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First Girlfriend kriegt ein Baby

Carrie Symonds, die Mutter von Boris Johnsons (mindestens) sechstem Kind, war als 19-Jährige Opfer eines Vergewaltigers.

Sie war Kommunikationsfachfrau der konservativen Partei, jetzt will sie den Premierminister ehelichen: Carrie Symonds. Foto: Max Mumby (Getty Images)
Sie war Kommunikationsfachfrau der konservativen Partei, jetzt will sie den Premierminister ehelichen: Carrie Symonds. Foto: Max Mumby (Getty Images)

Von Carrie Symonds nahm die Welt erstmals Notiz, als sie Boris Johnson anschrie, verzweifelt, wütend oder beides. «Lass mich los», brüllte sie laut einer Nachbarin, und: «Verschwinde aus meiner Wohnung.» Türen wurden lautstark zugeschlagen, die Nachbarin befürchtete Schlimmes und rief die Polizei. Die Medien ­breiteten das alles detailreich aus.

Johnson stand damals, im Juni 2019, kurz vor der Wahl zum Parteichef der Tories und damit zum Premier­minister. Den Skandal sass er durch eisernes Schweigen aus, wie viele vorher und nachher. Wider Erwarten hielt die Beziehung zwischen Johnson und Symonds doch. Als erste First Girlfriend der britischen Geschichte zog sie in Downing Street 10 ein. Jetzt haben Johnson (55) und Symonds (31) bekannt gegeben, dass sie im Sommer ein Kind erwarten, sich verlobt haben und bald heiraten wollen.

Bei ihrem 30. Geburtstag bahnte sich etwas an.

Mit gewalttätigen Männern hat Symonds so ihre Erfahrungen. Als 19-Jährige setzte sie sich ins schwarze Londoner Taxi von John Worboys. Er bot Symonds ein Glas Wodka an. Sie wurde bewusstlos und erwachte, ohne zu wissen, ob Worboys sich an ihr vergangen hatte. Dem Fernsehsender ITV sagte sie, das Schlimmste sei die Ungewissheit: «Ich bin zu 99,9 Prozent sicher, dass mir nichts passiert ist, aber ich werde es nie erfahren.»

Als der Taxifahrer wegen Gewalt und sexueller Vergehen gegen über hundert Frauen strafrechtlich verfolgt wurde, ging sie ebenfalls zur Polizei und sagte vor Gericht aus. Worboys wurde 2009 in einem spektakulären Verfahren verurteilt. 2018 hätte der Taxi-Vergewaltiger freigelassen werden sollen. Zusammen mit anderen Frauen wehrte sich Symonds – mit Erfolg. Dass Johnson die Strafen für Sextäter verschärfte, führen Beobachter auf Symonds zurück.

Symonds und der Premier kennen sich spätestens seit 2012. Sie half ihm als PR-Frau, die Wiederwahl als Londoner Bürgermeister zu gewinnen. Später hatte sie Kommunikations­aufgaben in der Konservativen Partei und lernte die ganze Tory-Führungsriege kennen. Gerüchte über eine sich anbahnende Beziehung kochten hoch, als Johnson zusammen mit anderen Parteigranden die alkoholselige Party zu Symonds’ 30. Geburtstag besuchte.

Kommunikationsexpertin hat jetzt selbst eine Kommunikationsexpertin.

Johnson war damals verheiratet. Mit seiner zweiten Frau hat er zwei Töchter und zwei Söhne. Dazu kommt eine Tochter aus einer ausserehelichen Beziehung. Meldungen über die Existenz des 2009 geborenen Kindes liess Johnson lange gerichtlich unterbinden. Zudem verweigert er die Auskunft darüber, wievielfacher Vater er ist. Darum spekuliert die britische Presse munter drauflos, dass Johnson noch mehr Kinder gezeugt haben könnte.

Dass ihr Partner und künftiger Ehemann zur Institution Ehe ein eher entspanntes Verhältnis pflegt, musste Carrie Symonds also wissen. Dass sie dennoch das Wagnis eingehen will, erregt in Grossbritannien weniger Bewunderung über ihren Mut als Erstaunen und auch Häme.

Nicht geholfen hat der Kommunka­tionsfachfrau Symonds, dass sie nun selber eine Kommunikationsfachfrau eingestellt hat, um ihren Aufstieg von der First Girlfriend zur First Lady zu zementieren.

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