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Griechenland bereitet sich auf die Wende vor

Die Griechen wählen am Sonntag. Ein Sieg der Linken gilt als sicher. Eine Frage sorgt dennoch für Spannung.

«Der grösste Teil des nominalen Wertes der öffentlichen Schulden muss abgeschrieben werden», fordert der Anführer des Linksbündnisses Syriza: Alexis Tsipras in Athen. (19. Juni 2014)
«Der grösste Teil des nominalen Wertes der öffentlichen Schulden muss abgeschrieben werden», fordert der Anführer des Linksbündnisses Syriza: Alexis Tsipras in Athen. (19. Juni 2014)
Yorgos Karahalis, Reuters
Viele Griechen liebäugeln mit der Wahl des Linksbündnisses Syriza, das unter anderem einen Schuldenerlass fordert:  Polizisten halten demonstrierende Lehrer vom Eingang des Bildungsministeriums in Athen fern. (4. April 2014)
Viele Griechen liebäugeln mit der Wahl des Linksbündnisses Syriza, das unter anderem einen Schuldenerlass fordert: Polizisten halten demonstrierende Lehrer vom Eingang des Bildungsministeriums in Athen fern. (4. April 2014)
Kostas Tsironis, Keystone
Er vermochte zuletzt nicht, die gegensätzlichen Ansprüche miteinander zu vereinen: Premierminister Antonis Samaras.
Er vermochte zuletzt nicht, die gegensätzlichen Ansprüche miteinander zu vereinen: Premierminister Antonis Samaras.
Keystone
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Nach fast fünf Jahren mit in Friedenszeiten noch nie dagewesenen Entbehrungen müssen die Griechen am Sonntag entscheiden, wie es in ihrem Land weitergehen soll: Soll der amtierende konservative Premier Antonis Samaras die Chance bekommen, seine Politik zu Ende zu führen, oder soll der Vorsitzende des Linksbündnisses (Syriza) Alexis Tsipras das Steuer übernehmen?

22 Parteien und Parteibündnisse treten zur Parlamentswahl an, Umfragen zufolge haben acht Parteien die Chance, die Drei-Prozent-Hürde zu überspringen und ins Parlament einzuziehen (siehe Box). Geredet wird in den Tagen vor dem Wahl vor allem von zwei Parteien.

Das Linksbündnis von Alexis Tsipras führt in allen Umfragen mit einem Vorsprung von rund drei Prozentpunkten vor der Nea Dimokratia (ND) von Regierungschef Samaras. Ein Sieg der Linken gilt daher als so gut wie sicher. Die Frage, die sich viele Beobachter stellen, lautet: Bekommt Tsipras die absolute Mehrheit oder wird er auf einen Koalitionspartner angewiesen sein – und seine Politik mässigen müssen?

Politische «Hooligans»

Selbst konservative Zeitungen bereiten ihre Leser seit Tagen auf eine Wende vor. In den Blättern ist von einer «historischen Chance für die Linke» die Rede. Kommentatoren werfen die Frage auf, ob die Linke sie richtig nutzen wird oder das Land in eine noch tiefere Krise stürzt.

Tsipras wirft Samaras politischen «Verrat» vor, weil er das Spardiktat aus Brüssel und Berlin ohne Bedenken in die Tat umgesetzt und damit das Volk in die Verelendung geführt habe. Samaras kontert, Tsipras und seine Partei seien politische «Hooligans», die eine geheime Agenda hätten und die Mittelklasse auslöschen wollten.

Schuldenschnitt als wichtigstes Ziel

Tsipras verspricht den Griechen Entlastung: Renten sollen erhöht, Privatisierungen gestoppt werden. Entlassene Staatsbedienstete sollen in ihren alten Job zurückkehren. Fast zwölf Milliarden Euro will Tsipras dafür ausgeben.

Sein wichtigstes Ziel aber ist ein Schuldenschnitt, der nach seiner Vorstellung von einer internationalen Konferenz abgesegnet werden soll. Zudem will Tsipras eine Allianz der Südländer Europas schmieden, um der Sparpolitik der Union ein Ende zu bereiten.

Samaras meint hingegen, Frontalzusammenstösse mit der EU könne sich Griechenland nicht leisten. Athen könne sich nicht Geld leihen und dann den Gläubigern sagen: «Ich zahle nicht.» So gehe man in Europa nicht miteinander um, sagt der konservative Regierungschef immer wieder.

Grenze überschritten

Samaras weiss aber auch, dass die Geduld der Griechen längst eine Grenze überschritten hat. Jeder zweite junge Mensch ist ohne Job. Die Arbeitslosigkeit übersteigt die 25 Prozent. Manche Familien leben allein von der Rente der Oma.

Samaras verspricht, dass der Gürtel nicht noch enger geschnallt werden soll. «Weitere Kürzungen von Löhnen und Renten wird es nicht geben», sagt er. In den kommenden Jahren sollen mehr als 700'000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Keine Angst vor dem Grexit

Die Stimmung in den ärmeren Regionen im Westen der Hauptstadt Athen ist explosiv. Drohungen mit einem Grexit, einem Austritt Griechenlands aus dem Euroland, machen diesen Menschen keine Angst mehr.

«Die Verelendung erleben wir seit langem», sagt Mitsos Sarantis, ein seit zwei Jahren arbeitsloser Schuhverkäufer aus der dicht besiedelten Athener Vorstadt Peristeri. Sein Sohn ist bereits ins Golfscheichtum Katar ausgewandert.

SDA/rar

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