Journalistenmord in der Slowakei war Auftragstat

70'000 Euro zahlte eine Dolmetscherin für die Ermordung von Reporter Jan Kuciak. Die Behörden in Bratislava glauben, die Täter gefasst zu haben.

Proteste: Die slowakische Bevölkerung geht nach dem Mord an Jan Kuciak und seiner Verlobten auf die Strasse.(16. März 2018)

Proteste: Die slowakische Bevölkerung geht nach dem Mord an Jan Kuciak und seiner Verlobten auf die Strasse.(16. März 2018)

(Bild: Keystone Darko Vojinovic)

Slowakische Ermittler sind sieben Monate nach dem Mord an einem Investigativjournalisten und seiner Verlobten davon überzeugt, die vier Schuldigen überführt zu haben. «Die Beweise sind sehr stark», sagte Generalstaatsanwalt Jaromir Ciznar am Montag vor Journalisten in Bratislava.

Der 27-jährige Journalist Jan Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren am 21. Februar in ihrem Haus im westslowakischen Dorf Velka Maca erschossen worden. Kuciak hatte zuvor über die Verfilzung von Politik und Geschäftemacherei recherchiert.

Unter anderem habe man bei den Verhafteten Munition beschlagnahmt, die mit jener der Mordtat übereinstimme, sagte Polizeipräsident Milan Lucansky. Bei den bereits am Donnerstag verhafteten drei Männern handelt es sich demnach um den mutmasslichen Mörder, seinen Fahrer und einen Verbindungsmann zur Auftraggeberin.

Bilder: Jan Kuciak brutal ermordet

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Die am Freitag verhaftete Italienisch-Übersetzerin Alena Z. habe persönlich den Mordauftrag erteilt und dafür 70'000 Euro als Belohnung gezahlt, sagte der für den Fall zuständige Sonderstaatsanwalt, der aus Sicherheitsgründen anonym blieb und nicht gefilmt werden durfte.

Unvollendete Reportage

Seine unvollendete Reportage über mögliche Verbindungen italienischer Mafia-Clans zu slowakischen Regierungsmitarbeitern wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht. Sie löste Massendemonstrationen gegen Korruption und den Missbrauch von EU-Förderungen aus. Als Folge der Proteste traten die Regierung und der Polizeipräsident zurück.

Video: Slowakischer Innenminister tritt nach Journalistenmord zurück

Filz: Der Mord an Jan Kuciak zieht weite Kreise in der Slowakei. (Video: Reuters)

Die Ermittler wollten keine Angaben dazu machen, ob die verhaftete 44 Jahre alte Frau von bisher nicht bekannten Hintermännern vorgeschoben wurde, weil diese sich durch Kuciaks Recherchen gefährdet fühlten.

Kritik an Politikern

Spuren zu italienischen wie auch albanischen Mafiagruppen wollten die Ermittler weder bestätigen noch ausschliessen. Die Bekanntgabe zu vieler Details könne die weitere Beweisführung erschweren, sagte Generalstaatsanwalt Ciznar. Er kritisierte Politiker, die seit Monaten Druck auf die Ermittlungen ausgeübt und diese dadurch behindert hätten.

Detailinformationen erhoffen die Ermittler sich vom Verbindungsmann Zoltan A.. Dieser zeige sich als einziger der vier Verhafteten kooperativ und habe auch als einziger keine Beschwerde gegen seine von einem Gericht verfügte Haft eingelegt, hiess es. Ausser Zweifel steht nach Worten der Ermittler, dass Kuciak das alleinige Mordziel gewesen sei. Seine Partnerin Kusnirova sei als «Zufallsopfer» erschossen worden, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen sei, sagte der Sonderstaatsanwalt. Das Paar habe bereits die Hochzeit im Frühjahr geplant.

fal/sda

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