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IWF belohnt reformwillige Griechen

Nach dem Schuldenschnitt die Finanzspritze vom IWF: Griechenland wird für seine Sparbemühungen weiterhin belohnt. Der Preis, den die Bürger dafür bezahlen, ist allerdings hoch.

Die Sanierung geht weiter: Ein Schiff legt von der griechischen Insel Ios ab.
Die Sanierung geht weiter: Ein Schiff legt von der griechischen Insel Ios ab.
Reuters

Die Rettung Griechenlands vor dem finanziellen Kollaps kommt weiter voran. Nach dem historischen Schuldenschnitt genehmigte der Internationale Währungsfonds (IWF) am Donnerstag Finanzhilfen über 28 Milliarden Euro für das klamme Land und sagte die sofortige Auszahlung von 1,65 Milliarden Euro zu.

Bereits im Jahr 2014 könnte die Wirtschaft Griechenlands nach Schätzung des IWF wieder wachsen. Das Bruttoinlandsprodukt könne dann um 2,5 Prozent zulegen, erklärte der Währungsfonds heute. Für das laufende Jahr rechnet der IWF den Angaben zufolge mit einem Rückgang der griechischen Wirtschaftsleistung um 4,8 Prozent, für das kommende Jahr erwartet er ein Nullwachstum. Im Jahr 2011 war die griechische Wirtschaft um 6,9 Prozent geschrumpft.

Monatelange Zitterpartie endet

Die EU-Task-Force zur Überwachung der griechischen Reformen attestierte dem Land gleichzeitig Fortschritte - etwa beim Eintreiben von Steuern. Dass es sich bei der Sanierung um eine wahre Herkules-Aufgabe handelt, belegte jedoch ein weiterer Rekordstand der Arbeitslosenquote von 20,7 Prozent.

Auch die politische Unsicherheit hält vor den noch im Frühjahr geplanten Neuwahlen an: Eine absolute Mehrheit der beiden reformwilligen Regierungsparteien liegt einer Umfrage zufolge in weiter Ferne.

Die IWF-Gelder sind Teil der Hilfen, die der Fonds dem Land gemeinsam mit EU und EZB zur Verfügung stellt. Mit der Zustimmung endet eine monatelange Zitterpartie, bei der sich Griechenland zu weiteren schmerzhaften Einschnitten verpflichten und den Schuldenschnitt über die Bühne bringen musste.

Verwaltungsreform kommt voran

Der Einsatz der EU für eine Verwaltungsreform trägt erste Früchte. «Es gibt einige sehr positive Entwicklungen», sagte der Chef der EU-Task-Force, Horst Reichenbach in Athen. Neben den besseren Steuer-Einnahmen würden auch EU-Fördermittel inzwischen rascher für wachstumsfördernde Projekte genutzt, wie es im zweiten Bericht der Arbeitsgruppe heisst.

Von den schätzungsweise insgesamt 60 Milliarden Euro Steuerschulden machten die Finanzbeamten acht Milliarden Euro aus, die tatsächlich eingetrieben werden können. Im vergangenen Jahr holten sie knapp eine Milliarden Euro ein und übertrafen die Zielmarke von 400 Millionen Euro damit deutlich.

Auch der Abschluss von Gerichtsverfahren gegen Steuerhinterziehung wurde beschleunigt. Reichenbach sagte, eine grosse Schwachstelle sei weiterhin die überbordende Bürokratie, die Unternehmen das Leben schwer mache.

Drastischer Anstieg der Arbeitslosigkeit

Angesichts des drastischen Anstiegs der Arbeitslosen - fast 40 Prozent der 15- bis 29-Jährigen sind mittlerweile ohne Job - stösst der rigide Sparkurs der führenden Parteien bei den Wählern auf wenig Gegenliebe.

Gut eineinhalb Monate vor der Parlamentswahl sind die konservative Neue Demokratie und die sozialistische Pasok einer neuen Umfrage zufolge mit zusammen 36,5 Prozent von einer absoluten Mehrheit weit entfernt. Damit wächst die Sorge, dass Griechenland nach der Wahl von einer Koalition regiert wird, die sich nicht zwangsläufig an die Absprachen mit den internationalen Geldgebern gebunden fühlt.

SDA/fko

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