Zum Hauptinhalt springen

Franzosen zunehmend von Armut betroffen

Immer weniger Franzosen können sich ein «Leben wie Gott in Frankreich» leisten. Laut einer neuen Studie hat ein Drittel der Franzosen in den vergangenen Jahren in Armut gelebt.

Obdachloser in Paris: 2009 lebten 13,5 Prozent der Franzosen unter der Armutsgrenze.
Obdachloser in Paris: 2009 lebten 13,5 Prozent der Franzosen unter der Armutsgrenze.
Keystone
Frankreichs neuer Präsident im Elysée-Palast: Grosse Hoffnungen lasten auf François Hollandes Schultern.
Frankreichs neuer Präsident im Elysée-Palast: Grosse Hoffnungen lasten auf François Hollandes Schultern.
Keystone
Hollandes Vorgänger Sarkozy (hier mit Ehefrau Carla Bruni in Paris) hatte mit seinem glamourösen Lebenswandel für viel Unmut gesorgt.
Hollandes Vorgänger Sarkozy (hier mit Ehefrau Carla Bruni in Paris) hatte mit seinem glamourösen Lebenswandel für viel Unmut gesorgt.
Keystone
1 / 3

Die Wahl von François Hollande zum neuen Präsidenten der Grande Nation war für viele Franzosen ein Symbol des Wandels. Sie wollten abschliessen mit ihrem «Président bling-bling», mit Nicolas Sarkozy, der durch seinen glamourösen Lebenswandel und sein zur Schau gestelltes Privatleben jahrelang für viel Unmut gesorgt hatte. Nachfolger Hollande wollte ein «normaler Präsident» werden und versprach seinen Mitbürgern mehr Jobs und weniger Steuern.

Doch die Auswirkungen der Wirtschaftskrise lasten schwer auf der neuen Regierung. Die zahlreichen Bettler der französischen Hauptstadt und die vielen Bretterbuden in den Banlieues sind nur Ausdruck dessen, was nun auch eine neue Studie der französischen Statistikbehörde INSEE aufzeigt: Die Armut in Frankreich wächst stetig. 2009 lebten 13,5 Prozent – und damit um 0,5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr – aller Franzosen unter der Armutsgrenze: Sie verfügten über ein monatliches Einkommen von weniger als 954 Euro – die Hälfte unter ihnen musste sogar mit maximal 773 Euro pro Monat auskommen.

900'000 Franzosen beanspruchen Suppenküchen

Laut INSEE lebte zwischen 2004 und 2008 ein Drittel der Franzosen mindestens ein Jahr lang in Armut – dies entspricht rund 16 Millionen Menschen. Aus der Studie geht auch hervor, dass die Hälfte der Franzosen mit weniger als 1590 Euro im Monat auskommen muss. Dass vor allem in den Grossstädten die Mieten stetig steigen, bedeutet für viele eine schleichende Verschlechterung ihres Lebensstandards. Heute sind rund 10 Prozent aller Franzosen arbeitslos – 2004 waren es noch 8,4 Prozent. Am stärksten treffen Arbeitslosigkeit und Armut die junge Generation: 2008 waren knapp 25 Prozent der unter 25-Jährigen ohne Arbeit. Rund die Hälfte aller arbeitstätigen Jugendlichen ist heute von prekären Arbeitsverhältnissen betroffen.

Die Krise der letzten Jahre hat vor allem die zehn ärmsten Prozent der Bevölkerung getroffen. Dies bekommen auch die Suppenküchen, die «Restaurants du Coeur», vermehrt zu spüren. Mittlerweile ernähren sich rund 900'000 Franzosen mithilfe der von Komiker Coluche gegründeten «Restaurants der Herzen».

Auf Frankreichs neuen Präsidenten warten gewichtige Aufgaben: Von ihm wird erwartet, dass er die Zahl der Arbeitslosen senkt, das derzeit schwache Wirtschaftswachstum wieder ankurbelt – und die Moral der Franzosen verbessert.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch