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Grillos Massenheer macht Berlusconi Angst

Gestern herrschte in Mailand Ausnahmezustand: Zehntausende Sympathisanten des Komikers Beppe Grillo versammelten sich auf dem Domplatz. Berlusconi und Monti sind kurz vor den Wahlen beunruhigt.

Wachsende Bewegung: Zehntausende Grillo-Fans auch in Turin. (16. Februar 2012)
Wachsende Bewegung: Zehntausende Grillo-Fans auch in Turin. (16. Februar 2012)
Reuters

Die Bewegung «Fünf Sterne» des italienischen Komikers Beppe Grillo hat gestern Abend in Mailand Zehntausende Sympathisanten angelockt. Der wachsende Zulauf zu den Kundgebungen der Protestbewegung wenige Tage vor den Parlamentswahlen beunruhigt die Parteien in Rom.

80'000 Menschen versammelten sich laut Grillos Bewegung aus dem Domplatz, laut der Polizei waren es 35'000. «Politiker, ihr müsst kapitulieren! Geht endlich, solange es noch möglich ist», betonte Grillo. «Tsunami-Tour» nennt er seine Wahlkampf-Rundreise durch ganz Italien.

Gefährliche Konkurrenz

Der Komiker mit ungebändigtem grauem Haarschopf und Vollbart ist in diesem Wahlkampf nie im Fernsehen aufgetreten und wirbt auf den «Piazze» um die Gunst der von der Politik enttäuschten Italienern. Grillo wird inzwischen von allen Schwergewichten des Wahlkampfes als gefährliche Konkurrenz betrachtet.

Der Mailänder «Corriere della Sera» meinte: «Grillo macht den Parteien Angst.» Grillos 2009 gegründete Bewegung gewann 2012 die Bürgermeisterwahl in Parma, wurde Siziliens stärkste Regionalpartei und bekam immer mehr Zulauf.

Sorgen allenthalben

Kein Wunder, dass sich Medienzar Silvio Berlusconi Sorgen macht. Der Chef der Mitte-Rechts-Koalition teilte für den Starkomiker harte Hiebe aus. «Mit Grillo wird eine Bande von Hitzköpfen ins Parlament einziehen, die es balkanisieren werden. Ihnen das Ruder des Landes anzuvertrauen, ist, als würde man einem dreijährigen Kind einen Computer überlassen», erklärte Berlusconi.

«Sollten die Populisten gewinnen, dann beginnt in Italien ein wahres Martyrium», warnte Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo, der für eine Wahl des bisherigen Ministerpräsidenten Mario Monti kämpft. Sollten sich die Populisten durchsetzen und nicht die Reformer, dann drohten dem Land «Chaos und Unregierbarkeit», sagte Montezemolo der Zeitung «Il Gazzettino».

Auch Monti selbst spart nicht mit Kritik an Grillo. «Mit ihm zu regieren, wäre schwierig», meinte der scheidende Premier. Er lotet weiterhin mögliche Koalitionen nach der Wahl aus, denn sein Parteienbündnis der Mitte kann nach den letzten Umfragen lediglich mit 10 bis 15 Prozent der Stimmen rechnen

Grillo kann bei den Wahlen am 24. und 25. Februar demnach mit bis zu 20 Prozent der Stimmen rechnen. Er könnte sogar nach der Mitte-Links-Kraft Demokratische Partei (PD) um Pierluigi Bersani zur zweitstärksten Einzelpartei im Parlament avancieren.

SDA/bru

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