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Guttenberg gibt seinen Doktortitel ab

Der deutsche Verteidigungsminister hat an einer Wahlveranstaltung Fehler zugegeben. Bis zu 70 Prozent seiner Dissertation soll er plagiiert haben, heisst es auf der Internetseite «Guttenplag-Wiki».

Verwaltungsgerichte gingen schon in weniger schweren Fällen von vorsätzlichem Handeln aus: Karl-Theodor zu Guttenberg bei seiner Rücktrittserklärung am 1. März.
Verwaltungsgerichte gingen schon in weniger schweren Fällen von vorsätzlichem Handeln aus: Karl-Theodor zu Guttenberg bei seiner Rücktrittserklärung am 1. März.
Reuters
Die Plagiatsaffäre hat ihn in die Knie gezwungen.
Die Plagiatsaffäre hat ihn in die Knie gezwungen.
Reuters
Guttenberg als DJ bei einem Fest der Jungen Union Bayern.
Guttenberg als DJ bei einem Fest der Jungen Union Bayern.
Keystone
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Der wegen Plagiatsvorwürfen unter Druck stehende deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will dauerhaft auf seinen Doktortitel verzichten. Er bat die Universität Bayreuth darum, ihm den Doktortitel abzuerkennen.

Guttenberg habe der Uni einen Brief zugeleitet und darin um die Rücknahme des Titels gebeten, sagte ein Universitätssprecher auf Anfrage. Guttenberg habe dies mit dem Hinweis auf «gravierende handwerkliche Fehler» getan, die er bei nochmaliger Durchsicht seiner Dissertation festgestellt habe.

Guttenberg will Schaden von der Universität abwenden

«Ich habe mich am Wochenende nochmals mit meiner Doktorarbeit beschäftigt und es war richtig, dass ich gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht mehr führen werde», sagte Guttenberg bei einer Wahlveranstaltung im hessischen Kelkheim bei Frankfurt. «Die Entscheidung, den Doktortitel nicht zu führen, schmerzt.»

Er wolle mit seiner Entscheidung auch dazu beitragen, dass sein ehemaliger Doktorvater und seine frühere Universität keinen Schaden nähmen, erklärte Guttenberg.

Bundeskanzlerin Merkel hatte erstmals angedeutet, dass sie an dem Minister auch dann festhalten würde, wenn ihm der Doktortitel aberkannt würde. Für sie sei allein seine Arbeit als Minister entscheidend, und die mache er hervorragend. Sie habe ihn nicht als wissenschaftlichen Assistenten oder Inhaber eines Doktortitels berufen.

Ich habe nicht bewusst Fehler gemacht

Guttenberg räumte erneut Fehler ein: «Ich habe Fehler gemacht, ich habe sie nicht bewusst gemacht», sagte der Verteidigungsminister. Auch «Peinliches» sei dabei passiert, gab er zu und verwies auf nicht ausgewiesene Zitate aus der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» in der Einleitung seiner Promotionsarbeit. «In der mir abgesprochenen Demut entschuldige ich mich bei allen, die ich verletzt habe», sagte Guttenberg.

Er habe sechs bis sieben Jahre an seiner Promotion geschrieben, sagte der Politiker und fügte hinzu: «Möglicherweise habe ich an ein oder anderer Stelle den Überblick über die Quellen verloren.» Jedoch habe er die Arbeit selbst verfasst. «Daher stehe ich auch zu dem Blödsinn darin», bekräftigte er. Rücktrittsforderungen wies der Verteidigungsminister allerdings zurück.

Neue Plagiats-Vorwürfe

Derweil enthüllte «Focus Online» neue Plagiatsvorwürfe: Guttenberg soll demnach für seine Dissertation auch eine Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags vom 25. Oktober 2005 kopiert haben. Das Gutachten trage den Titel: «Die Rolle der USA im europäischen Einigungsprozess bis zum Ende des Ost-West-Konflikts».

Guttenberg habe auf den Seiten 199 bis 214 seiner veröffentlichten Dissertation die Sätze des Wissenschaftlers bis auf marginale Änderungen wörtlich übernommen, meldete «Focus Online». Der CSU-Politiker nenne nur in einer Fussnote die Wissenschaftlichen Dienste als Impulsgeber, der Name des Autoren tauche nicht auf. Zuvor hatte bereits der «Spiegel» gemeldet, Guttenberg habe wesentliche Teile einer anderen Arbeit der Bundestagswissenschaftler in seine Doktorarbeit übernommen.

Die Internet-Datenbank GuttenPlag listet inzwischen über 360 Fundstellen aus Guttenbergs Doktorarbeit auf, die nicht korrekt zitiert worden sein sollen. Auf insgesamt 271 der 475 Seiten der Dissertation seien Plagiate entdeckt worden, erklärten die Autoren der Datenbank.

SDA/miw

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