Im Visier der Faschisten

Die Römer Zeitung «La Repubblica» wird von Neofaschisten bedroht – mit Petarden und Propaganda.

Mitglieder der neofaschistischen Parten Forza Nuova protestieren vor dem Redaktionsgebäude der Zeitung «La Repubblica». Bild: Keystone

Mitglieder der neofaschistischen Parten Forza Nuova protestieren vor dem Redaktionsgebäude der Zeitung «La Repubblica». Bild: Keystone

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Es ist gar nicht so einfach, sich dem Redaktionshaus von «La Repubblica» im Süden Roms zu nähern. Die Zugangsschranken öffnen sich nur, wenn der Portier aufschliesst. Einem Dutzend Neofaschisten ist es jedoch gelungen, in den Innenhof vorzudringen. Die Reporter filmten sie aus den Redaktionsfenstern. Und so wurden die Italiener erneut Zeugen einer Einschüchterungsaktion der rechtsextremen Szene, wie sie sich derzeit häufen im Land.

13 Mitglieder der kleinen neofaschistischen Partei Forza Nuova traten mit Rauchpetarden und Brandfackeln auf, wie man sie aus dem Fussballstadion kennt. Sie wedelten damit, dann warfen sie zwei Fackeln gegen die Fassade, was hätte gefährlich sein können, doch passiert ist nichts. Ihre Gesichter hatten die Eindringlinge mit Masken verdeckt. Auf einem Transparent riefen sie zum Boykott der Zeitung und des Nachrichtenmagazins «L’Espresso» auf, das zur selben Verlagsgruppe gehört. Einer trug ein Megafon und sprach wirres Zeug, das er von einem Traktat ablas.

Kaum war die Aktion vorüber, erschien auf Facebook ein Post, in dem es hiess, das sei nur der erste «Kriegsakt» gewesen: «Ihr werdet keine Ruhe mehr haben.» Der linksliberalen Zeitung, gegründet 1976, wird darin vorgeworfen, sie trage mit ihrer weltoffenen Haltung und mit ihren Kampagnen für die Rechte von Ausländern dazu bei, dass Italiens Volk «ausgewechselt» werde – wörtlich ist von «ethnischer Ersetzung» und von «Immigrationismus» die Rede. Erst vor einigen Tagen hatte ein Video aus Como für Aufsehen gesorgt, in dem man eine Gruppe von Skinheads sieht, die Flüchtlingshelfer bei einer Sitzung stören und ihnen Verrat am italienischen Volk vorwerfen. Selbst die Wortwahl war ähnlich.

Landesweit publik wurde das Video aus Como nur, weil «Repubblica» es auf ihre Website gestellt hatte. Seither diskutieren die Italiener darüber, ob solche Aktionen Teil eines grösseren Phänomens seien – Beispiele für ein «Wiederaufflammen des Faschismus», wie Mario Calabresi, Chefredaktor von «La Repubblica», es nennt. «Wir sind nicht besorgt um unsere Zeitung», sagte er, «wir sind besorgt um das Klima im Land.»

Übertrieben?

Kein anderes Blatt warnt eindringlicher, und das schon seit Monaten. Rechte Zeitungen und Parteien warfen der «Repubblica» vor, sie übertreibe die Gefahr. Es hiess gar, sie schüre das Phänomen mit ihrer angeblich aufgeregten Berichterstattung. Nun, nach dem Fackelmarsch der Neofaschisten, zeigen sich alle solidarisch. Sogar Matteo Salvini, der Chef der rechtspopulistischen Lega Nord, meldete sich mit einem Tweet – als Letzter, nach allen anderen Parteichefs, dem Staatspräsidenten, dem Premierminister, dem Justiz- und dem Innenminister. «Ich drücke den Journalisten der ‹Repubblica› meine Solidarität aus», schrieb Salvini, «der Parteilichkeit der Zeitung antworte ich mit Ideen und Vorschlägen, nicht mit Nebelkerzen und Drohungen.» Die Aktion der Skinheads in Como hatte er noch «eine Posse» genannt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.12.2017, 20:08 Uhr

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