EU zieht Botschafter aus Moskau ab

Die EU-Chefs halten es für «höchst wahrscheinlich», dass Russland für den Giftanschlag auf Sergei Skripal verantwortlich ist.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte bestätigte den Abzug des EU-Botschafters aus Moskau. (Video: Tamedia/AFP)

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Wegen des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergei Skripal in Grossbritannien ruft die EU ihren Botschafter aus Moskau für Konsultationen zurück. Das bestätigte am Freitag der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte nach Beratungen des EU-Gipfels.

Die EU-Staats- und Regierungschefs wollten damit ihre Entschlossenheit zeigen, sagte ein EU-Vertreter in der Nacht. Der Schritt stehe symbolisch für die Solidarität der Union mit Grossbritannien nach dem Giftanschlag von Salisbury, sagten drei Diplomaten. «Er wird für Unterredungen zurückgerufen», sagte einer von ihnen. Zurzeit leitet der deutsche Diplomat Markus Ederer die EU-Vertretung in Russland.

Ton verschärft

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hält zudem als Reaktion auf den Giftanschlag weitere Massnahmen gegen Russland für möglich. Zunächst müsse die Bewertung durch die mit der Untersuchung beauftragte Chemiewaffenorganisation abgewartet werden, sagte sie. «Wir sind entschlossen, (...) gegebenenfalls auch durch weitere Massnahmen einheitlich zu reagieren.»

Zuvor hatten die Staats- und Regierungschefs der 28 EU-Mitgliedstaaten auch mit einer Gipfelerklärung den Ton gegenüber Russland verschärft. In ihr heisst es, man stimme mit der britischen Regierung darin überein, dass Russland mit hoher Wahrscheinlichkeit die Verantwortung für den Nervengift-Anschlag in Salisbury trage, und dass es keine plausible alternative Erklärung gebe.

Russland bestreitet Vorwürfe

Noch am Montag hatte sich die EU bei einem Aussenministertreffen nicht auf eine klare Schuldzuweisung in Richtung Russland einigen können. Damals hatte es geheissen, die EU nehme die Einschätzung Grossbritanniens sehr ernst, dass höchstwahrscheinlich Russland für den Anschlag verantwortlich sei.

Der frühere Doppelagent Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank im englischen Salisbury gefunden worden. Sie wurden nach derzeitigem Ermittlungsstand mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet. Beide befinden sich noch in einem kritischen Zustand. Die britische Regierung hatte Russland von Anfang an dafür verantwortlich gemacht. Russland streitet jegliche Verantwortung für den Anschlag ab. (scl/sda)

Erstellt: 23.03.2018, 03:13 Uhr

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