«Ich hole Putin an Bord, und wir verhelfen Donald zur Wahl»

Felix Sater und Michael Cohen: Zwei Freunde schmiedeten für Donald Trump bis weit in den Wahlkampf an einem Millionendeal in Moskau.

Trumps Ex-Anwalt gesteht Lügen zur Russland-Affäre: Cohen beim Verlassen des Gerichts – und der Medienrummel, der ihn begleitet. (29. November 2018) Video: AFP

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November 2015. Barack Obama sitzt im Weissen Haus. Der exzentrische TV-Star und Immobilienmogul Donald Trump hat bereits angekündigt, dass er der republikanische Präsidentschaftskandidat werden will – aber Analysten nehmen ihn nicht wirklich ernst.

Parallel zu seiner Präsidentschaftskandidatur verfolgen Trumps Leute in Russland weiterhin ein jahrzehntelanges Projekt: ein Hochhaus in Moskau mit Trumps Namen. Trumps persönlicher Anwalt und langjähriger Vertrauter Michael Cohen erhält am 3. November 2015 eine E-Mail von seinem Schulfreund, Felix Sater, der seine Kontakte und sich selbst als Schlüsselperson für das Projekt anpreist:

«Ich werde Putin an Bord holen, und wir werden Donald zur Wahl verhelfen. Wir wissen beide, dass niemand [ausser ich] das bewerkstelligen könnte – ohne Dummheiten oder Geiz. Ich weiss, wie das Spiel läuft, wir werden das schaffen. Unser Mann kann US-Präsident werden, Kumpel, und wir können es einfädeln. Ich mache klar, dass Putins ganzes Team mitmacht, und ich werde den Prozess handhaben.»
(Quelle: «New York Times»)

Sater denkt, Trump könnte aus einem Trump-Tower in Moskau erheblichen politischen Nutzen ziehen. Mit Putins Zustimmung zum Projekt hätte Trumps Kampagne wohl die «Wahl im Sack». «Der schwierigste Kontrahent der USA würde zustimmen, dass Trump ein guter Verhandlungspartner ist.» Das würde das Image des vermeintlichen Verhandlungskünstlers Trump stärken, ist sich Sater sicher.

Es wäre die Kulmination von Saters jahrelangen Bemühungen: Bereits in den 2000er-Jahren hatte er in Russland Geschäfte gemacht – zum Teil mit einer Visitenkarte der Trump Organization, die ihn als «Senior Advisor» (ranghoher Berater) von Donald Trump identifizierte. Auf einer seiner Reisen wurde er von Donald Trump Jr. und Ivanka Trump begleitet. In seinen E-Mails an Cohen prahlte Sater später, er habe dafür gesorgt, «dass Ivanka auf dem privaten Stuhl an Putins Schreibtisch im Kreml sitzt».

Donald Trump spricht seit Jahrzehnten von einem «Trump-Tower» in Moskau: Ein Blick auf die Skyline des Geschäftszentrums in Moskau. (Symbolbild: Reuters)

Das nötige Geld für den Trump-Tower könnte von Russlands Staatsbank VTB aufgebracht werden, so Sater weiter. Eine Bank also, die von den USA im Rahmen der russischen Invasion der Ukraine mit Sanktionen belegt wurde und gemäss dem Russland-Kenner Luke Harding Verbindungen zu russischen Geheimdiensten hat.

Cohen kontaktiert Putins Pressesekretär

Doch einige Monate später scheint das Projekt trotz eines Absichtsbriefs zu scheitern, wie «Guardian»-Journalist Harding in seinem Buch «Collusion» nachzeichnet. Cohen reagiert im Januar 2016 mit einem kühnen Schritt–und schreibt eine E-Mail direkt an Putins Pressesekretär, Dmitri Peskow. Die Kommunikation sei abgerissen und «weil dieses Projekt zu wichtig ist, bitte ich Sie um Hilfe», so Cohen. «Ich bitte Sie höflich, mich zu kontaktieren, sodass ich die Details besprechen und Treffen mit den entsprechenden Personen organisieren könnte.» Was Cohen wohl nicht wusste: Gemäss dem «Dossier» von Christopher Steele war Peskow bereits in den US-Wahlkampf involviert: Er soll für die Schmutzkampagne gegen Hillary Clinton verantwortlich gewesen sein.

Mehr als ein Jahr später wird Cohen den Ermittlern des US-Kongresses sagen, er könne sich an keine Antwort von Peskow erinnern und habe keine weiteren Kontakte in den Kreml gehabt. Das Trump-Tower-Projekt sei einen leisen Tod gestorben. Cohen habe Trump dreimal über das Projekt informiert.

Und Saters E-Mails? Schlichte «Prahlerei» und Verkaufsrhetorik, nichts weiter. Auch Saters selbst wird die E-Mails in einem Interview mit CNN im März 2018 ähnlich erklären. «Ich würde nie mit einer fremden Regierung gegen unser Land agieren», so Sater.

Die Anspielung auf Putin erklärt Sater so: «Für ein so grosses Gebäude–ich stellte mir das höchste Hochhaus Europas vor–hätten wir Kapital von Regierungen und Finanzinstitutionen gebraucht.» Er habe aber keinen bestehenden Kontakt mit der russischen Regierung gehabt. Bloss wenn es mit dem Projekt weitergegangen wäre, hätte er den Höhrer in die Hand genommen.

Cohen gibt zu, gelogen zu haben

November 2018. Cohen gibt vor Gericht zu, dass er den US-Kongress angelogen hat. Er habe häufiger Kontakte nach Russland gehabt und Trump öfter über den aktuellen Stand der Projekts informiert. Cohen räumte ein, seine Bemühungen dauerten bis ungefähr Juni 2016–als Trump die republikanische Nomination bereits gewonnen hatte.

Cohen räumte ausserdem ein, mit Peskows Assistentin telefoniert zu haben. Er habe um Hilfe dabei gebeten, Bauland zu bekommen und den Bau zu finanzieren. Auch soll Peskow Cohen zu einer Konferenz in St. Petersburg eingeladen haben, mit dem Angebot, dort möglicherweise Putin zu treffen. Eine weitere Reise nach Russland wurde diskutiert, aber weder Cohen noch Trump seien die Reisen je angetreten.

Cohen erklärte, er habe aus Loyalität zu Trump gelogen, damit seine Aussage zur politischen Botschaft Trumps passt – der geschäftliche oder politische Beziehungen zu Russland wiederholt bestritten hatte. Zum Beispiel als er dem Sender CBS sagte, er habe «mit Russland nichts zu tun». Nun machte Trump einen Schwenker. Auf Twitter schrieb der US-Präsident, er habe während des Wahlkampfs «sehr legal & sehr cool» sein Unternehmen weitergeführt – für das Projekt «irgendwo in Russland» habe er weder Gelder noch «Garantien» beschafft.

(Mit einzelnen Auszügen der Nachrichtenagentur SDA zu Cohens Geständnis.) (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 30.11.2018, 10:45 Uhr

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