig oder unberührbar sie sich halten mögen. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüsste die Verurteilung von Karadzic. In einer Mitteilung sprach Ban von einem «historischen Tag für die internationale Strafjustiz». Das Urteil sei «eine starke Botschaft an alle in verantwortlichen Positionen, dass sie für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden».

Karadzic hatte Oberbefehl

Unter Karadzics Oberbefehl stürmten serbische Truppen 1995 die UNO-Schutzzone im bosnischen Srebrenica und ermordeten 8000 muslimische Jungen und Männer. Das Massaker von Srebrenica gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Insgesamt wurden 100'000 Menschen im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 getötet.

Der einstige Präsident der selbst ernannten bosnischen Serbenrepublik war nach dem Krieg jahrelang untergetaucht und 2008 in Belgrad verhaftet worden. 2009 wurde in Den Haag der Prozess gegen ihn eröffnet. Karadzic bezeichnete sich selbst als unschuldig.

SDA/mch

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