Was Monique Hawkins passierte, könnte ein Brexit-Mahnmal sein

Sie lebt seit 24 Jahren in Grossbritannien, sie ist Programmiererin – und sie wollte Britin werden. Nichts da! Jetzt hat sie eine «Ausreise»-Empfehlung.

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Die Niederländerin Monique Hawkins ist mit einem Briten verheiratet und hat mit ihm zwei Kinder. Nach dem Ja zum Brexit wollte sie Britin werden. Doch nicht nur ihr Antrag auf ein dauerndes Bleiberecht wurde abgelehnt. In einem Schreiben des zuständigen Innenministeriums hiess es, sie solle ihre Ausreise vorbereiten.

Hawkins erschien die Bürokratie, mit der sie sich auseinandersetzen musste, als so absurd «wie ein Monty-Python-Sketch». Ihr Fall zeige, welche Probleme Millionen von EU-Bürgern nach dem Brexit in Grossbritannien bekommen dürften, konstatiert «The Guardian».

Jede Ausreise in 24 Jahren auflisten

85 Seiten dick war der Antrag, den die Programmiererin, die in Cambridge Mathematik studiert hat, einreichen musste. Ein ganzes Wochenende brauchte sie allein, um jede Ausreise in den vergangenen 24 Jahren aufzulisten.

Ihr Antrag wurde abgelehnt. «Da es scheint, dass sie keine andere Grundlage haben, um in Grossbritannien bleiben zu dürfen, sollten sie Vorbereitungen für ihre Ausreise treffen», schrieb das Amt.

Kein Wort davon, dass sie als EU-Bürgerin aufgrund der Personenfreizügigkeit ein Aufenthaltsrecht in Grossbritannien hat, allerdings nur solange das Land noch Mitglied der EU ist – was nach dem Brexit passiert, ist noch unklar. «Ich fordere kein neues Recht ein, sondern versuche, ein Dokument zu erhalten, das mir ein Recht bestätigt, das ich schon habe», sagt Hawkins dem «Guardian».

EU-Bürger bei Heirat diskriminiert

Abgelehnt worden war ihr Antrag, weil sie nicht ihren niederländischen Pass eingereicht hatte, sondern eine von einem Notar beglaubigte Kopie. Ihr Vater war kurz zuvor verstorben, sie war auf ein Reisedokument angewiesen, um ihre in den Niederlanden lebende Mutter zu unterstützen. Das alles stand in dem seitenlangen Antrag.

Als sie den Fall telefonisch zu klären versuchte, hiess es, das sei nicht möglich. Sie reichte eine schriftliche Beschwerde ein. Diese genüge den Anforderungen nicht, schrieb das Innenministerium zurück. Nun hat sie ihren Antrag ein zweites Mal eingereicht und wartet seither auf die Wiederaufnahme ihres Falls.

Dass sie mit einem Briten verheiratet ist, hilft ihr auch nichts. Denn mit Briten verheiratete EU-Bürger erhalten – im Gegensatz zu Bürgern aus Nicht-EU-Staaten – nicht automatisch das Recht auf die britische Staatsbürgerschaft. (ij)

Erstellt: 29.12.2016, 10:31 Uhr

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